Die vierte Welle hat uns

Wenn die Regierungen nicht in der Lage sind, rechtzeitig zu handeln, so müssen dies eben Gemeinden und Vereine tun. Nicht alles, was noch erlaubt ist, kann ethisch vertreten werden. Österreich hat derzeit die zweithöchschte Covid-Inzidenz weltweit. Die Mahnungen der Epidemiolog:innen und Intensivmediziner:innen könnten kaum eindringlicher sein.

In Anbetracht dessen verschiebt die Stadt Kufstein die derzeit anstehenden Veranstaltungen im Kulturprogramm, z.B. das für diesen Samstag geplante „Orbis Quartett“, auf unbestimmte Zeit. Auch das Stadttheater Kufstein hat die heutige Premiere von „da Krah“ schon abgesagt. Ich gehe davon aus, dass leider auch der Weihnachtsmarkt im Stadtpark nicht stattfinden kann. Außerdem empfehle ich allen übrigen Vereinen, anstehende Veranstaltungen abzusagen. Es geht sich nicht mehr aus. Die Zustände in den Krankenhäusern sprechen eine klare Sprache.

NICHT ABGESAGT, sondern per Online-Live-Stream durchgeführt wird auf jeden Fall das Kufsteiner Nachtgespräch nächsten Freitag. Die Thematik könnte kaum aktueller sein, vor allem jetzt, da eine Impfpflicht wieder im Raum steht: „Menschenrechte zur Zeit der Pandemie“ Klicken Sie sich rein und diskutieren Sie mit!Hier der Link zum Streaming-Ticket: https://www.oeticket.com/…/marie-luisa-frick-oeticket…/

da Krah

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage wurde die Premiere und die Vorstellung am 3.12. abgesagt. Wir hoffen auf bessere Zeiten.

Ist möglicherweise ein Bild von Text „STADTTHEATER 2UR:515214321 EIN STÜCK VON KLAUS REITBERGER dα Erah TIROLER URAUFFÜHRUNG 18. NOVEMBER 2021, 20:00 UHR 29. 12./ 20:00 Uhr 09. 01./ 18:00 Uhr 03. 06. Kultur Quartier Kufstein Infos: +43 676 916 14 57 Karten: stadttheater-kufstein.a Eintritt €18 Vorverkauf bei der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein“

Immer wieder schön, wenn ein alter Text zum Leben erwacht. Ich habe „da Krah“ vor neun Jahren geschrieben. Etwas später erschien das Stück beim Deutschen Theaterverlag. 2016 wurde es in Molln, Oberösterreich uraufgeführt. Nun hat dieser Vogel also tatsächlich seinen Weg nach Kufstein geschafft.

Mehr Infos: http://www.stadttheater-kufstein.at/der-krah/

8. Globaler Klimastreik

In Sachen Klimaschutz geschieht leider immer noch viel zu wenig. Gemeinsam mit über 2000 Menschen demonstrierten wir deshalb am 24.9.21 in Salzburg für ein globales Umdenken in Sachen Klimawandel. Schön, dass in so vielen Städten der Welt so viele Menschen – jung und alt – an diesem Tag gemeinsam auf die Straße gingen und dieselbe Botschaft verbreiteten. Doch leider haben immer noch zu wenige begriffen, wie ernst die Lage ist. Dabei spricht die Wissenschaft hier eine ganz klare Sprache. Deshalb: Listen to the Science!

Thukydides: Der peloponnesische Krieg

Im Winter des Jahres 424 vor unser Zeit scheitert der athenische Feldherr Thukydides an der Aufgabe, die thrakische Stadt Amphipolis vor der Eroberung durch die Spartaner zu bewahren. Als Strafe wird er aus Athen verbannt und verbringt 20 Jahre im Exil. Anstatt Krieg zu führen, wählt er sich eine neue Lebensaufgabe: Er schreibt eine Chronik des Peloponnesischen Kriegs, welcher 27 lange Jahre währte.

