Jedermann – Wiederaufnahme 2022

Jedermann – das Spiel vom Sterben einer reichen Frau
Frei nach Hugo von Hofmannsthal

Nach dem großartigen Erfolg des Sommers 2018 kommen wir dem Wunsch unseres Publikums nach und zeigen nochmals unseren „Jedermann“. Wir bleiben bei unserem geglückten Rezept und spielen dieses Stück in eben jenem neuartigen Kleide, wie wir es schon damals taten. Man bleibt dem schönen Klang der Hofmannsthal’schen Kunstsprache treu, traut sich jedoch, Sinn und Geschlecht ins Gegenteil zu verkehren und schreckt dabei nicht vor modernen Elementen zurück. Dabei entsteht etwas völlig Neues und ungemein Reizvolles … Auf jeden Fall ist unser „Jedermann“ ganz anders als anderswo.


Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet ein spektakuläres Freilichttheater im historischen Ambiente des Festungsneuhofs. Eine hölzerne Tribüne mit Überdachung stellt sicher, dass das Publikum auch bei Regen trocken bleibt. Seien Sie dabei!

Kartenreservierung und Termine

Und am Ende wird es wieder heißen:
Dies war das alte Lied vom Menschen Jedermann
Der sowohl Mann, als Frau sein kann,
Denn sterblich sind alle, er, sie, ich und wir
Es sterben auch die Pflanzen. Es stirbt auch jedes Tier.
Es zählt allein, was wir unserm Leben hab’n getan
Die Welt zu schönen, Leid zu mindern – damit fängt es an.
Wenn unsere Werke nicht verkümmern in der Not
Im Wirbelwind von Göttern, Mammon, Teufel, Tod
Wenn unsere Werke blühen, Geist erwecken
Dann soll uns auch der Tod nicht schrecken

Und falls wir Schatten euch erzürnt,
weil unsere Worte anders als im Buche
Bedenkt, bevor ihr nun von dannen stürmt,
Dass man in der Kunst stets Neues suche,
Denn Starrheit, hat hier keinen Wert
Drum spielen wir ganz unbeschwert
Den Jedermann wie er noch nie gezeigt
Und hoffen, dass ein Lächeln bleibt.
Wir wünschen euch nun Gute Nacht
Und freuen uns auf ein Wiederseh’n
Und haben wir es gut gemacht.
So kann nun der Applaus losgeh’n.

Es spielen:
Frau Jedermann – Barbara Dorfer
Tod – Martin Heis
Buhl – Albin Winkler
Werke – Isabella Winkler
Gesellin – Elisabeth König
Mammon – Markus Mader
Jedermanns Vater – Christopher Lang
Teufel – Maria Elisabeth Reitberger
Göttin – Nicole Schreyer
Erste Cousine – Miriam Westermeier
Zweite Cousine – Anna Angermaier
und viele andere…

Caroline Criado-Perez: Unsichtbare Frauen

Jeder und jede, die dieses Buch zur Hand nehmen, werden frappiert sein, wie viel strukturelle Ungleichkeit sie bisher gar nicht bemerkt haben. Ob im Alltagsleben, am Arbeitsplatz, in Designfragen, beim Arztbesuch, im öffentlichen Leben und sogar im Katastrophenfall – die Autorin deckt überall grobe Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung der Geschlechter auf. Fern von Geschwafel wird anhand von Fakten mit klarer Datenlage aufgezeigt, wie durchsetzt das herrschende System von gravierenden Missständen und über die Jahrhunderte kaum hinterfragte Vereinfachungen ist. Wer nun glaubt, dass der Pfeil des Fortschritts klar in die richtige Richtung weist, dem mögen die problematischen Auswüchse von einseitigen Datenlagen in immer mächtiger werdenden Algorithmen zu denken geben. „Big Data“ beruht auf Historie und ist daher leider vor allem „Male Data“. Ein Computerprogramm kann noch so neutral ist – basiert es auf Input mit männlicher Schlagseite, so sind auch die Ergebnisse von denselben Stereotypen durchzogen, wie die klassischen Verfehlungen des alten, weißen Mannes an der Spitze von Wirtschaft und Politik.

Jedenfalls ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Manchen Leuten möge man es einfach auf den Schreibtisch werfen und laut „Lies das!“ rufen. Hoffentlich wirkt’s.

Nacht der Kunst

Schon zum dritten Mal durfte ich die Kufsteiner „Nacht der Kunst“ moderieren und gemeinsam mit den Kunstschaffenden der Stadt Rückschau auf die aktive Kufsteiner Kunstszene im Jahr 2021 halten. Es war mir eine Freude.

Uraufführung: 7 circles

Die Vorfreude ist groß.

Am 24.3. steht meine nächste Uraufführung bevor. Es ist das erste Stück, das ich rein in englischer Sprache verfasst habe. Gezeigt wird es mit deutschen Übertiteln.

7 großartige Nachwuchsschauspieler:innen freuen sich auf ihr Publikum.

Teilen! Reservieren! Anschauen!

