Der Tod und das Mädchen

Drei Jahre nach Shakespeares „Richard III“ folgt im Mai 2023 meine erst zweite Inszenierung im Theatersaal des Kultur Quartiers – und meine insgesamt 20. Inszenierung eines abendfüllenden Theaterstückes.

Eine Frau und ihr Mann leben in einem Häuschen auf dem Land und versuchen gemeinsam, die traurige Vergangenheit ihres Landes hinter sich zu lassen. Sie haben die Diktatur überlebt, haben viel erdulden müssen und hoffen nun auf einen Neuanfang in der noch jungen Demokratie. Doch dann hat das Auto einen Platten. Der Mann steht allein an der Landstraße und hofft, dass ihn jemand mitnehmen und heimbringen möge. Endlich hält ein Wagen. Der Fahrer ist sehr freundlich, von Beruf Arzt. Man versteht sich sofort. Als aber die Frau seine Stimme hört – die Stimme des netten Doktors, der ihren Mann nach Hause bringt -, brechen dunkle Erinnerungen über sie herein. Obwohl ihre Augen damals fest verbunden waren, glaubt sie in ihm ihren einstigen Peiniger zu erkennen, der ihr vor fünfzehn Jahren in den Gefängnissen der Diktatur Schreckliches angetan hat. Doch ist er es wirklich? Die Frau scheint sich sicher zu sein. Ihr Mann zweifelt daran. Bevor der Arzt noch weiß, wie ihm geschieht, findet er sich gefesselt und geknebelt in der Macht einer Frau wieder, die ihm vorwirft, ein Monster zu sein. Sie will, dass er gesteht. Doch was, wenn er nichts zu gestehen hat?

Ein packender Thriller nimmt seinen Lauf. Im Spannungsfeld von Rache und Selbstjustiz, von Recht und Gerechtigkeit, von Schuld und Vergebung tun sich finstere Abgründe auf. Mit seinen überraschenden Wendungen und seinem psychologischen Tiefgang ist dieses Theaterstück des chilenischen Autors Ariel Dorfman bestimmt nichts für schwache Nerven.

Maria Elisabeth Reitberger steht in der weiblichen Hauptrolle dieses Stückes vor ihrer bisher größten Herausforderung als Schauspielerin. Mit ihren Darbietungen in „Der Krah“, „Rettungsboot an Unbekannt“ oder als Teufel im „Jedermann“ sowie ihrer Regiearbeit bei „Kosmetik des Bösen“ hat sie aber schon reichlich Erfahrung mit abgründigem Bühnengeschehen gesammelt.

Klaus Schneider spielt den freundlichen Arzt, hinter dessen Lächeln sich möglicherweise ein Monster verbirgt. Sein Talent für Nuancen und seinen Facettenreichtum stellte er schon in vielen grundverschiedenen Rollen unter Beweis. In Stücken wie „Cabaret“, „Richard III“, „Sommernachtstraum“, „La Cage aux Folles“ oder „Munde“ bewährte er sich bereits als Nazi, naiver Prinz, prahlerischer Handwerker, affektierter But(t)ler oder muslimischer Gastarbeiter – bunter geht’s kaum. Unvergessen ist aber auch seine Darbietung als „König Ödipus“ am Festungsneuhof.

Klaus Reitberger steht zum ersten Mal seit „Kosmetik des Bösen“ wieder in einer Hauptrolle auf der Bühne und führt gleichzeitig zum 20. Mal Regie bei einem abendfüllenden Theaterstück. „Der Tod und das Mädchen“ hat Potenzial, seine bisher intensivste und dunkelste Inszenierung zu werden – noch abgründiger gar als „Der Weibsteufel“ und „Die Thurnbacherin“.

Weitere Inszenierungen

Ein paar Worte zu Russland

Auf dem Facebook-Account eines Familienmitglieds erschien am gestrigen Tage ein geteilter Beitrag, in welchem die Waffenlieferungen an die Ukraine verurteilt werden – und zwar ohne, dass betreffendes Familienmitglied diesen Beitrag je selbst geteilt hätte, da solche Inhalte ganz entschieden nicht seiner Meinung entsprechen.