Auch vor Thukydides gab es Historiker. Doch keiner noch recherchierte so gründlich. Keiner noch bemühte sich um einen so hohen Grad an Objektivität. Keiner noch verstand es wie er, Mythologie von Geschichte zu trennen und sich ganz auf die Taten der Menschen im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Mit scharfer Beobachtungsgabe und erstaunlicher Analytik erzählt Thukydides von Krieg und Frieden, von Seuche und Politik, von Belagerung und Massaker. In seinem Werk erwachen einstige Führer und Feldherren wieder zum Leben. Ihr Handeln und Herrschen wird uns auch durch zahlreiche überlieferte Reden verständlich gemacht.

So lesen wir denn nun, fast zweieinhalb Jahrtausende später, vom weisen Stadtstaatenlenker Perikles, der wie kein anderer den Aufstieg Athens mitgestaltete und schließlich an der attischen Seuche, die Thukydides selbst überlebte, verstarb. Wir lesen vom Wahnsinn des erfolglosen Sizilien-Feldzugs der Athener, welcher in der Vernichtung der halben Streitmacht endete. Wir lesen von der furchtbaren Krankheit, die zehntausende dahinraffte und deren Ursprung immer noch im Dunklen liegt. Beide kriegstreibenden Mächte – Athen und Sparta – machten sich schuldig, indem sie teils wehrlose Verbündete der jeweils anderen – aber auch neutrale Städte – massakrierten. Die Belagerung und Zerstörung Plataias durch die Spartaner und Thebaner, sowie der Melierdialog und die anschließende Vernichtung der Inselbevölkerung durch die Athener sind dafür eindrucksvolle Beispiele. Hitzig wird in Athen debattiert, ob denn auch die Bevölkerung Mytilenes auf Lesbos aus Strafe getötet werden muss. Ein Schiff mit dem Todesurteil Tausender ist schon unterwegs. Doch dann beruft man in Athen eine neue Versammlung der Bürger ein und widerruft das grausame Urteil. Ein zweites Schiff macht sich auf den Weg und kommt gerade noch rechtzeitig an, um das Leben vieler zu retten. Spannung pur.

Auch die Eroberungszüge der tapferen Feldherren Brasidas auf Seiten der Spartaner, sowie Phormion oder Demosthenes auf Seiten der Athener werden vom Autor detailreich und nachvollziehbar vor Augen geführt, inklusive Siege und Niederlagen auf beiden Seiten. Besonders eindrucksvoll ist auch der Brief des Nikias, der einen Krieg in Sizilien führen musste, den er nie wollte. Seine Truppen sind vor Syrakus umzingelt. Er selbst ist nierenkrank. So fleht er die Heimat um Hilfe an. Man möge ihn und seine Truppe da rausholen oder Verstärkung schicken. Demosthenes eilt zu Hilfe. Sie verlieren dennoch und werden beide erschlagen, während die überlebenden Athener in den Steinbrüchen von Syrakus zu Grund gehen.

Neben manch untadeligen „Helden“ und manch zweifelhaften Gestalten mit durchwachsenem Lebenslauf, erzählt Thukydides auch von mehreren Personen, die man wohl klar als die Schurken dieses sinnloses Krieges bezeichnen kann. Der Hetzer und Hardliner Kleon sowie der Opportunist Alkibiades, der mehrmals die Seiten wechselt und auch mit den Persern paktierte, gehören in diese Kategorie.

Das faszinierendste and diesem Geschichtswerk ist wohl, dass uns vieles darin so bekannt vorkommt. Der Mensch bleibt sich selbst doch gleich. Und in manch Ereignis, manch Rede, erkennen wir Vertrautes der jüngeren Geschichte wieder. Die Begeisterung der jungen Athena für den Sizilien-Feldzug etwa, erinnert stark an die Euphorie zu Beginn des ersten Weltkriegs. Manch Scharfmacher-Rede Kleons ist nicht unähnlich der Rhetorik eines Rumsfeld oder Cheney. Auch für Alkibiades mag einem manch Pendant der Gegenwart einfallen. Thukydides selbst war diese Überzeitlichkeit durchaus bewusst. So schreib er: „Wer aber klare Erkenntnis des Vergangenen erstrebt und damit auch des Künftigen, das wieder einmal nach der menschlichen Natur so oder ähnlich eintreten wird, der wird mein Werk für nützlich halten und das soll mir genügen. Als Besitz für immer ist es aufgeschrieben.“

In der Tat kann man aus seinem Buch viele Lehren ziehen, die für manch Staatenlenker der Gegenwart von Nutzen sein können und uns deren Handeln erklärt und verständlich macht. Das politische Gespür des Thukydides und sein Aufzeigen und Deutlichmachen der zugrundeliegenden Strömungen menschlichen Handels sind einzigartig – etwa im Abschnitt „Die Pathologie des Krieges“, in seiner Analyse der Kriegsursachen, oder in der geschickten Gegenüberstellung von Reden und Gegenreden.

