Zur Umbenennung der Heldenorgel

Antrag gemäß §41 TGO an den Gemeinderat der Stadt Kufstein

Antragsteller: Klaus Reitberger

„ORGEL-RELAUNCH“

Der Gemeinderat möge beschließen:

Unter wissenschaftlicher Beratung ist ein gesellschaftlich-kultureller Aufarbeitungsprozess einzuleiten, dessen erklärtes Ziel 1) eine überarbeitete Darstellung der Geschichte der Kufsteiner Freiluftorgel auf Infotafeln und Internetseiten, 2) eine Umbenennung des Instrumentes sowie 3) die Auswahl eines anderen, am Ende des täglichen Mittagskonzertes gespielten Musikstückes, ist. Punkt 2) und 3) sollen dabei auf basisdemokratischem Wege mit möglichst breiter Beteiligung der Kufsteiner Bevölkerung geschehen.

Begründung:

Im Stadtalbum „Kufstein im 20. Jahrhundert“ stellt der Musikwissenschaftler und Leiter der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Dr. Franz Gratl auf S. 175 fest, dass

„angesichts der problematischen Geschichte wohl ein ‚ideologischer Relaunch‘ des Instruments und eine gründliche, kritische und tabulose Dokumentation seiner Geschichte im Festungshof dringend geboten [wären].“[1]

In der Publikation „Disposition“ des Jahres 2019, die sich speziell mit der Kufsteiner Freiluftorgel beschäftigt und u.a. auch Texte von Franz Gratl und Michael Gerhard Kaufmann enthält, schreibt der preisgekrönte Kunstwissenschaftler und Künstler Lucas Norer:

„Das Spiel der Heldenorgel fußt auf einem Gedankengut, das ein totalitäres, völkisches und militantes Hörerlebnis intendierte. Sind das nicht Gründe genug in einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft hellhörig zu werden? Die Heldenorgel benötigt dringend eine gesellschaftlich-kulturelle Aufarbeitung.“[2]

Ausgehend von diesen beiden Stellungnahmen, hab ich mich selbst eingehend mit der Thematik beschäftigt und folgende Argumente für die im Antrag erwähnten Maßnahmen gefunden:

Gründe für die überarbeitete Darstellung der Geschichte der Kufsteiner Freiluftorgel:

Kufsteins Leistungen in Sachen Vergangenheitsbewältigung sind in meinen Augen vorbildhaft. Mit der Publikationsreihe „Kufstein im 20. Jahrhundert“ sowie diversen Vorträgen von Seiten des Heimatvereins bzw. den wertvollen Arbeiten des Film- und Videoclubs wird und wurde hier viel geleistet. Umso frappierender ist der blinde Fleck, den die Kufsteiner Freiluftorgel in all dem einnimmt:

Auf den Informationstafeln im Bürgerturm, aber auch auf den dazugehörigen Internetseiten der Stadt und Festung Kufstein, wird die Geschichte des Instruments vereinfacht und verfälscht dargestellt. So steht etwa im Bürgerturm geschrieben, dass die Orgel ursprünglich zum Gedenken der Opfer des 1. Weltkrieges errichtet worden wäre. Den wichtigen Zusatz, dass es dabei nur um Soldaten ging – genauer gesagt, nur um deutsche bzw. deutschsprachige Soldaten, und etwa nicht um alle anderen für die Donaumonarchie gefallenen Soldaten nichtdeutscher Volksgruppen – wird verschwiegen. Über die spätere Vereinnahmung der Orgel durch die Nationalsozialisten findet man kein Wort.

Noch problematischer ist die Infotafel über den Orgel-Initiator Max Depolo. Weder werden seine kriegsverherrlichenden, deutschnationalen und antiitalienischen Gedichte, noch seine spätere Mitgliedschaft in der NSDAP erwähnt.

Überhaupt wird die spätere Vereinnahmung der Orgel durch den Nationalsozialismus nirgends thematisiert. Der Umstand etwa, dass dieses Instrument zum Geburtstag Adolf Hitlers deutschlandweit im Reichsrundfunk zu hören war[3], sollte nicht einfach unerwähnt bleiben. Unbequeme Wahrheiten wie diese sollte man nicht ängstlich verschweigen, sondern mutig thematisieren und in den rechten Kontext rücken.