Die plausibelste Erklärung ist wohl, dass irgendwelche mit Russland sympathisierenden Hacker oder Propaganda-Bots sich in Facebook-Konten mit leicht zu knackenden Passwörtern einloggen und dort gezielt Inhalte platzieren, die dem russischen Kriegserfolg dienlich sind. Es ist schon sehr spannend und auch beängstigend, welche Mechanismen da am Werk sind. Immer wieder kommt es vor – und das wird wohl auch unterhalb dieses Beitrags geschehen – dass ukrainefeindliche Kommentare von Konten gepostet werden, die zwar einheimisch klingen, aber bei näherer Hinsicht Fake sind. Dass sich die russische Propagandamaschinerie aktiv in die letzten beiden US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe eingemischt hat, ist hinlänglich bewiesen. Dass sie überdies versucht, europakritische Parteien (Rassemblement National, AfD, FPÖ, etc.) zu unterstützten und den europäischen Zusammenhalt zu unterminieren, leuchtet ein. Und nun wird eben gezielt versucht, die öffentliche Meinung gegen die Unterstützung der Ukraine zu richten. Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Menschen dieses falsche Spiel durchschauen und mehr auf objektiven Qualitätsjournalismus als auf dubiose Online-Konten und Portale vertrauen.

Diese kläglichen Propagandaversuche sind wohl auch Ausdruck der Verzweiflung eines Regimes, das sich in eine Sackgasse manövriert hat, aus der es nicht mehr herauskommt. Auch das in den letzten Tagen so verbreitete Gerücht, dass jene Nationen, die nun Waffen liefern, selber Kriegsparteien würden, ist schlichtweg falsch. Eine von außen überfallene Nation wie die Ukraine hat nach Artikel 51 der UN-Charta ein Recht auf Selbstverteidigung, bei dessen Wahrnehmung Hilfe von außen legitim und völkerrechtlich vertretbar ist. Aber ganz unabhängig davon, welcher Grenzverlauf am Ende dieses Kriegs herauskommen wird, hat Russland jetzt schon verloren. Die enge wirtschaftliche Verknüpfung nach Europa ist dahin. Nie wieder werden die Gewinne durch den Gasexport das Vorkriegsniveau erreichen. Die Bevölkerungszahlen sinken dramatisch. Hunderttausende Künstler:innen, Journalist:innen, Wissenschaftler:innen und Geschäftsleute haben längst das Land verlassen. Die enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit russischen Universitäten ist dahin. Auch auf Tourist:innen aus westlichen Ländern wird Russland wohl auf lange Jahre verzichten müssen. Russland schadet nicht nur der Ukraine, sondern vor allem sich selbst, seiner Bevölkerung, seinem Ansehen in der Welt und nicht zuletzt seiner Kultur. Als großer Freund der russischen Literatur, als eifriger Leser und Verehrer von Tolstoi, Puschkin, Gogol, Tschechow, vor allem aber Dostojewski blutet mir das Herz in Anbetracht dieses massiven Zugrunderichtens des russischen Ansehens in der Welt. Auch diesen Autoren würde das Herz bluten, vor allem Tolstoi. Doch das Land, das einst Solschenizyn einsperrte und dann vertrieb, fährt weiter fort, Andersdenkende einzusperren, zu dämonisieren und zu diskreditieren. So fern von Europa war Russland noch nie. Schuld hat nicht Europa. Schuld hat nicht das russische Volk. Schuld hat ein Diktator. Wo ist der Chaplin von heute, der es wagt, sich einmal richtig lustig über ihn zu machen?

Hate-Mail Lesung 2022

Eine humoristische, weihnachtlich angehauchte Lesung ausgewählter Hassbotschaften, die mich im Kalenderjahr 2022 erreicht haben – sei es als Reaktion auf mein Engagement pro Covid-Impfung, auf meine Warnungen vor dem Klimawandel, auf die Verwendung gender-neutraler Sprache, auf meine Initiative zur Aufarbeitung der Kufsteiner Heldenorgel – oder ganz generell auf mein kommunalpolitisches Engagement.

Hate-Mail Lesung 2022

Das Video zeigt eine humoristische, weihnachtlich angehauchte Lesung ausgewählter Hassbotschaften, die mich im Kalenderjahr 2022 erreicht haben. Sei es mein Engagement pro Covid-Impfung, meine Warnungen vor dem Klimawandel, die Verwendung gender-neutraler Sprache, meine Initiative zur Aufarbeitung der Kufsteiner Heldenorgel oder ganz generell mein kommunalpolitisches Engagement – all dies hat bei einigen unserer Zeitgenoss:innen zu heftigen Reaktionen geführt. Hier ein Best-of der kuriosesten Nachrichten, die mich dieses Jahr erreicht haben.Viel Spaß 🙂

