Wenn man als in Österreich lebender Mensch nur Zeit genug hat, um ein einziges Buch über den Klimawandel zu lesen, dann sollte man dieses wählen. Selten hat jemand die internationale und regionale Dimension dieser größten Krise unserer Zeit so gut auf Papier gebannt, wie Katharina Rogenhofer es in diesem spannenden, ergreifenden und sehr informativen Sachbuch tut.
Ich habe schon viele Werke zum Klimawandel gelesen. Manche versteigen sich in Details, andere verlieren sich im Vagen ohne je konkret zu werden. Manche wecken falsche Hoffnung und spielen den Ernst der Lage herunter, andere wiederum räumen der Hoffnung überhaupt keinen Platz ein und hinterlassen die Lesenden in untätiger Starre. Rogenhofer kann es besser. Mit ihrem persönlich Einsatz, mit ihrem beeindruckenden Engagement beim Klimavolksbegehren, macht sie vor, wie der einzelne Mensch einen großen Unterschied machen kann. Sie lässt keinen Zweifel am Ernst der Lage, sieht aber auch die positiven Trends, welche allmählich die viel zu späte Kehrtwende doch noch in den Bereich des Möglichen rücken.
Mit einer leicht verständlichen Sprache, die dennoch reich an passenden Metaphern und beeindruckenden Analogien ist, führen Rogenhofer und ihr Co-Autor Florian Schlederer in die Problematik des Klimawandels ein und beleuchten diesen von verschieden Seiten: wissenschaftlich, wirtschaftlich, sozial, politisch, auch familiär. Alle Lebensbereiche werden vom Klimawandel berührt. Alle vermögen wiederum auch, auf ihn einzuwirken. Jedes Zielpublikum nimmt aus diesem Buch die richtige Botschaft mit. Ohnehin schon für Klimaschutz engagierte Menschen fühlen sich bestätigt und werden mit neuer Motivation bestärkt. Jene, die an der Schwelle zum Engagement stehen, werden über ebenjene Schwelle getragen. Und jene, die noch nicht begriffen haben, wie ernst die Lage ist, erleben während der Lektüre hoffentlich einen Sinneswandel. Schön ist auch, wie die unterschiedlichen Generationen im Buch Beachtung finden und wie klar und stark der Gedanke zum Vorschein kommt, dass sie alle einen Beitrag zur Lösung der Krise leisten können.
Es bleibt zu hoffen, dass viele Menschen, auch viele Entscheidungsträger:innen dieses Buch lesen. Gerade die Kapitel, in denen die Berührungspunkte zwischen Aktivist:innen und noch oder nicht mehr aktiven Politiker:innen erzählt werden, habe eine besondere Spannung in sich. Vieles, das in den Medien berichtet wurde, macht nun, vor dem beleuchteten Hintergrund, den dieses Buch liefert, mehr Sinn.
Jedenfalls rate ich ausdrücklich zur Lektüre dieses Buches und hoffe, dass Katharina Rogenhofer noch genug Gelegenheit bekommt, ihr Engagement und ihr Wissen im Dienste der guten Sache einzubringen. Aber nicht nur sie. Viele Österreicher:innen mögen in ihrem Windschatten zu ihr und ihren Mitstreiter:innen aufschließen und bald selbst an vorderster Front daran erinnern, dass noch viel zu tun ist und noch viel zu wenig getan wurde.
Auf persönlicher Ebene freut es mich jedenfalls sehr, dass wir Katharina Rogenhofer im Herbst 2021 bei uns in Kufstein in der Reihe der Kufsteiner Nachtgespräche auf der Bühne des Kultur Quartiers hören durften. Einige im Publikum haben das Buch ja an diesem Abend auch nach Hause genommen.
Sei es bei Klima-Demos, bei öffentlichen Veranstaltungen oder bei Gesprächen im Kreise von Bekannten und Freund:innen – immer wieder einmal stellt mir jemand diese Frage: „Warum bist du eigentlich nicht bei den Grünen?“ Die Antwort ist ein bisschen kompliziert.
Wie vielen Menschen war auch mir schon vor Jahren klar, dass der Klimawandel mehr als Ernst zunehmen ist und sich im Laufe der Jahre zur größte Krise des 21. Jahrhunderts entwickeln wird. Es mag daher nicht verwundern, dass es mich als Wähler immer wieder zu jener Partei zog, die diese Gefahr als einzige nicht unter den Teppich kehrte sondern offen und ehrlich thematisierte. Auch andere Aspekte der grünen Bewegung, etwa ihr Mut zur Vielfalt und ihre im Grunde humanistische Ausrichtung und ihr stark verankertes Streben nach Tierschutz und speziesübergreifender Gerechtigkeit waren und sind mir immer noch sehr sympathisch.
Als ich im Jahr 2015 von einer fünf Monate langen Reise durch Indien und Nepal zurückkehrte und sich mein Lebensmittelpunkt nach langen Jahren in Innsbruck wieder nach Kufstein verschob, verspürte ich den Wunsch, mich kommunalpolitisch zu engagieren und auf diese Weise etwas zum Wohl meiner Heimatstadt beizutragen. Die Gemeinderatswahlen 2016 standen bevor. Allmählich formierten sich die Fraktionen – und natürlich wandte sich mein Blick in Richtung der Grünen. Wäre doch schön, wenn ich mich da einbringen könnte. Ich las mich also ein bisschen in die Vorhaben der Parteien ein und verfolgte die mediale Berichterstattung. Ich verfasste sogar eine E-Mail zur ersten Kontaktaufnahme mit den Kufsteiner Grünen. Doch dann wunderte ich mich sehr. Damals standen in Kufstein zwei Projekte kurz vor der Umsetzung. Beide waren in meinen Augen für unsere Stadt gut, wichtig und voller Vorteile. Aber die Grünen waren dagegen.