Jemand der vor diesen Infotafeln steht und ein bisschen der Recherche fähig ist, wird diese Auslassungen merkwürdig finden und der Stadt Kufstein hier mangelnde Fähigkeit zur Vergangenheitsbewältigung vorwerfen können. Zurecht. Eine Überarbeitung dieser beiden Infotafeln, eine Ergänzung durch eine Infotafel zur späteren Vereinnahmung der Orgel durch den Nationalsozialismus (etwa basierend auf dem entsprechenden Text in der Publikation „Disposition“) wäre auch in meinen Augen dringend geboten.

Auch für Punkt zwei und drei dieses Antrags – die Umbenennung des Instrument und die Wahl eines neuen Liedes – lassen sich durchaus gute Argumente finden. Nennen wir jeweils drei.

Argumente für die notwendige Umbenennung des Instrumentes

  1. Völlig unabhängig von irgendwelchen geschichtlichen Verfänglichkeiten ist es ein logisch-semantischer Widerspruch, ein Instrument als „Heldenorgel“ zu bezeichnen und gleichzeitig sein Spiel als Gedenken an die Opfer aller Kriege und Gewalt – wie es auf Infotafeln und im Internet zu lesen ist – interpretieren zu wollen. Damit wird suggeriert, dass alle Opfer aller Kriege und aller Gewaltakte schon „Helden“ wären. Die eigentliche Bedeutung des Wortes Held geht dabei vollkommen verloren und wird gewissermaßen entwertet. Jedem Menschen, der Logik und Semantik hochhält, sollten hier die Haare zu Berge stehen.
  2. Auch wenn die Orgel heute den Opfern aller Kriege gedenken soll, so schwingt in ihrem Namen dennoch die ursprüngliche Intention mit, eben nur „als Heldenmal des deutschen Volkes […] dem Andenken aller im Weltkrieg gefallenen deutschen Helden“[4] zu dienen, so wie es Orgelbaumeister Oscar Walcker 1931 im einem Zeitungsartikel ausdrückte. Von zivilen oder gar nicht-deutschen Opfern war damals nie die Rede und der Begriff „Held“ erinnert daran. Schon 1924 wollte Max Depolo die geplante Orgel als Kulturdenkmal des deutschen Volkes verstanden wissen, welches geschlossenes Volksempfinden, Deutschlands Größe, Macht und Stärke wiedererwecken sollte.[5] Bundespräsident Wilhelm Miklas stellte in seiner Rede zur Einweihung der Orgel am 3. Mai 1931 klar, dass sie dem Gedächtnis „aller im Weltkrieg gefallen Kriegshelden deutschen Stammes“[6] geweiht ist und daher den Namen Heldenorgel trägt. Ein klare Abgrenzung von dieser ursprünglich streng ethno-nationalistischen und militaristischen Ausrichtung der Orgel kann in meinen Augen nur durch eine Umbenennung erzielt werden. Der derzeitige Name des Instruments ist zu eng mit einer chauvinistischen, nationalistischen Ideologie und der ursprünglichen Intention der Orgel verbunden.
  3. Als drittes Argument für eine Umbenennung der Orgel sei noch genannt, dass sich gegenwärtig große Teile der nicht-männlichen Bevölkerung beim generischen Maskulinum „Helden“ nicht mehr mitgemeint fühlen und auch darum eine inklusivere Benennung angebracht wäre.

Argumente für die notwendige Wahl eines anderen, am Ende des täglichen Mittagskonzertes gespielten Musikstückes