Letztlich scheitert Thukydides aber an seiner Mammutaufgabe. Das Werk ist unvollendet, bricht sechs Jahre vor Kriegsende einfach ab. Man möchte so gerne weiterlesen und das Ende der Geschichte hören … doch es ist nicht da. Obwohl der Autor die Kapitulation Athens im Jahre 404 v.u.Z. noch erlebte und sie in früheren Kapiteln schon antizipiert, reicht seine Chronik nicht bis dorthin. Was ist passiert? Starb er vor Vollendung seines Werkes and Krankheit? Wurde er, wie manche Quellen andeuten, ermordet? Man weiß es nicht. Am Ende muss man einfach froh darüber sein, dass dieses Werk – wenn auch unvollendet – die Jahrtausende überdauert hat und immer noch vermag, uns zu unterhalten und zu belehren. Mir jedenfalls war es ein wunderbares Lesevergnügen.

Noch ein paar Zitate:

„Große Feindschaften legt man, glauben wir, nicht damit bei, dass man nach Kampf und Sieg den Gegner durch erzwungene Eide auf ungleiche Bedingungen verpflichtet, sondern wenn man bei der Möglichkeit zu mildem Vorgehen den Feind auch durch Edelmut besiegt und ihm wider sein Erwarten einen maßvollen Vergleich anbietet.“

„So sorglos sind die meisten in der Erforschung der Wahrheit und halten sich lieber an das erste Beste.“

„Ehre [ist nur] ein blendendes Zauberwort“

„Es sind ja die Menschen gewohnt, was sie begehren, unbedachter Hoffnung anheimzustellen, was sie nicht an sich heranlassen wollen, mit selbstherrlicher Überlegung abzuweisen.“

„Das fernste wird bewundert und was nur äußerst selten durch eine Probe seinen Glanz erweist.“

„Wenn ich als Feind euch sehr geschadet habe, so werde ich euch als Freund reichlich nützen können.“

W-Ding

Foto by Sylvia Größwang

Nach 8.5 gemeinsamen Jahren haben wir uns gedacht, dass so ein Ring auch recht schön ist. 😉

Außerdem ist so eine Hochzeit ein super Event, um jene zu unterstützen, mit denen es das Glück nicht so gut gemeint hat wie mit uns und damit die Welt ein bisschen besser zu machen. Fast €4000 für ein wichtiges Bildungsprojekt im Westen Nepals sind schon zusammengekommen. Vielleicht schließt sich ja noch jemand an. Würde uns sehr freuen und noch mehr nepalesischen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen.

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Auf See

Ein Gutes dieser misslichen Lage, in der man kein Theater mehr besuchen und auch keines inszenieren darf, ist, dass man mehr Zeit zum Lesen hat. So habe ich neulich ein Buch gelesen, vor dem ich mich weit mehr als vor anderen scheute – ist es doch mein eigenes.

Mehr als fünfzehn Jahre sind vergangen, seit ich „Auf See“ geschrieben habe – lange genug, um längst vergessen zu haben, was darin geschrieben steht. Nur schemenhaft konnte ich mich mehr an die vielen Facetten dieses Buches erinnern, an die Lebensgeschichten der Mannschaft, an die Gespräche mit dem Kapitän. Vieles war vergessen. Das erlaubte mir, dieses Werk beinahe mit derselben Distanz zu lesen, als ob der Autor mir völlig fremd wäre. Ich hatte damit gerechnet, dass mir manches peinlich sein, dass ich Inhalte und Aussagen von „Auf See“ aus heutiger Sicht problematisch finden würde. Außerdem rechnete ich damit, dass ich in diesem Roman jenes Neunzehnjährigen, der ich einst war, viele Mängel, viele erzählerische Schwächen entdecken würde.