Neuwidmung der Heldenorgel

(Hier der Link zur Videoaufzeichnung der Gemeinderatssitzung der Gemeinde Kufstein November 2022)

Mit Beschluss vom 16.11.2022 distanziert sich der Gemeinderat Kufstein ausdrücklich von jeglichem ethno-nationalistischen, chauvinistischen oder kriegsverherrlichenden Gedankengut, das bei der Erbauung und ursprünglichen Widmung der Heldenorgel eine Rolle gespielt hat. Die Frage, für welche Helden dieses Instrument heutzutage spielt, wird mit folgender Neuwidmung beantwortet, welche auf einer Tafel am Gebäude des Orgelspieltisches im Festungsneuhof wiedergegeben werden soll:

Das Spiel dieser Orgel gelte den Heldinnen und Helden vergangener, gegenwärtiger sowie zukünftiger Zeiten.
Diese Orgel spielt für alle, die dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben,
Damit andere nicht dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben müssen.
Diese Orgel spielt für jene, die Heldinnen und Helden werden,
Damit andere nicht Opfer sind.

Die Langversion selbiger Neuwidmung soll auf der Homepage der Stadt Kufstein dargestellt und mittels QR-Code auf oben genannter Tafel darauf verwiesen werden:

Neuwidmung der Kufsteiner Heldenorgel

Das Spiel dieser Orgel gelte den Heldinnen und Helden vergangener, gegenwärtiger und künftiger Zeiten.

Sie spielt für den Feuerwehrmann, der sich in die Flammen stürzt, um dich zu finden,
Und für die Bergretterin, die in sternenklarer Nacht frierend unter der Lawine nach dir sucht.
Sie spielt für den Lehrer, der dir inmitten der Zensur noch Wahrheit lehrt,
Und für die Ärztin, die den fallenden Bomben zum Trotz deine Wunden verbindet.

Diese Orgel spielt für unsere Väter und Großväter, die für das Wohl ihrer Kinder manch Opfer erbrachten,
für unsere Mütter und Großmütter, die allen Schwierigkeiten trotzten, um immer für uns da zu sein.
Sie spielt für all jene, die auch in Zeiten ohne Licht und Hoffnung nie den Mut verloren
Und uns zu neuen Taten, neuen Träumen, neuen Anfängen inspirierten.

Diese Orgel spielt für jene, die mit Waffe oder Feder für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit streiten.
Sie spielt auch für jene, die sich mutig der Waffe verweigern und damit Diktaturen trotzen.
Sie spielt für alle, die Sicherheit schaffen und dabei ihre eigene Sicherheit aufs Spiel setzen,
Und  für jene, die Lügen entlarven und Wissen verbreiten – vor allem dort, wo es verboten ist.

Diese Orgel spielt für die Journalistin, die an den gefährlichsten Orten ihre Reportagen dreht,
Für den Whistleblower, der alles verliert, um dunkle Machenschaft ans Licht zu bringen,
Für die unbekannte Soldatin, die ihr Leben gab, um Völkermorde zu verhindern,
Und für den Offizier, der desertierte, als man ihm befahl, Verbrechen zu begehen.

Diese Orgel spielt für den Jungen, der in den reißenden Strom springt, um ein Kleinkind zu retten,
Und für das Mädchen, das allen Drohungen trotzt und unermüdlich vor der unbequemen Wahrheit warnt.
Diese Orgel spielt für den politischen Gefangenen, der sich dem Regime mit Hungerstreik widersetzt,
Und für die Künstlerin, die vor Ort versucht, die Schlacht mit Friedensliedern zu verhindern.

Diese Orgel spielt für die Demonstrantin, die barhäuptig ihr Leben für Freiheit riskiert
Und für all jene, die sich sehenden Auges in Gefahr begeben, um anderen Gutes zu tun.
Diese Orgel spielt auch für so viele, die in diesen Zeilen zwar ungenannt bleiben,
Und doch vom selben Geist, vom selben Mut, vom selben Glanz beflügelt sind.

Diese Orgel spielt für alle, die dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben,
Damit andere nicht dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben müssen.
Diese Orgel spielt für jene, die Heldinnen und Helden werden,
Damit andere nicht Opfer sind.