  1. Das Lied vom „Guten Kameraden“ ist in erster Linie ein soldatisches Lied. Wenn man die Orgel aber als Mahnmal an die Opfer aller Kriege und aller Gewalt interpretieren will – also ausdrücklich auch an die zivilen Opfer – so  steht dies im Widerspruch damit, dass das Instrument täglich sein Konzert mit einem soldatischen Lied endet.
  2. Die dritte Strophe des Liedes erzählt davon, wie ein Soldat seinem von einer Kugel getroffenen Freund nicht die Hand reichen kann, weil er nachladen muss. Das Nachladen ist darin wichtiger als das Helfen des Freundes. Vaterlandstreue und Befehlsgehorsam werden hier klar zu höheren Werten als Freundschaft und Mitgefühl erklärt. Man fragt sich, ob dies die richtige Botschaft für unsere Zeit ist.
  3. Man sollte auch bedenken, woher Menschen, die nach Kufstein kommen und die Orgel hören, das Lied vom „Guten Kameraden“ kennen, bzw. was sie damit verbinden. In der Populärkultur der Gegenwart ist dieses Lied durchaus präsent. Viele kennen es aus der deutschen Fernsehserie „Babylon Berlin“, welche eine der erfolgreichsten und teuersten Serien im deutschen Sprachraum ist. Laut Statistiken wurde sie via sky über 10 Millionen mal gesehen[7]. Dazu kommen circa. 8 Millionen Zuseher:innen im ARD[8]. Da diese Zahlen nur bis 2018 reichen, kann man inzwischen von über 20 Millionen Konsument:innen ausgehen. Diese Serie spielt in den Jahren 1929 und 1930, also genau zu jener Zeit, als in Kufstein die Orgel kurz vor der Realisierung stand. Teil der Handlung ist auch eine Fraktion von militanten Nationalisten, welche im Zuge der ersten Staffel mehrere politische Morde und sogar Bombenanschläge verüben. In mehreren Folgen ist man Zeuge von Zusammenkünften dieser Fraktion; dabei wird stets gemeinschaftlich das Lied vom „Guten Kameraden“ gesungen. An die 20 Millionen deutschsprachige Serienfreunde kennen das Lied, das die Kufsteiner Orgel täglich spielt, also aus dem Fernsehen als das Lieblingslied von Terroristen.

Zum Thema Bürgerbeteiligung und Basisdemokratie

Bei einem Thema wie diesem, das vielen Bürger:innen nahegeht, ist es wichtig, dass die Bevölkerung Teil des Entscheidungsprozesses ist. Eine konkrete Vorgehensweise könnte sein, dass alle Kufsteiner Bürger:innen Vorschläge zur Namensgebung der Orgel und zum täglichen Musikstück beim Stadtamt einbringen dürfen und hernach in einem auszuarbeitenden Abstimmungsprozess darüber entscheiden. Es soll auch unterstrichen werden, dass der Umbenennungsprozess der Orgel keinesfalls als traditionsfeindlich verstanden werden soll. Gewiss finden sich einige der lokalen Tradition verbundene Namensvorschläge, die frei von ideologischer Vorbelastung sind. So könnte die Wahl zum Beispiel auf den Begriff „Freiheitsorgel“ fallen, der einerseits als Würdigung der Tiroler Freiheitskämpfe von 1809, sowie auch als Verweis auf das Streben nach Freiheit von Diktatur und Fremdbestimmung verstanden werden kann. Zudem würde der Begriff „Freiheitsorgel“ gut zum Namen der „Friedensglocke“ in Kufsteins Partnerstadt Roverto passen. Die Alpenpassage von Süd nach Nord würde somit von Frieden zu Freiheit führen. Dies sei aber nur als Beispiel, als möglicher Vorschlag von vielen zu verstehen. Auch für die Wahl des Liedes gäbe es viele Möglichkeiten, manche mit stark traditionellem Bezug. Ob es nun aber das „Kufsteiner Lied“ von Karl Ganzer oder die Europahymne oder ganz etwas anderes sein soll – die Kufsteiner Bevölkerung soll darüber befinden. Nicht zur Wahl stehen soll freilich der ursprüngliche Name und das ursprüngliche Musikstück, da es gegen diese, wie oben ausgeführt, klare Argumente gibt.

Fazit:

Ich freue mich, in einer Stadt zu leben, in der täglich von der Festung ein wunderbares Instrument erklingt. Ich freue mich auch, in einer Stadt zu leben, der man kein fehlendes historisches Bewusstsein vorwerfen kann, in einer Stadt, die mutig auf Vergangenheit und Zukunft blickt. Die größte Freiluftorgel der Welt hätte sich jedenfalls eine ehrliche, auslassungsfreie Darstellung ihrer Geschichte und einen würdigeren Namen verdient. Auf dass sie noch Jahrhunderte lang klingen möge!

Dieser Antrag, sowie die pdf zur Publikation „Disposition“ wird umgehend der Presse und allen Gemeinderäten zugesandt.