Da war zum Einen das Kultur Quartier. Als Theatermacher hatte ich persönlich viele Jahre lang darunter gelitten, dass wir mit viel Herzblut und Engagement vorbereitete Stücke in unwürdigen, schlecht ausgestatteten Sälen spielen mussten; Sälen, in denen das Publikum im Winter fror und in denen es immer wieder von der Decke tropfte. Vielen Kulturvereinen ging es ähnlich. Jahrelang waren die Wünsche nach einem geeigneten Veranstaltungszentrum ungehört geblieben. Nun endlich tat sich was. Endlich hatten viele Kulturschaffende die Aussicht auf ein schöne, zentral gelegene Veranstaltungssäle. Man spürte regelrecht die Vorfreude. Aber die Grünen stimmten dagegen (Gemeinderat am 18.11.2015). Es freut mich sehr, dass viele ihrer Vertreter:innen auf Landes- und Gemeindeebene inzwischen regelmäßig Theaterstücke und Vorträge im Kultur Quartier besuchen. Ich hoffe, sie denken dabei hin und wieder daran, dass es diese Veranstaltungszentrum nicht gäbe, wenn sie damals ihren Willen durchgesetzt hätten.
Ein anderes Thema im Wahlkampf 2016 und in den Jahren davor war die International School (ISK), welche sich nicht nur durch die Unterrichtssprache Englisch auszeichnet, sondern auch dadurch, dass ihre Schülerinnen und Schüler mit dem International Baccalaureate (IB) abschließen, einem ganz besonderen Lehrgang, der weltweit in vielen verschiedenen Ländern angeboten wird. Dessen Inhalte unterscheiden sich stark vom österreichischen Lehrplan. Insbesondere spielen kulturelle Vielfalt, Weltbürger:innentum, kritisches Denken, soziales Engagement, aber auch der Klimawandel im Lehrplan des IB eine viel bedeutendere Rolle als an anderen Schulen. Man müsste doch meinen, dass diese Inhalte stark mit der Weltanschauung der Grünen harmonieren. Wie dem auch sei, sie waren dagegen und sprachen sich insbesondere im Wahlkampf 2016 gegen die ISK aus. Warum nur? Hatten sie sich denn überhaupt im Detail mit den Inhalten des IB-Lehrplans beschäftigt? Aus der Aussage des damaligen Spitzenkandidaten „Ich bin halt gern dagegen.“ wurde ich auch nicht unbedingt schlauer.
Dies war also die Lage in jenem Herbst 2015. Ich wollte mich kommunalpolitisch engagieren, musste aber feststellen, dass jene Partei, die ich eigentlich unterstützen wollte, aus unerklärlichen Gründen gegen Projekte war, dich ich für Kufstein als sehr richtig und wichtig empfand. Mit meiner Verwunderung war ich wohl nicht allein. Ich kann mir gut vorstellen, dass damals viele potentielle Grünwähler:innen von dieser Ablehnung großartiger Projekte vergrault wurden.
Mein schon verfasstes E-Mail mit einer kurzen Vorstellung meinerseits und dem Wunsch mitzumachen wurde dennoch abgeschickt – allerdings nicht an die Grünen, sondern an Martin Krumschnabel und die Parteifreien. Wenige Monate später zog ich mit Listenplatz 9 in den Gemeinderat ein, wurde Kulturreferent und bekam die Gelegenheit, Kufstein sechs schöne Jahre lang mitzugestalten.
Meine Entscheidung, zu den Parteifreien zu gehen, habe ich nie bereut. Immer wieder wurde ich vom Verlauf der Begebenheiten darin bestätigt, dass dies die richtige Entscheidung war. Die Parteifreien sind weltoffen und tolerant, lösungsorientiert und sachlich. Ihre Expertise in Sachen Klimaschutz ist groß. Ihre Bereitschaft, Dinge zu verändern, war immer gegeben. Ich fühle mir hier nach wie vor sehr wohl. Viel ist passiert. Viele Projekte wurden umgesetzt. Doch davon steht an anderer Stelle geschrieben. Hier möchte ich noch ein bisschen über die Kufsteiner Grünen sprechen und mich an ein paar kuriose Episoden erinnern.
Etwa daran, wie sich die Grünen mit der damaligen Fraktion FPÖ/GKL zusammentaten, um die Umgestaltung des Stadtparks zu verhindern. Transparente wurden aufgehängt, eine blaugrüne Unterschriftenaktionen wurde gestartet. All dies geschah mit dem populistische Slogan „Rettet den Stadtpark“, welcher fälschlich suggerierte, dass andere den Park wohl ganz abschaffen wollten. Mit der Ablehnung des neuen Stadtparks sprach man sich gleichzeitig auch gegen die Errichtung der neuen Stadt-Bibliolthek KuBi und die darüberliegenden Start-up Büros aus. Heute erfreut sich der neue Stadtpark großer Beliebtheit. Mit einer reicheren, üppigeren Flora als zuvor wird wohl auch sein ökologischer Fußabdruck mit der zwar größeren aber doch recht kargen Wiesenfläche von früher mithalten können.