Des Weiteren wurde beschlossen:

Das Lied vom „Guten Kameraden“ kann selbstverständlich zu passenden Anlässen (20. Februar, 8. Mai, Gefallenengedenken, u.a.) gespielt werden. Als tägliches Musikstück steht es mit seinem starken militärischen Kontext aber klar im Widerspruch zur unter Punkt 2) vorgeschlagenen Widmung, welche ja auch Heldinnen und Helden umfasst, die entweder keinen militärischen Bezug haben oder deren Heldentum sich gerade durch ihre Abgrenzung zu Militär und Soldatentum zeigt. Für das Kalenderjahr 2023 soll daher wie vielfach vorgeschlagen die Europahymne am Ende der Mittagskonzerte gespielt werden. In den Folgejahren soll dann wiederum ein anderes Lied ausgewählt werden, damit jedes Jahr unter einem besonderen Motto steht. Dabei werden die Organisten gebeten, im Herbst jedes Jahres drei bis fünf Vorschläge zu machen. Die Kufsteiner Bevölkerung soll dann darüber abstimmen können, welches Lied im jeweiligen Jahr gespielt wird.

In Absprache mit der Festung Kufstein GmbH wird der Leiter der Musikabteilung der Tiroler Landesmuseen, Dr. Franz Gratl mit Absprache des Kufsteiner Heimatvereins beauftragt, die Inhalte der bestehenden Infotafeln zur Orgel im Bürgerturm überarbeiten und zu ergänzen. Auch der Online-Auftritt der Orgel soll auf den entsprechenden Seiten der Festung Kufstein entsprechend angepasst werden. Die Bedeckung für die inhaltliche Gestaltung und Fertigung der beiden Tafeln in der Höhe von max. € 1.300,00 erfolgt dabei aus dem HH-Konto: 1/329000-757000 – „Zuschüsse für Kulturveranstaltungen auf der Festung Kufstein“. Gleichzeitig soll noch eine zusätzliche Tafel über die Friedensglocke in der Partnerstadt Rovereto aufgestellt werden. Rovereto stellt im Gegenzug auch eine Tafel über die Kufsteiner Orgel auf. Die Bedeckung hierfür in Höhe von max.
€ 1.700,00 erfolgt aus dem HH-Konto: 1/063000-729020 „Aufwand für Städtepartnerschaften“.

Analyse gezielter Polemik

Im folgenden Beitrag möchte ich den Text des Kufsteiner Stadtrats Walter Thaler im Stadtmagazin vom Oktober 2022 analysieren, welcher ein hervorragendes und lehrreiches Beispiel gezielter Polemik auf kommunalpolitischer Ebene darstellt.

Der Text beginnt damit, dass meiner Person Worte in den Mund gelegt werden, die ich niemals gesagt und niemals geschrieben habe – und dies nicht als Paraphrase, sondern in Form der direkten Rede. Die Aussage, dass Kameraden nicht mehr zeitgemäß wären, wurde niemals von mir geäußert. Mir eine solche Wortmeldung in direkter Rede zuzuschreiben, grenzt an den Strafbestand der „Üblen Nachrede“ und wäre eigentlich klagbar. Ich habe lediglich ein paar Gründe genannt, warum ein Lied mit starkem soldatischen Kontext, das das Wort „Kamerad“ im Titel trägt, nicht mehr jeden einzelnen Tag von einem Instrument gespielt werden soll. Daraus folgt aber nicht im geringsten die unsinnige Behauptung, dass Kameraden an sich nicht mehr zeitgemäß wären. Natürlich sind sie das. Statt auf meine Argumente einzugehen, legt man mir hier Dinge in den Mund, die ich nie gesagt habe, um mich moralisch zu diskreditieren. Diese Vorgehensweise ist unredlich, unfair und unwürdig.

Ähnlich absurd und unwahr ist die Behauptung, ich würde Feuerwehren, Musikkapellen, Traditionsvereine oder gar Pflegepersonal in irgendeiner Art und Weise gering schätzen oder sie gar als unzeitgemäß ansehen. Das ist doch Unsinn. Zahlreiche Traditionsvereine Kufsteins, bei deren Versammlungen ich immer wieder zu Gast bin, wissen nur zu gut, wie sehr ich sie persönlich schätze und wie wichtig ich ihren ständigen, ehrenamtlichen Einsatz für Kufstein erachte. Feuerwehren, Sicherheitskräfte, Pflegekräfte – sie alle haben für unsere Gesellschaft einen unschätzbaren Wert und ich applaudiere allen, die Teil dieser Stützen unserer Gesellschaft sind. Es gehört schon viel geistige Verrenkung dazu, aus dem Vorschlag, die Geschichte eines Musikinstrumentes aufzuarbeiten, ableiten zu wollen, dass ganze Berufsklassen nicht zeitgemäß wären. Mir so etwas zu unterstellen, ist haarsträubend.