Am Ende dieser langen, doch hoffentlich nicht langweiligen Begründung, soll in Anlehnung an Bertolt Brecht noch folgender Satz stehen, denn mit ihm ist eigentlich alles gesagt:

Unglücklich die Stadt,
die Helden nötig hat.

Kufstein, 8.6.2022                                                                               Unterschrift des Antragstellers


[1] Gratl, F. (2021). Klangdenkmal, Kuriosum, Relikt – die Heldenorgel. In Stadtgemeinde Kufstein (Hrsg.), Vom Stadtl zur Stadt. Kufstein im 20. Jahrhundert. Ein Stadtalbum (S. 174f).

[2] Norer, L. (2019). Zur Disposition. In L. Norer (Hrsg.), Disposition (S. 31-36).

[3] vgl. Gratl F. (2019). Entstehung und Geschichte der Kufsteiner Heldenorgel. In L. Norer (Hrsg.), Disposition (S. 9-13).

[4] vgl. op.cit.

[5] vgl. op. cit.

[6] Das deutsche Te Deum auf Geroldseck. Innsbrucker Nachrichten. 1931. Nr. 101

[7] Krei A. (2017): Sky-Erwartungen übertroffen – Quoten-Fazit: So viele Zuschauer sahen „Babylon Berlin“. DWDL. https://www.dwdl.de/zahlenzentrale/64695/quotenfazit_so_viele_zuschauer_sahen_babylon_berlin/

[8] Mipletz S. (2018): Babylon Berlin: So waren die Quoten zum Start der teuersten deutschen Serie. TV Spielfilm. https://www.tvspielfilm.de/news/serien/babylon-berlin-so-waren-die-quoten-zum-start-der-teuersten-deutschen-serie,9556601,ApplicationArticle.html

Joseph Roth: „Radetzkymarsch“

Ca. 20 Jahre ist es her, dass mich Axel Cortis Verfilmung dieses Romans begeisterte. Nun habe ich endlich auch das Buch gelesen. Ein Genuss! Selten wurde die komplexe Psychologie des österreichischen  Selbstverständnisses kurz vor der Zeitenwende des 1. Weltkriegs mit so viel Feingefühl und Tiefgang zu Papier gebracht. Joseph Roths Sprachgewalt vermag zu bezaubern. Er beleuchtet den Aufstieg und Untergang einer Adelsfamilie vor dem Hintergrund des zerbröckelnden Habsburger-reiches. Welch abgründige Szenen, welch unheilvolle Vorahnungen durchweben dieses 1932 erschienene Werk! Einfach famos!

Das weckt Lust, wieder einmal die Verfilmung an- zusehen, auch des grandiosen Max von Sydow wegen, der nach letzten Rollen in Game of Thro-nes und Star Wars 2020 verstarb, 63 Jahre nach seinem Schachspiel mit dem Tod in Ingmar Bergmans Das siebente Siegel. Welch Karriere!

Jedermann – Wiederaufnahme 2022

Jedermann – das Spiel vom Sterben einer reichen Frau
Frei nach Hugo von Hofmannsthal

Nach dem großartigen Erfolg des Sommers 2018 kommen wir dem Wunsch unseres Publikums nach und zeigen nochmals unseren „Jedermann“. Wir bleiben bei unserem geglückten Rezept und spielen dieses Stück in eben jenem neuartigen Kleide, wie wir es schon damals taten. Man bleibt dem schönen Klang der Hofmannsthal’schen Kunstsprache treu, traut sich jedoch, Sinn und Geschlecht ins Gegenteil zu verkehren und schreckt dabei nicht vor modernen Elementen zurück. Dabei entsteht etwas völlig Neues und ungemein Reizvolles … Auf jeden Fall ist unser „Jedermann“ ganz anders als anderswo.


Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartete ein spektakuläres Freilichttheater im historischen Ambiente des Festungsneuhofs. Eine hölzerne Tribüne mit Überdachung stellte sicher, dass das Publikum auch bei Regen trocken bleibt.