Ich erinnere mich auch an manche Aussagen und Stellungnahmen, die ich ungerecht und unwürdig fand. Als das Flüchtlingslager in Moria brannte und sich unser Bürgermeister in seiner Weihnachtsbotschaft entgegen den Vorgaben der Bundesregierung klar für eine Aufnahme von Kindern aus Moria aussprach, wurde dies von grüner Seite als bloßes „Lippenbekenntnis“ bezeichnet anstatt einen Schulterschluss für die gute Sache zu suchen. Als später im Gemeinderat von Seiten der freien Abgeordneten B. Obermüller eine Reihe von Anschuldigungen gegen die Stadtwerke und gegen den Bürgermeister in Sachen Kaisertal erhoben wurden, die sich letztlich als haltlos erwiesen haben, sprangen die Grünen auf den rollenden Wagen der Empörung mit auf. Der anklagende, scharfe Ton, der damals gewählt wurde, um städtische Institutionen und Vertreter in Misskredit zu bringen, war alles andere als fair und hat dem Klima im Gemeinderat dauerhaft geschadet.
Kurios fand ich auch, wie die Grünen im April2021 gemeinsam mit den konservativen Parteien erfolgreich eine Begegnungszone auf der Stadtbrücke verhindert haben (Videolink). Grüne, die Begegnungszonen verhindern – so etwas gibt es wohl auch nur in Kufstein.
Rätselhaft erscheint mir auch die Positionierung der Grünen zum Thema Licht Festival auf der Burg. Diese Veranstaltung verbraucht nachweislich weniger Strom, als die herkömmliche Festungsbeleuchtung, die ja während dem Festival abgeschaltet wurde. Auch spielen in der von der Burg erzählten Geschichte die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel eine bedeutende Rolle. Dass dieses Projekt mit Unterstützung der konservativen und rechten Parteien und gegen den Widerstand der vermeintlich progressiven Grünen und NEOS umgesetzt werden konnte, gehört wohl zu den bizarrsten und ernüchterndsten Erlebnissen meiner kommunalpolitischen Laufbahn.
In ihrem jüngsten Wahlvideo wird als allererstes gesagt, dass es mit den Grünen in Kufstein „keine teuren Prestigeprojekte“ mehr geben wird. Dieses Vorhaben reiht sich sehr gut in die bisher genannten Beispiele ein und zeigt, dass die Kufsteiner Grünen auch in Zukunft vorhaben, vorrangig als Verhinderer:innen aufzutreten. Fakt ist, dass sich Kufsteins Schuldenstand in den letzten 12 Jahren inflationsbereinigt nicht erhöht hat. Wenn man damit also keine Schulden macht – und die Projekte noch dazu ökologisch nachhaltig umsetzbar sind – bin ich entschieden dafür, solche Prestigeprojekte auch weiterhin stattfinden zu lassen. Denn sie machen diese Stadt nicht nur überregional bekannter und beliebter – sie machen sie auch schöner und lebenswerter. Sie holen viele Besucher:innen in unsere Stadt, die wiederum die Wirtschaft ankurbeln. Ohne solche Projekte, ohne KUFSTEIN unlimited, Operettensommer, Licht Festival, Weinfest, Silent Cinema etc. wäre Kufstein wohl ein tristerer Ort. Ohne Kultur Quartier, neuen Stadtpark und ISK wohl auch.
Kurzum: In Kufstein gibt es eine Fraktion, die sich gegen Kultur- und Bildungsprojekte ausspricht (Kultur Quartier und ISK), die gemeinsam mit der FPÖ Unterschriftenlisten mit populistischen Slogans (Rettet den Stadtpark) initiiert, die Begegnungszonen verhindert und gegen Projekte stimmt, die Bewusstseinsbildung in Sachen Klimawandel betreiben und vielen Menschen Freude machen (Lichtfestival); eine Fraktion, die viel zu oft Parteipolitik statt Sachpolitik betreibt und um des Dagegen-sein willens dagegen ist. Leider sind es die Grünen. Auch wenn ich auf Landes- und Bundesebene immer noch große Sympathien hege, auf kommunaler Ebene muss ich einfach nur wundern. Schade eigentlich.
Werde ich nach diesem Text nun auch noch acht weitere Texte mit den Titeln „Warum ich nicht bei ____* bin“ (*setze eine beliebige in Kufstein antretende Partei ein) schreiben? Nein, denn Unterscheidung sollte vor allem da erleichtert werden, wo sie ohne Erläuterung schwer fallen würde. Wer mich gut kennt, wird leicht zum Schluss kommen, dass meine Differenzen mit allen anderen um Einiges größer sind als meine Differenzen mit den Kufsteiner Grünen. Denn bei aller Kritik möchte ich als versöhnliches Schlusswort festhalten, dass ich auf gute Zusammenarbeit hoffe, die von mehr Konstruktivität geprägt ist als bisher. Denn unser Hauptziel ist ja doch dasselbe.