Die Andeutung, dass „unser Steuergeld“ dafür verwendet würde, um Teilnehmer einer Diskussion (pro und kontra Aufarbeitung) zu bezahlen, ist vor allem deshalb interessant, weil dem Verfasser obiger Zeilen zur Zeit ihrer Abfassung längst bekannt gewesen sein muss, dass keiner der vier Diskutanten ein Honorar verlangt. Wider besseren Wissen wird hier also etwas unterstellt, das man als bewusste Täuschung der Leser:innen interpretieren könnte.

Im weiteren Verlauf des Textes beklagt der Verfasser offenbar, dass besagte Diskussionsteilnehmer von mir ausgewählt wurden. Dabei wurde Walter Thaler im Vorfeld angeboten, selbst einen Sprecher oder eine Sprecherin für seine Position zu nominieren. Er hätte also die Möglichkeit gehabt, selbst jemanden auszuwählen, hat dies aber nicht getan. Im Übrigen hielt er es nicht einmal für angebracht, auf besagte Einladungsnachricht meinerseits eine Antwort zu geben.

In der zweiten Spalte wird nun noch der Versuch unternommen, eine Quelle zu diskreditieren, indem darauf verwiesen wird, dass die Festung Kufstein darin fälscherlicherweise als „Geroldseck“ bezeichnet wird. Hätte sich der Verfasser nur ein bisschen mit der Geschichte Kufsteins auseinandergesetzt, so müsste er wissen, dass diese Bezeichnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet und unter anderem in den „Innsbrucker Nachrichten“, um die es hier geht, gang und gäbe war. Im Stadtmagazin vom April/Mai 2022 hat unsere Stadtarchivarin Milena Prommegger einen sehr informativen Artikel darüber geschrieben. Auch diesen hat der Verfasser offenbar nicht gelesen. Jedenfalls sagt es nichts über die Verlässlichkeit einer Quelle der damaligen Zeit aus, wenn dieser damals übliche Ausdruck darin Verwendung findet.

Im letzten Absatz argumentiert der Verfasser nun, dass Diskussionsrunden oder Arbeitskreise zu diesem Thema nicht sinnvoll wären und verweigert sich der Teilnahme daran. Dabei sollte einer funktionierenden Diskussionskultur innerhalb einer Demokratie doch ein hoher Stellenwert beigemessen werden. „Beim Red’n kemmen d’Leit z’sam“ heißt es schon im Volksmund. In einer parlamentarischen Demokratie spielt eben das Miteinander Sprechen (parler) eine bedeutende Rolle. Dies zu verweigern oder ins Lächerliche zu ziehen, erachte ich als zutiefst undemokratisch. Wer nicht miteinander redet, verharrt bei vorgefassten Meinungen und hat einfach keine Lust oder Angst davor, sich ernsthaft mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Dies aber gehört zum Aufgabenbereich gewählter Volksvertreter:innen.

Abschließend möchte ich noch festhalten, wie wichtig es ist, einander wertzuschätzen – auch wenn man bei einzelnen Themen anderer Meinung sein sollte. Polemische Texte wie der hier analysierte sind leider fernab jeglicher Wertschätzung. Dennoch hoffe ich, dass wir uns auch weiterhin in die Augen schauen, die Hände schütteln, bei einem Bier miteinander anstoßen und gemeinsam Gutes für Kufstein erwirken können – so wie auch schon in den letzten sechs Jahren.

Kufsteiner Physik-Schüler räumt ab

Die gänzlich in englischer Sprache verfasste Arbeit untersucht die rätselhafte Eigenschaft von Wasser, welches schneller gefriert, wenn es zuvor erwärmt wurde. Obwohl dieser Effekt schon in Antike und früher Neuzeit bekannt war, geriet er lange in Vergessenheit und wurde erst 1969 vom tansanischen Schüler Erasto Mpemba wiederentdeckt. Roman Eder kommt diesem Phänomen mit raffinierten Experimenten und tiefschürfender Literaturrecherche auf die Schliche und überzeugt dabei auf voller Linie. Die Arbeit ist von einer wissenschaftlichen Publikation auf Universitätsniveau kaum zu unterscheiden und erlangt nun verdiente Würdigung.