Die Broschüre

Und am Ende hieß es wieder:
Dies war das alte Lied vom Menschen Jedermann
Der sowohl Mann, als Frau sein kann,
Denn sterblich sind alle, er, sie, ich und wir
Es sterben auch die Pflanzen. Es stirbt auch jedes Tier.
Es zählt allein, was wir unserm Leben hab’n getan
Die Welt zu schönen, Leid zu mindern – damit fängt es an.
Wenn unsere Werke nicht verkümmern in der Not
Im Wirbelwind von Göttern, Mammon, Teufel, Tod
Wenn unsere Werke blühen, Geist erwecken
Dann soll uns auch der Tod nicht schrecken

Und falls wir Schatten euch erzürnt,
weil unsere Worte anders als im Buche
Bedenkt, bevor ihr nun von dannen stürmt,
Dass man in der Kunst stets Neues suche,
Denn Starrheit, hat hier keinen Wert
Drum spielen wir ganz unbeschwert
Den Jedermann wie er noch nie gezeigt
Und hoffen, dass ein Lächeln bleibt.
Wir wünschen euch nun Gute Nacht
Und freuen uns auf ein Wiederseh’n
Und haben wir es gut gemacht.
So kann nun der Applaus losgeh’n.

Es spielten:
Frau Jedermann – Barbara Dorfer
Tod – Martin Heis
Buhl – Albin Winkler
Werke – Isabella Winkler
Gesellin – Elisabeth König
Mammon – Markus Mader
Jedermanns Vater – Christopher Lang
Teufel – Maria Elisabeth Reitberger
Göttin – Nicole Schreyer
Erste Cousine – Miriam Westermeier
Zweite Cousine – Anna Angermaier
und viele andere…

Caroline Criado-Perez: Unsichtbare Frauen

Jeder und jede, die dieses Buch zur Hand nehmen, werden frappiert sein, wie viel strukturelle Ungleichkeit sie bisher gar nicht bemerkt haben. Ob im Alltagsleben, am Arbeitsplatz, in Designfragen, beim Arztbesuch, im öffentlichen Leben und sogar im Katastrophenfall – die Autorin deckt überall grobe Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung der Geschlechter auf. Fern von Geschwafel wird anhand von Fakten mit klarer Datenlage aufgezeigt, wie durchsetzt das herrschende System von gravierenden Missständen und über die Jahrhunderte kaum hinterfragte Vereinfachungen ist. Wer nun glaubt, dass der Pfeil des Fortschritts klar in die richtige Richtung weist, dem mögen die problematischen Auswüchse von einseitigen Datenlagen in immer mächtiger werdenden Algorithmen zu denken geben. „Big Data“ beruht auf Historie und ist daher leider vor allem „Male Data“. Ein Computerprogramm kann noch so neutral ist – basiert es auf Input mit männlicher Schlagseite, so sind auch die Ergebnisse von denselben Stereotypen durchzogen, wie die klassischen Verfehlungen des alten, weißen Mannes an der Spitze von Wirtschaft und Politik.

Jedenfalls ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Manchen Leuten möge man es einfach auf den Schreibtisch werfen und laut „Lies das!“ rufen. Hoffentlich wirkt’s.

Nacht der Kunst

Schon zum dritten Mal durfte ich die Kufsteiner „Nacht der Kunst“ moderieren und gemeinsam mit den Kunstschaffenden der Stadt Rückschau auf die aktive Kufsteiner Kunstszene im Jahr 2021 halten. Es war mir eine Freude.

Uraufführung: 7 circles

Die Vorfreude ist groß.

Am 24.3. steht meine nächste Uraufführung bevor. Es ist das erste Stück, das ich rein in englischer Sprache verfasst habe. Gezeigt wird es mit deutschen Übertiteln.

7 großartige Nachwuchsschauspieler:innen freuen sich auf ihr Publikum.

Teilen! Reservieren! Anschauen!

In diesem Theaterstück geht es um Wut, Vernunft, Glaube, mangelndes Vertrauen, Drogenkonsum, Liebe und Tod. Doch das ist längst nicht alles. Die Covid-Pandemie ist ein allgegenwärtiges Thema, das immer wieder zum Vorschein kommt. Am Rande berührt das Stück aber auch Themen wie Klimawandel, LGBTIQ+ und vieles mehr. Es zeigt die ganze Komplexität menschlichen Lebens und feiert die wunderbare Vielfalt unserer Existenz in ihrer bedauerlichen Vergänglichkeit.