Warum ich Kommunal-Politiker bin (Ein paar Beweggründe)
Im Laufe der letzten paar Jahre habe ich mich durch einige Werke bedeutender Theatertheoretiker durchgearbeitet: Brecht, Boal, Kantor, Grotowski – nicht nur für meinen Theaterunterricht an der ISK sondern auch aus ganz persönlichem Interesse. Obgleich die Gedanken und Impulse dieser Denker bereichernd und faszinierend sind, hab ich mich doch stets am meisten bei Stanislawski zu Hause gefühlt. Noch viel besser als in seinen eigenen Büchern (die zwar eindrucksvoll aber auch ein bisschen wirr sind), kommt die Essenz seiner Theorie in dem im Bild gezeigten Werk zum Ausdruck. Die Titelseite täuscht. Strasberg und Cole sind wohl eher nur als Herausgeber zu nennen, nicht als Autoren. Auch Stanislavski spielt nur eine indirekte Rolle. In der Tat befindet sich in diesem Buch eine Sammlung von Essays bedeutender russischer Regiesseur:innen und auch Schauspieler:innen des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts. Diese Texte – vor allem jene von Rapoport (The Work of the Actor), Sudakov (The Creative Process), Vakhtangov (Preparing for the Role), Giatsintova (Case History of a Role) und Zakhava (Principles of Directing) – gehören zu den besten theoretischen Schriften, die ich bisher über das Theater gelesen habe. Brillant verfasst und reich an Sätzen, die man am liebsten gleich drei- und vierfach mit dem Textmarker hervorhebt, geben sie Einblick in die damalige Theaterarbeit in Moskau und Sankt Petersburg. Dieses Buch wird jedenfalls einen großen Einfluss auf meinen Unterricht und meine künftigen Theaterprojekte haben.
Gehören möglichst viele Entscheidungsträger:innen auf kommunaler Ebene keiner überregionalen Partei an, so hat dies klare Vorteile für die Bevölkerung. Die Interessen von Nation, Bundesländern und Kommunen sind oft sehr verschieden. Die Unabhängigkeit dieser einzelnen Bereiche ist ein kostbares Gut. Konkret fallen mir in diesem Zusammenhang vier Effekte ein, die es einzeln zu betrachten gilt:
Für Parteifreie ist das kommunale Mandat keine Sprosse in der politischen Karriereleiter.
Vertreter:innen von Parteien, die auch auf Bundes- oder Landesebene agieren, sind manchmal weit weniger dem Wohl ihrer Gemeinde verschrieben als der persönlichen Karriereleiter. Ihre politische Tätigkeit auf Kommunalebene dient vielleicht nur als Sprosse, die den Aufstieg in überregionale Gremien bezweckt. Man gibt vor, sich vor allem um das Wohl der Gemeinde zu sorgen, um bei nächstbester Gelegenheit eben dieser Gemeinde den Rücken zu kehren und eine Sprosse höher zu steigen. Für eine parteifreie Fraktion ist dies anders, denn sie haben keine Leiter dieser Art. Sie haben keine Netzwerke, die ihre Mitglieder in höhere Ämter hieven könnten. Jedem Mitglied einer parteifreien Fraktion ist bewusst, dass man hier nicht für sich, sondern tatsächlich für das Wohl der Gemeinde arbeitet – und das ist gut so.
Parteifreien kann nicht von oben diktiert werden, wie sie sich zu entscheiden haben.
Ein:e parteitreue:r Kommunalpolitiker:in kann nie jenen Grad der Freiheit und Unabhängigkeit erreichen, wie er parteifreien Kolleg:innen zur Verfügung steht. Stets ist die Einflussnahme von oben möglich. Stets kann eine Landes- oder Bundespartei den Kurs vorgeben und ihren kommunalen Mitgliedern verbieten, das zu tun, wofür sie eigentlich gewählt wurden – nämlich dem Wohl einer Kommune dienlich zu sein. Gemeinden haben also eine höhere Wahrscheinlichkeit, Interessen durchzusetzen, die höheren Ebenen zuwider laufen, wenn sie möglichst viele parteifreie Mitglieder im Gemeinderat haben – und keine Marionetten übergeordneter Entscheidungsträger:innen.
Parteifreie können unabhängiger und schneller zu Entscheidungen gelangen.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass parteifreie Fraktion in ihren Entscheidungen keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Landes- und Bundesparteien nehmen müssen. Sie können jederzeit frei entscheiden, haben sich nicht nach überregionalen Wahlterminen und den Terminkalendern höherer Gremien zu richten. Sie haben die Möglichkeit, jederzeit die Entscheidungen einer Landes- oder Bundesregierung zu kritisieren, ganz gleich aus welchen Parteien diese gebildet ist. Skandale und Umwälzungen auf höchster Ebene spielen für Parteifreie keine Rolle und haben keinerlei Auswirkung darauf, wie sie eine Gemeinde regieren. Sie können authentischer sein, ehrlicher und aufrichtiger. Auch transparenter. Es ist oft sehr unklar – und auch sehr unfair – wenn Fraktionen auf Kommunalebene in ihren Wahlkämpfen mehr oder minder stark von ihren Landes- und Bundesparteien unterstützt werden. Ist man von diesen Strukturen befreit, ist man zwar ärmer an Mitteln, aber reicher an Authentizität.