Doch dem war nicht so. Ich war überrascht, dass die Geschichte immer noch funktioniert, dass ihre Tragik und Tiefe nicht im Licht der Zeit verblasst ist. Vor allem jene Schliche, mit denen das Buch die Lesenden oft auf die falsche Fährte führt, ihnen ein gewisses Urteil abringt und es dann Seiten später als voreilig und falsch hinstellt, haben mich sehr amüsiert. Stellenweise habe ich mich sogar selbst hinters Licht geführt. Dachte ich das damals wirklich? Seiten später die Erleichterung: Nein, tat ich nicht.

Mit einem Lächeln im Gesicht freue ich mich nun, dass ich „Auf See“ – diesen philosophisch angehauchten Abenteuerroman eines Teenagers – in neuem Kleid und mit kleinem Preis wieder auf die Reise schicken kann. Einen richtigen Verlag habe ich dafür leider nie gefunden. Einerseits hatte ich wohl nicht genug Geduld bei der Suche, andererseits waren die Erfolgsaussichten eines Erstlings, der alles andere als ein Krimi ist, wohl sehr gering. Umso schöner ist es aber, dass die heutige Zeit den Schreibenden ermöglicht, auch auf eigene Faust ohne Risiko zu publizieren. „Auf See“ bleibt für mich eine schöne Erinnerung an vergangene Jahre, ein funkelndes Schmuckstück in meinem Regal früher Werke.

Und falls es sich sonst noch jemand ins Regal stellen will: hier geht’s zur 524 Seiten dicken Printausgabe, und hier geht’s zum eBook.

Heinrich Böll – Gruppenbild mit Dame

Spannend, lehrreich und sehr unterhaltsam war die Lektüre von Heinrich Bölls „Gruppenbild mit Dame“ – jenes Buch, das wohl den Ausschlag dafür gab, dass Böll im Jahre 1972 den Nobelpreis bekam. Wie die vielen so unterschiedlichen Menschen rund um die Hauptfigur durch die Geschichte taumeln, wie sich das Leben aller vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Machtergreifung und der Wirren des Zweiten Weltkriegs grundlegend verändert, auf den Kopf stellt oder gar im Tod verliert – das ist schon faszinierend mitanzusehen. Hinzu kommt der unkonventionelle Stil. Wie der kettenrauchende Verfasser selbst allmählich Teil der Geschichte wird, schließlich gar von der Geschichte aufgesaugt wird, sie verändert und schließlich selbst zur zweiten Hauptfigur heranwächst – das hat schon seinen Reiz. Die lustigsten und aufschlussreichsten Stellen dieses Buches sind wohl jene, die in Klammer stehen: (??, der Verf. ). Die Mischung aus Humor und Ernst ist gut getroffen. An manchen Stellen werden viele Lesende laut auflachen, an anderen haben Tränen ihre Berechtigung. L. 1. und W., sowie die ein oder andere T. sind angebracht – wie der Verfasser sagen würde (Insider). Beim Schein der Herbstsonne auf der laubbedeckten Erde zwischen den Felsen am Hechtseeufer ließen sich die letzten dreißig Seiten heute besonders gut lesen.

Olga Tokarczuk: „Die grünen Kinder“

„Opowiadania bizarne (Bizarre Erzählungen)“ lautet der Originaltitel dieser wahrlich sehr bizarren und faszinierenden Sammlung von insgesamt zehn kurzen Geschichten aus der Feder der polnischen Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2018. Toll.


Olga Tokarczuks wunderschöne, an Metaphern reiche Sprache entführt die Lesenden in sehr unterschiedliche Welten und Zeiten. Manchmal finden wir uns in früher Vergangenheit wieder, dann wieder in einer möglichen Zukunft. Manchmal im Schnee, manchmal in tropischer Hitze. Alle Geschichten gemein ist das bizarre Element, das einen manchmal erst auf der letzten Seite der Erzählung überfällt oder bereits ständig zwischen den Zeilen mitschwingt. Von harmlos bis tödlich reicht der Grad der Bizarrerien, von verstörend bis unterhaltend die Macht der Absonderlichkeiten.