Mehr Fotos: https://kufstein-english-theatre.com/…/22/picture-gallery/

Mehr Infos: https://kufstein-english-theatre.com/current-productions/

Allgemein

3 Gründe, warum man am 13.3. 2022 in Kufstein unbedingt an der Stichwahl teilnehmen und Martin Krumschnabel wählen sollte

Grund #1: Weil es in der Demokratie um Mehrheiten geht

Ganz unabhängig davon, wer die beiden Personen sind, die in Kufstein bei der Bürgermeister:innenstichwahl am 13.3. am Wahlzettel stehen – man hat hier die Wahl zwischen einer handlungsfähigen und einer gelähmten, handlungsunfähigen Stadtführung. Warum? Weil ein Bürgermeister bzw. eine Bürgermeisterin mit nur einem einzigen Gemeinderatsmandat nicht in der Lage ist, eine Stadt zu führen. Die Ausgangsposition ist klar. Gewinnt Martin Krumschnabel, so kann er mit acht Mandaten relativ leicht Mehrheiten finden. Eine Zusammenarbeit mit den Grünen, aber auch mit der GKL und der Liste „Wir Kusteiner“ oder der SPÖ führt leicht zu einer Mehrheit im 21-köpfigen Gemeinderat. Die Stadt bleibt handlungsfähig. Gewinnt Birgit Obermüller, so wird es ihr ein Ding der Unmöglichkeit sein, sich mit ihrem einzigen Mandat im Gemeinderat durchzusetzen. Da müssten man schon sehr viele Gegensätze zu verbinden wissen. Birgit Obermüller hat in den letzten sechs Jahren oft gezeigt, dass sie XXXX XXXXXXXXX XX XXXXXXXXXX XXX XXXXXXX ist. „Verbinden“ kann sie in meinen Augen nicht. Dass es schon mit nur fünf von 21 Mandaten schwer ist, Politik zu machen, mussten die Parteifreien von 2010 bis 2016 leidlich erfahren. Mit nur einem einzigen Mandat eine Stadt zu führen, ist schlichtweg absurd. Dass Birgit Obermüller nun in einem Wahlvideo sagt, dass es bei der Frage, wer Kufstein führen soll, „nicht um Mehrheiten“ gehe, ist demokratie-politisch schon eine sehr bedenkliche Aussage. Natürlich geht es in einer Demokratie um Mehrheiten. Sonst wäre es keine Demokratie.

Grund #2: Weil Kufstein nicht Mittel zum Zweck sein darf

Dass es schier unmöglich ist, mit nur einem Mandat Bürgermeisterin zu sein, das weiß bestimmt auch Birgit Obermüller. Sie tritt dennoch an. Dies tut sie wohl vor allem deshalb, weil sie einen Achtungserfolg braucht, um bei den Tiroler Landtagswahlen 2023 an möglichst aussichtsreicher Stelle für die NEOS kandidieren zu dürfen. Dass der Landtag ihr eigentliches Ziel ist, hat sie schon mehrmals durchblicken lassen. Auch die Kommentare von NEOS Landessprecher Dominik Oberhofer sowie das Unterstützungsvideo vom ehemaligen Bundeschef Matthias Strolz deuten klar in diese Richtung. Es geht hier nicht um Kufstein. Es geht darum, einen Achtungserfolg für die NEOS zu erzielen, der impulsgebend für die nächsten Landtagswahlen sein soll. Das Votum der Kufsteiner Bevölkerung soll hier einerseits zum Erklimmen der persönlichen Karriereleiter, andererseits zum Vorteil einer Landes- bzw. Bundespartei instrumentalisiert werden. Martin Krumschnabel kann auf keine Empfehlungsvideos von Landes- und Bundesebene hoffen. Die Parteifreien gibt es eben nur in Kufstein. Und gerade das zeichnet sie aus; sie sind ausschließlich für Kufstein da.

Grund #3: Weil Martin Krumschnabel schlicht und einfach der bessere Bürgermeister ist

Ich kenne beide Personen nun schon seit mehr als sechs Jahren, habe sie in verschiedenen Situationen erlebt, XXXX XXXX XXXXXXX XXXXXXX XXX XXXXX XXXXXXXXXXXXXXXXXX und kann daher ein paar Rückschlüsse über ihre Eignung als Bürgermeister:in ziehen. Nun kann man mir natürlich vorwerfen, dass mein Urteil nicht objektiv sei. Das stimmt natürlich. Man sollte dabei aber nicht Ursache mit Wirkung verwechseln und sich folgendes einprägen: Martin Krumschnabels Performance als Bürgermeister finde ich nicht deshalb gut, weil ich in seinem Team bin, sondern: Ich bin in seinem Team, weil ich seine Performance so gut finde. Ein wichtiger Unterschied.