Parteifreie betreiben viel mehr Sachpolitik als Parteipolitik
Das Wohl und Ansehen einer Partei ist ein seltsames Gut, von dem die Bevölkerung nicht unbedingt profitiert. Gerechtigkeit und Fairness herrschen, wo es um die Sache selbst geht – und nicht um deren mögliche Auswirkungen auf das Image einer Partei. Dennoch scheint in vielen Fraktionen das Ansehen der Partei ein Wert zu sein, der in allen Entscheidungen mitschwingt. Oft verlangt es die Parteiraison, dass Einzelne nicht ihrer persönlichen Überzeugung folgen, sondern dem, was die Parteilinie vorgibt. Bei parteifreien Politiker:innen ist das anders. Sie sehen sich nicht so sehr als Kollektiv, sondern viel mehr als bunte Gruppe einzelner Menschen, in der jeder für sich zu Entscheidungen gelangt und darauf bedacht ist, das Hauptaugenmerk auf die Sache selbst zu richten – und nicht darauf, von wem der Vorschlag ursprünglich kam, wem er nützt oder wem er schadet. Dies führt auf Dauer zu mehr Gerechtigkeit.
Weitere Infos zu meiner kommunalpolitischten Tätigkeit inkl. einem Podcast-Gespräch mit Bürgermeister Martin Krumschnabel und mir finden Sie hier.
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Bevor man über etwas spricht, sollte man zuerst klarstellen, was damit gemeint ist. Was macht man eigentlich als Kulturreferent einer 20.000 Einwohner:innen Stadt wie Kufstein? Welche Aufgaben gilt es da zu erfüllen? Viele. Als Kulturreferent gilt es vor allem, sich einen Überblick über alle in der Stadt tätigen Künstler:innen und Kulturinitiativen zu schaffen, für sie da zu sein und sie nach bestem Wissen und Gewissen im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen. Ich habe in den letzten sechs Jahren unzählige Gespräche mit Vertreter:innen unserer regen Kulturszene geführt, war regelmäßig zu Gast auf den Jahreshauptversammlungen Dutzender Vereine und habe selbstverständlich auch so viele Kulturveranstaltungen wie möglich besucht – mitunter mehrere pro Tag. Es gehört zur Aufgabe eines Kulturreferenten dazu, schwierige Entscheidungen zu treffen. Das Budget der Stadt ist begrenzt. Nicht alles ist möglich. Viele Wünsche von Vereinen, betreffend die Höhe ihrer Subventionen, müssen unerfüllt blieben. Die meisten können glücklicherweise in Erfüllung gehen. Es gilt abzuwägen. Es gilt, gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Kulturausschusses so fair und transparent wie möglich zu entscheiden, welche Höhe einer Subvention gerecht und angemessen ist. Dazu braucht man Input. Man muss die Kulturvereine und ihre Veranstaltungen kennen, muss sich durch die Finanzierungspläne der eingereichten Projekte und Jahresprogramme durcharbeiten.
Darüber hinaus hat man als Kulturreferent auch die Möglichkeit – und wie ich es sehe: die Pflicht, – sich in die Gestaltung des städtischen Kulturprogramms einzubringen und darin neue Impulse zu setzen. In Briefen wendet man sich an die Abonnent:innen und Besucher:innen der bis zu 30 städtischen Kulturveranstaltungen im Jahr und informiert über Inhalte und in Zeiten der Pandemie leider oft nötige Verschiebungen. Man sollte im Prinzip ständig erreichbar sein, immer bereit für Besprechungen und Veranstaltungen, immer offen, für Anregungen aus der Bevölkerung, um Kufstein in kultureller Hinsicht noch schöner zu machen. Man kümmert sich um die Vernetzung der unterschiedlichen Kulturvereine, veranstaltet Foren und Diskussionsabende und versucht, andere Mitglieder des Kulturausschusses sowie Stadt- und Gemeinderäte von der Notwendigkeit zusätzlicher Ausgaben für Kunst- und Kulturprojekte zu überzeugen. So zumindest habe ich diesen Job in den letzten Jahren gehandhabt.
Ach ja, eins noch: Man macht all das in seiner Freizeit, nebenbei, zusätzlich zu einem regulären 40-Stunden-Job – denn leben kann man von der mit dem Amt verbundenen Aufwandsentschädigung nicht.
Ist dies eine schöne Aufgabe? Absolut! Sie ist aber nicht immer leicht und oft sehr anstrengend und zeitintensiv, mitunter auch frustrierend. Oft muss man Rückschläge in Kauf nehmen. Manch schönes Projekt scheitert am mangelnden Zuspruch anderer Fraktionen. Es kann auch sehr schmerzhaft sein, wenn man sich sehr für eine Kulturinitiative einsetzt, das Maximum an Subvention im Rahmen der Möglichkeiten für ein Projekt gegen viel Widerstand durchsetzt und dann von den Vertreter:innen selbiger Kulturinitiative statt Dank nur Vorwürfe erntet, da jene sich ungerecht behandelt fühlen, weil vielleicht nicht alles möglich war. Das kommt vor. Das muss man aushalten. Das Amt des Kulturreferenten nimmt viel Zeit, vor allem viele Abende, für sich in Anspruch, insbesondere am Wochenende – denn die meisten Veranstaltungen und Jahreshauptversammlung finden an Wochenend-Abenden statt. Oft wird natürlich auch erwartet, dass man eine Rede hält. Vor Ausbruch der Covid-Pandemie war ich wohl fast jeden Freitag- und Samstagabend im Einsatz, auch an vielen Wochentagen, im Durchschnitt wohl jeden zweiten Tag. Man meint gar nicht, wie reich an Veranstaltungen Kufstein ist. All das kann natürlich sehr bereichernd und inspirierend sein. Ich habe meine Besuche bei den Versammlungen von Kultur- und Traditionsvereinen sehr genossen und viel dabei gelernt. Natürlich würde man sich gelegentlich auch einfach wieder einmal einen ruhigen Abend gönnen und sich vielleicht einen Film ansehen oder einfach mal wieder gemütlich essen gehen. Natürlich leidet manch Hobby darunter, dass nur mehr wenig Zeit dafür bleibt.