Das schöne dabei ist: Nicht immer – im Grunde selten, mit ein bisschen Fantasie vielleicht auch nie – müssen Erklärungsversuche Zuflucht im Metaphysischen suchen. Psychologie reicht aus, oft auch in Kombination mit naturwissenschaftlich gerade noch Möglichem, gerade noch Vorstellbarem.


Am meisten gebannt und erschreckt hat mich aber jene der zehn Erzählungen, die völlig ohne geheimnisvolles Zutun, ohne verschwörerisches Geraune auskommt, sondern beinhart naturalistisch den Tod eines Professors auf Vortragsreise schildert. „Eine wahre Geschichte“ lautet der Titel dieses sehr glaubhaften Verlaufs einer traurigen Begebenheit. Packend!


Obwohl ich sonst noch kein Werk von Olga Tokarczuk kenne, nehme ich wohl an, dass diese zehn Geschichten ein guter Einstieg in ihr Werk sind. Sie machen Lust auf mehr. Sehr empfehlenswert. Aber nichts für schwache Nerven.

Der Wert der Geschichte

Das Buch „Der Wert der Geschichte – Zehn Lektionen für die Gegenwart“ von Magnus Brechtken möchte ich hier als sehr lesenswert bezeichnen. Es erhellt und schärft des Lesenden Blick auf viele politische und gesellschaftliche Phänomene der Gegenwart und erklärt ihre historischen Wurzeln. Der Autor vergleicht und bewertet Menschenbilder in Religion und Ideologie, skizziert die Geschichte der weiblichen Emanzipation, beleuchtet verschiedene politische Systeme und konterkariert sie im Hinblick auf deren Tauglichkeit. Auch die Auswirkungen verschiedener Nationalismen im Laufe der Geschichte, die Dynamiken von Krieg und Frieden und schließlich die Mechanismen von Ökonomie und Gesellschaft werden historisch hergeleitet und auf Gegenwart und Zukunft projiziert. Bei all dem wählt der Autor aber eine Sprache, die allgemein verständlich ist. Man muss kein*e Akademiker*in sein, um dieses Buch schätzen zu lernen.

Zudem ist es brandaktuell. Die Anfänge der Corona-Krise und der Aufstieg (und Fall) der AfD werden hier ebenso ausführlich beleuchtet, wie der dreißigjährige Krieg, das bismark’sche Preußen, der Thatcherismus oder der Keynesianismus. Historische Parallelen vieler Art tun sich auf. So manches wir klarer.

Am ehesten ist das Buch wohl vergleichbar mit Steven Pinkers viel umfassenderen Werk „The better angels of our nature“, das ich nochmals allen Menschen aufs wärmste empfehle. Brechtkens Buch ist viel kürzer, viel bescheidener, schlägt aber in dieselbe Kerbe und hat dabei einen starken Fokus auf den deutschen Kulturkreis. Aktueller ist es natürlich auch.

Ein paar ausgewählte Schlussfolgerungen, die am Ende klar zu Tage treten: „Geschichtsvergessenheit macht blind!“ „Ungleichheit zerstört das Fundament des Wohlstands.“ „Wir müssen das Prinzip der repräsentativen Demokratie gegen Populist[*inn*]en und selbsternannte Erlöser[*innen] verteidigen.“

Und zum Schluss: „Für alle, die auf Fakten zählen, die nachprüfbar sind; die Lügen und das Für-dumm-Verkaufen anderer Menschen verabscheuen; die auf ihren Verstand vertrauen und sich darauf verlassen möchten, dass andere das auch tun. Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem weiterhin Fakten, Rationalität und ein Gefühl für Anstand und ethische Maßstäbe die überwiegenden Regeln der Politik und des öffentlichen Lebens leiten. In unser aller Interesse müssen wir uns dafür einsetzen, dass die so bleibt.“Bei solchen Worten fühle ich mich doch gleich in meinem kommunalpolitischen Engagement bestärkt und hege die Hoffnung auf lokaler Ebene einen bescheidenen Beitrag pro Rationalität und Anstand zu leisten.

Unbedingt empfehlenswert.