Jedenfalls ist er ein Mensch, der auch in schwierigen Situationen besonnen bleibt, der über Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick verfügt und auch Handschlagqualität hat. Es hat mich immer wieder beeindruckt, wie viel Wissen er sich zu den brennenden Fragen unserer Zeit erlesen hat. Ob zum Klimawandel, zur Covid-Pandemie oder zur Elektrifizierung von PKWs; Martin Krumschnabel hat zu all diesen Themen dutzende Sachbücher durchgearbeitet und versteht es, fundiert und informiert zu entscheiden. Es ist angenehm, dass Gespräche mit ihm sich nie nur auf Small-Talk Niveau bewegen, sondern man stets bei essentiellen Fragen anlangt und gemeinsam lösungsorientiert nach Antworten sucht. Als offener Gesprächspartner zeigt er stets echtes, aufrichtiges Interesse für die Meinungen anderer. Die Stadt Kufstein kann sich in meinen Augen sehr glücklich schätzen, Martin Krumschnabel weitere sechs Jahre lang als Bürgermeister zu haben. Im Unterschied zu vielen weiß er genau, was er tut.

Ich habe auch XXX XXXXXX XXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXXXX und war mit dabei, als sie – damals noch bei den Parteifreien – die KIK-Kreativwochen im Sommer initiiert hat – ein durchaus gelungenes Projekt, zu dem man ihr gratulieren kann. Aber schon damals war ein XXXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXX XXXXXXXX XXX XXXX XXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXX. Sie XXX XXX XXXXXXXX, XX XXXXX XXXX, XXXXXXXXX XX XXXXXXX, XXXXXXXXXXXXX XX XXXXXXXX XXXX XXXXXX XXX XXXX XXXXX XX XXXXXX. Sie XXXXXX XXXX XXXXXX XXXX XXX XXXXXXX XXXXXXXX. Als sie XXXX XX XXXXXX XXXX XXXX XXXXX XXXXXXXXX XXX XXX XXXXXXXXXXX XXX XXX XXXXX XXX XXXXX XXXXXXXXXXX XXX XXXXXXXXX XXXXX XXXXXXXXXXX XXXX XXXXXXX XXXXXXXXXX XXXXXX, XXX XX XXX XXX XXXXXXXXXXX XXXXX XXX XXX XXXXXXXXXXXX XXXXX XXXX XXXX. XXXXXXXXXXXXXXX XXX, XXX XXXXX XXX XXX XXXXXXXXX XXXXXX XXX XXX XXXX XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXX. XXX XXX XXX XXXX XX XXXXXXXX XXXXX XX XXXXXXXXXXX, XX XXXX XXXXX XXXX XXX XXXXXXXXXXXXX, XXXXXXXXXXXXX XXX XXXXXXXXXX XXXXX. XXX XXXXXXX XXXX XXXXX, XXX XXXXXX XXXXXXXXXX XXX XXXXX XXXXXXXXXX XXXXXXXXXX XXXXXX XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX XX XXXXXXXXXXX XXXX.

Die Beweislage dafür, dass sie zu „verbinden“ verstünde, wie nun auf den Wahlplakaten propagiert wird, ist XXXXXXX XXXX. Anschauliches Beispiel dafür ist auch eines ihrer ersten Wahlkampfvideos, bei dem sie XXX XXXXXXXXXXXX mit dem Hörbuch „Wie man eine Perle findet„, XXX XXX XXXXX XXXXX, XXX XXXX XX XXXXX. Nach einem derart XXXXXXXXXX Wahlkampf nun die Rolle der versöhnlichen Verbinderin zu spielen, ist XXXXX XXXXXX XXX XXXXXXXXXXX.