Ich will hier ganz ehrlich sein. Ein Teil von mir würde wohl aufatmen, wenn ich diese schwierige Aufgabe abgeben darf. Doch das möchte ich nicht. Denn ein größerer Teil von mir hat noch viel vor und blickt mit Freude und Stolz auf das in den letzten Jahren Erreichte und Erlebte zurück. Ich bin froh, dass es mir mit der Einführung der „Nacht der Kunst“ gelungen ist, eine alljährlich wiederkehrende Feier zu schaffen, bei der alle Kunstschaffenden der Stadt zusammenkommen und von Seiten der Stadtgemeinde jene Anerkennung und jenen Dank bekommen, den sie sich verdient haben – denn sie sind es, die unsere Stadt mit Geist und Emotion erfüllen. Ich bin froh, dass es trotz erbittertem Widerstand anderer gelungen ist, die Miete für die Stadtgalerie zu subventionieren, sodass seit mehr als zwei Jahren schon ein ständiger Galeriebetrieb in der Kinkstraße herrscht. Über fünfzig verschiedene Künstlerinnen und Künstler konnten so ihre Werke der Öffentlichkeit präsentieren. Das Projekt „Stadtgalerie“ ist eines von mehreren, das ursprünglich aus den von mir veranstalteten „Kultur-Foren“ hervorging, einem regelmäßigen Treffen der wichtigsten Kulturschaffenden der Stadt, bei welchem man sich vernetzt, sich gemeinsam informiert und Initiativen startet. Ich bin froh, dass ich die „Kufsteiner Nachtgespräche“ als Vortragsreihe im städtischen Kulturprogramm installieren konnte. Ich bin froh, dass ich auch mit dem „Silent Cinema“ im Sommer und mit der Fortführung der „Klassik am See“ die Menschen begeistern konnte. Auch, dass der Operettensommer nun immer mehr hin zum Musical tendiert und weiter fortgesetzt wird, freut mich sehr. Mit dem Glaskunstwerk im Stadtpark und der Karl Ganzer Skulptur am Ende der Römerhofgasse war ich auch unmittelbar daran beteiligt, mehr Kunst im öffentlichen Raum zu schaffen. Ein gerade erst ins Leben gerufener Skulpturenwettbewerb soll hier noch weitere Werke möglich machen.
Es hat mich all die Jahre lang mit Freude erfüllt, Kufstein kulturell beflügeln zu dürfen und seinen Kulturvereinen jenen Wind unter ihre Schwingen zu geben, der es ihnen erlaubte, sich in neue Höhen zu erheben. Viel ist geschehen. Nacht sechs Jahren bin ich nun bestens bekannt mit allen Funktionären unserer Kulturszene. Man kennt sich. Man arbeitet gut zusammen. Und man hat viele Pläne für die Zukunft.
So wie in den letzten Jahren die bildende Kunst forciert wurde, möchte ich mich nun auf die Literatur stürzen. Auch im städtischen Kulturprogramm soll es künftig hochkarätige Lesungen von international anerkannten Autor:innen geben. Zudem möchte ich einen regelmäßigen Literaturcafé-Treff möchte gründen. Kunst im öffentlichen Raum soll viel präsenter werden. Einige Flächen der Stadt bieten sich wunderbar dafür an, mit Street-Art oder mit Skulpturen bereichert zu werden. Auch die während der Vorarbeit für das Projekt „Kufstein schreibt Stadtgeschichte“ so beliebten Erzählcafés würde ich gerne wieder einführen. Auch den Jazz als Musikgenre wollen wir lauter und häufiger in der Stadt erklingen lassen. Ich möchte auch die Zusammenarbeit mit unserem Kino am seinem neuen Standtort intensivieren und gemeinsam etwa das Streaming von Opern und hochkarätigen Ted-Talks mit Einbindung ins städtische Kulturprogramm verwirklichen.
Neben diesen und anderen neuen Initiativen geht es mir aber vor allem auch darum, in den letzten Jahren etablierte Projekte erfolgreich weiterzuführen. Ob „Nacht der Kunst“, „Nachtgespräche“, „Kultur-Foren“, etc. – ich habe große Sorge, dass diese Initiative ohne mein persönliches Engagement und ohne meine ständig darin investierte Zeit und Arbeit leicht wieder verschwinden würden. Das wäre doch sehr schade.
Mit unseren Kulturvereinen habe ich in den letzten Jahren ein sehr gutes, auf gegenseitigem Vertrauen errichtetes Verhältnis aufgebaut, das ich gerne in die Zukunft weiterführen würde. Man kennt sich. Man weiß um vergangene Projekte und kann auf Basis des Bisherigen entscheiden, wie viel Subvention fair und gerecht ist. Dafür braucht es die nötige Erfahrung.
Kurzum: Wenn man möchte, dass ich mich weiterhin als Kulturreferent der Stadt Kufstein engagieren darf, sollte man bei der Gemeinderatswahl am 27.2. die Parteifreien wählen. Nichts ist gewiss. Jede Stimme zählt. Es wäre mir eine Ehre, weitere sechs Jahre lang die Kufsteiner Kulturszene in all ihrer Farbenpracht und Lebendigkeit zu unterstützen. Es wäre mir eine Freude, weitere Impulse umzusetzen. Auch, wenn es manchmal hart ist. Auch, wenn man manchmal scheitert. Auch, wenn es viel Zeit kostet. Für Kunst. Für Kultur. Für das Gelächter und die Tränen des Publikums. Für die kostbaren Gedanken, die beim Betrachten neuer Werke entstehen und unser aller Leben reicher machen.
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Eben las ich den Roman „Paradise“ von Abdulrazak Gurnah, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2021, zu Ende. Spannend. Die Genres von Entwicklungs- und Reiseroman sind hier schön miteinander verwoben – und dies vor dem Hintergrund der ostafrikanischen Kolonialgeschichte, in welcher immer wieder deutsche Soldaten und ihre Askaris als handlungsveränderte Begleitumstände fungieren, so wie Stürme im Meer. Das Meer selbst aber ist auch ohne diesen Sturm keine Idylle, sondern ein Fressen und Gefressen werden von gierigen Händlern aus Indien und Arabien, sowie grausamen Indigenen. Das Märchen vom friedlichen Naturzustand, das Rousseau einst träumte, ist für Gurnah eine absurde Chimäre, die niemals Wirklichkeit war. So tritt uns der Kolonialismus in dieser Geschichte nur als ein Übel von vielen entgegen, ein Umstand, der aber keinesfalls dazu dienen mag, ersteren als weniger verheerend zu sehen. Selbst die unberührte Natur Tansanias ist in diesem Roman alles andere als paradiesisch. Die Moskitos, die dort schwärmen, sind nicht weniger blutrünstig als die Menschen.
Vor diesem Hintergrund lernen die Lesenden den Protagonisten Yusuf kennen. Wir erleben sein „Coming of Age“. Wir erleben seine Reisen ans Meer und ins Landesinnere. Handelstreibende Kraft wird er nie. Vielmehr schwimmt er recht passiv auf den Wellen einer unruhigen Zeit und wird mal dahin, mal dorthin getrieben. Dasselbe trifft auch auf andere Charaktere zu. Alles sind sie wie Treibut, das von geschichtlichen Strömungen getragen an irgendwelchen Küsten strandet und sich fragt, was es da soll. Lässt sich irgendein Glück in diesen Gestaden finden? Vielleicht. Jedenfalls hilft es, wenn man einen Garten anlegt. (Und somit wären wir bei Voltaire.) Das Gute in Gurnahs Welt muss man lange suchen. Vielleicht findet man es zwischen den Zeilen.
Alles in allem ist dies ein Roman, der vermag, den westlichen Leser:innen endlich die Augen für die weite Welt der außereuropäischen Literatur zu öffnen. Die Globalisierung ist wirtschaftlich leider viel schneller vorangeschritten als kulturell. Viel zu wenige Menschen Europas kennen die literarischen Schätze Afrikas und Asiens. Viel zu wenige haben Mahabharata und Ramayana kennengelernt. Viel zu selten liest man in Europa die großen Erzählungen Chinas, Indiens und Japans. Zur indischen Literatur der Moderne hat uns vor Jahren schon Salman Rushdie die Pforten geöffnet. In der Tat fühlte ich mich bei „Paradise“ gelegentlich an das ungleich monumentalere Werke „Midnight’s Children“ von Rushdie erinnert. Gurnahs Erfolg vermag hoffentlich, auch die afrikanische Literatur zu höheren Bekanntheitsgraden zu führen. Es gibt hier noch viele Schätze zu bergen. „Paradise“ ist einer davon.
Als überzeitliche Beobachterin, als mitfühlende Zeugin der Jahrhunderte spricht die Burg im Rahmen des Lichtfestivals zu uns Menschen. Sie erzählt uns vom Wandel, der sich in Stadt und Land um sie herum zugetragen hat, von Krieg und Frieden, von Krankheit und Heilung, von Unwissen und Bildung, von Mensch und Natur. In großflächigen Projektionen, untermalt von Orgelmusik, nimmt uns die Burg mit auf eine Reise durch die Vergangenheit in die Zukunft. Damit gibt sie uns Hoffnung und Zuversicht, weckt aber auch Aufbruchsstimmung und Mut zur Veränderung. Auf jeden Fall bietet unser Lichtfestival „Stimme der Burg“ einen emotionalen Aufbruch ins neue Kalenderjahr.“
Von 27. Dezember bis Ende Januar wird die Festung Kufstein ihre Stimme erheben. Es war mir eine Ehre das Narrativ zu dieser einmaligen Show gestalten zu dürfen.