Immerhin ging aus jenem Video aber auch etwas Gutes hervor. In ihrem Wahlkampf haben die Parteifreien bekanntlich einen Podcast mit 18 Folgen zu ihren Kandidat:innen und zu anderen Themen veröffentlicht. Die Inspiration dazu kam durchaus von Birgit Obermüller, die in oben erwähntem Video unser Hörbuch fälschlicherweise als „dubiosen Podcast“ bezeichnet. Darüber, ob dieses Hörbuch dubios ist oder nicht, lässt sich gewiss streiten. Ein „Podcast“ ist es per Definition aber ganz sicher nicht. Jedenfalls brachte uns diese Fehlbenennung auf die Idee, einen eigenen Podcast zu starten, der nun schon mehrere tausend Views hat. Danke dafür.

Kurzum: Martin Krumschnabel vereint viele Qualitäten, die für das Bürgermeisteramt wesentlich sind: Besonnenheit, Fingerspitzengefühl, Verhandlungsgeschick, Handschlagqualität, Fairness etc. Birgit Obermüller XXXXXXX, XXX XXXXXXXXXXX, XXXXXXXXX XXXXXX XXX XXXXX XXX XXXXX XXXXXXXX, XX XXXXX XXXX. Ich habe nichts gegen sie persönlich, wünsche ihr auch alles Gute in ihren weiteren politische Tätigkeit; als Bürgermeisterin der Stadt Kufstein aber kann ich sie mir ganz gewiss nicht vorstellen.

ANMERKUNG vom 19.5. 2024: Leider sah ich mich gezwungen, Teile dieses im März 2022 veröffentlichen Beitrags zu zensieren. Grund dafür ist, dass mir Birgit Obermüller in einer E-Mail vom 18. 5. 2024 „Diffamierung“ vorwarf. Sie kündigte mir an, dass ich es mit den Rechtsanwälten der NEOS zu tun bekäme, wenn ich diesen Beitrag nicht entfernen oder ändern würde. Zwar bin ich recht zuversichtlich, dass meine Kritik an ihrer Person sich im Rahmen der freien Meinungsäußerung bewegt und noch bei weitem keine Diffamierung darstellt (Da habe ich selbst schon viel Ärgeres erleben müssen!), doch habe ich keine Lust auf irgendwelche Scherereien vor Gericht. Deshalb also die zensierte Version. Ob es wohl eine bewährte Methode der NEOS und anderer Parteien ist, mit ihren letztlich durch Steuergeld finanzierten Rechtsanwälten, das Internet von Artikel zu säubern, die ihre Kandidat:innen in ein schlechtes Licht rücken, indem man deren Autor:innen Klagen in Aussicht stellen?

Warum ich Kommunal-Politiker bin
(Ein paar Beweggründe)

Politik in action (Videos aus dem Gemeinderat)

Wie man eine Perle findet (ein Ideen-Buch)

.

Politisches Wirken
(Was ich
erreicht habe)

Gedanken zur Gemeinderatswahl 2022

Stadtmagazin-Beiträge (2016-22)

Der Tag vor der Wahl

Um es noch einmal ganz klar zu sagen:

Wer möchte, dass ich mich weitere sechs Jahre lange für das Kulturgeschehen in Kufstein einsetze, sollte morgen Liste 1 „Die Parteifreien“ wählen.

Es könnte knapp werden. Viele Veranstaltungsformate und Neuerungen der letzten Jahre (Nachtgespräche, Nacht der Kunst, Kultur-Foren, Woche der Bühnenkunst, Stadtgalerie, Lichtfestival) wären ohne meinen persönlichen Einsatz wohl nicht möglich gewesen. Es würde mich nicht wundern, wenn vieles davon wieder verschwinden würde, falls ich nicht weiterhin dafür kämpfe. Schwer ist’s, etwas Neues aufzubauen, leicht ist’s, Bestehendes zu zerstören. Wär doch schade drum.

Die letzten Wochen waren nicht leicht. Man möchte nicht meinen, wie giftig die Pfeile sind, mit denen man auf Menschen zielt, die sich öffentlich sichtbar für das Gemeinwohl einer Stadt einsetzen. Die Ungeheuerlichkeiten, die in den Trollrevieren der Kommentarspalten lauern, sind so reich an Beleidigungen und Beschimpfungen, dass man immer wieder sprachlos vor Staunen ist. Man muss einiges ertragen können.

Vielleicht schreib ich mal ein Theaterstück drüber …