„Als ich darum gebeten wurde, mir ein Narrativ für das Lichtfestival auf der Festung Kufstein zu überlegen, war für mich gleich klar, dass ich unserer Burg keine künstliche Geschichte andichten wollte. Die Realität ist faszinierend genug. Unsere Burg ist ein bis zu 1000 Jahre altes, komplexes Konstrukt aus Felsen, Mauern und Schächten. Was hat sich in all der Zeit wohl rund um sie ereignet? Könnte die Burg sprechen, sie wüsste viel zu erzählen. So geben wir ihr also eine Stimme!“
Jetzt also doch noch: Verspätet aber noch im Jahr 2021 wird „da Krah“ in Kufstein Premiere feiern!
Immer wieder schön, wenn ein alter Text zum Leben erwacht. Ich habe „da Krah“ vor neun Jahren geschrieben. Etwas später erschien das Stück beim Deutschen Theaterverlag. 2016 wurde es in Molln, Oberösterreich uraufgeführt. Nun hat dieser Vogel also tatsächlich seinen Weg nach Kufstein geschafft.
Eben habe ich auch die letzten Zeilen des über 500 Seiten starken „Stadtalbums“ gelesen und die letzten Bilder zu Ende betrachtet. Trotzdem werde ich dieses Buch wohl immer wieder einmal aufschlagen – und empfehle dies auch allen anderen Menschen, die einen Nahebezug zur Stadt Kufstein haben.
Unser Blick aufs 20. Jahrhundert mit seinen Stern- und Dunkelstunden wird durch dieses Dokument entscheidend geschärft. Man sieht so viel mehr als bisher, wenn man nach der Lektüre dieses von Historiker:innen wissenschaftlich erarbeiteten Kompendiums durch die Festungsstadt wandert und all die Geschichten und Gesichter von einst wieder in Erinnerung treten.
Bücher über Kufstein gab es schon viele. Aber noch nie wurde ein so konzentrierter Blick aufs 20. Jahrhundert geworfen wie diesmal. Noch nie waren so viele professionelle Historiker:innen beteiligt. Noch nie hat man noch lebende Zeitzeug:innen so intensiv eingebunden wie bei den für das Entstehen dieses Buches so wichtigen Erzählcafés und anderen Initiativen. Noch nie hatte man so viele Quellen zur Verfügung – Quellen für alte Fotos, für historische Fakten, für Anekdoten und Geschichten. Noch nie hat man mit so viel Gespür und Feingefühl die Geschichte Kufsteins im 20. Jahrhundert erzählt.
Zum Projekt „Kufstein schreibt Stadtgeschichte“ gehören natürlich auch die thematisch geordneten Bände der Edition Kufstein, von denen vier schon erschienen sind und noch weitere folgen werden. Das Herzstück des ganzen Unterfangens ist aber dieses Stadtalbum, das in vielen nützlichen Querverweisen auch immer auf die Bände der Edition referenziert. Hervorzuheben ist auch das gelungene Design. Auch die literarische Einrahmung mit den großflächigen Fotographien und den berührenden Essays des Schriftstellers Christoph W. Bauer verdient Lob und Anerkennung.
Viele werden sich in diesem Buch wiederfinden. Viele werden sich erinnert fühlen an das, was einst war und nicht mehr ist. In jedem Fall erlebt man die Gegenwart ganz anders, wenn sie vom Wissen um die Vergangenheit beleuchtet wird. Vielleicht findet man dann auch leichter den Weg in die Zukunft.Es tut gut, in einer Stadt zu leben, die sich nicht scheut, der eigenen Geschichte derart mutig ins Gesicht zu blicken.
Wenn die Regierungen nicht in der Lage sind, rechtzeitig zu handeln, so müssen dies eben Gemeinden und Vereine tun. Nicht alles, was noch erlaubt ist, kann ethisch vertreten werden. Österreich hat derzeit die zweithöchschte Covid-Inzidenz weltweit. Die Mahnungen der Epidemiolog:innen und Intensivmediziner:innen könnten kaum eindringlicher sein.
In Anbetracht dessen verschiebt die Stadt Kufstein die derzeit anstehenden Veranstaltungen im Kulturprogramm, z.B. das für diesen Samstag geplante „Orbis Quartett“, auf unbestimmte Zeit. Auch das Stadttheater Kufstein hat die heutige Premiere von „da Krah“ schon abgesagt. Ich gehe davon aus, dass leider auch der Weihnachtsmarkt im Stadtpark nicht stattfinden kann. Außerdem empfehle ich allen übrigen Vereinen, anstehende Veranstaltungen abzusagen. Es geht sich nicht mehr aus. Die Zustände in den Krankenhäusern sprechen eine klare Sprache.
NICHT ABGESAGT, sondern per Online-Live-Stream durchgeführt wird auf jeden Fall das Kufsteiner Nachtgespräch nächsten Freitag. Die Thematik könnte kaum aktueller sein, vor allem jetzt, da eine Impfpflicht wieder im Raum steht: „Menschenrechte zur Zeit der Pandemie“ Klicken Sie sich rein und diskutieren Sie mit!Hier der Link zum Streaming-Ticket: https://www.oeticket.com/…/marie-luisa-frick-oeticket…/