In diesem Theaterstück geht es um Wut, Vernunft, Glaube, mangelndes Vertrauen, Drogenkonsum, Liebe und Tod. Doch das ist längst nicht alles. Die Covid-Pandemie ist ein allgegenwärtiges Thema, das immer wieder zum Vorschein kommt. Am Rande berührt das Stück aber auch Themen wie Klimawandel, LGBTIQ+ und vieles mehr. Es zeigt die ganze Komplexität menschlichen Lebens und feiert die wunderbare Vielfalt unserer Existenz in ihrer bedauerlichen Vergänglichkeit.

Mehr Fotos: https://kufstein-english-theatre.com/…/22/picture-gallery/

Mehr Infos: https://kufstein-english-theatre.com/current-productions/

Allgemein

3 Gründe, warum man am 13.3. in Kufstein unbedingt an der Stichwahl teilnehmen und Martin Krumschnabel wählen sollte

Grund #1: Weil es in der Demokratie um Mehrheiten geht

Ganz unabhängig davon, wer die beiden Personen sind, die in Kufstein bei der Bürgermeister:innenstichwahl am 13.3. am Wahlzettel stehen – man hat hier die Wahl zwischen einer handlungsfähigen und einer gelähmten, handlungsunfähigen Stadtführung. Warum? Weil ein Bürgermeister bzw. eine Bürgermeisterin mit nur einem einzigen Gemeinderatsmandat nicht in der Lage ist, eine Stadt zu führen. Die Ausgangsposition ist klar. Gewinnt Martin Krumschnabel, so kann er mit acht Mandaten relativ leicht Mehrheiten finden. Eine Zusammenarbeit mit den Grünen, aber auch mit der GKL und der Liste „Wir Kusteiner“ oder der SPÖ führt leicht zu einer Mehrheit im 21-köpfigen Gemeinderat. Die Stadt bleibt handlungsfähig. Gewinnt Birgit Obermüller, so wird es ihr ein Ding der Unmöglichkeit sein, sich mit ihrem einzigen Mandat im Gemeinderat durchzusetzen. Da müssten man schon sehr viele Gegensätze zu verbinden wissen. Birgit Obermüller hat in den letzten sechs Jahren oft gezeigt, dass sie eine Meisterin im Provozieren und Spalten ist. „Verbinden“ kann sie in meinen Augen nicht. Dass es schon mit nur fünf von 21 Mandaten schwer ist, Politik zu machen, mussten die Parteifreien von 2010 bis 2016 leidlich erfahren. Mit nur einem einzigen Mandat eine Stadt zu führen, ist schlichtweg absurd. Dass Birgit Obermüller nun in einem Wahlvideo sagt, dass es bei der Frage, wer Kufstein führen soll, „nicht um Mehrheiten“ gehe, ist demokratie-politisch schon eine sehr bedenkliche Aussage. Natürlich geht es in einer Demokratie um Mehrheiten. Sonst wäre es keine Demokratie.

Grund #2: Weil Kufstein nicht Mittel zum Zweck sein darf

Dass es schier unmöglich ist, mit nur einem Mandat Bürgermeisterin zu sein, das weiß bestimmt auch Birgit Obermüller. Sie tritt dennoch an. Dies tut sie wohl vor allem deshalb, weil sie einen Achtungserfolg braucht, um bei den Tiroler Landtagswahlen 2023 an möglichst aussichtsreicher Stelle für die NEOS kandidieren zu dürfen. Dass der Landtag ihr eigentliches Ziel ist, hat sie schon mehrmals durchblicken lassen. Auch die Kommentare von NEOS Landessprecher Dominik Oberhofer sowie das Unterstützungsvideo vom ehemaligen Bundeschef Matthias Strolz deuten klar in diese Richtung. Es geht hier nicht um Kufstein. Es geht darum, einen Achtungserfolg für die NEOS zu erzielen, der impulsgebend für die nächsten Landtagswahlen sein soll. Das Votum der Kufsteiner Bevölkerung soll hier einerseits zum Erklimmen der persönlichen Karriereleiter, andererseits zum Vorteil einer Landes- bzw. Bundespartei instrumentalisiert werden. Martin Krumschnabel kann auf keine Empfehlungsvideos von Landes- und Bundesebene hoffen. Die Parteifreien gibt es eben nur in Kufstein. Und gerade das zeichnet sie aus; sie sind ausschließlich für Kufstein da.

Grund #3: Weil Martin Krumschnabel schlicht und einfach der bessere Bürgermeister ist

Ich kenne beide Personen nun schon seit mehr als sechs Jahren, habe sie in verschiedenen Situationen erlebt, mehr oder weniger intensiv mit ihnen zusammengearbeitet und kann daher ein paar Rückschlüsse über ihre Eignung als Bürgermeister:in ziehen. Nun kann man mir natürlich vorwerfen, dass mein Urteil nicht objektiv sei. Das stimmt natürlich. Man sollte dabei aber nicht Ursache mit Wirkung verwechseln und sich folgendes einprägen: Martin Krumschnabels Performance als Bürgermeister finde ich nicht deshalb gut, weil ich in seinem Team bin, sondern: Ich bin in seinem Team, weil ich seine Performance so gut finde. Ein wichtiger Unterschied.

Jedenfalls ist er ein Mensch, der auch in schwierigen Situationen besonnen bleibt, der über Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick verfügt und auch Handschlagqualität hat. Es hat mich immer wieder beeindruckt, wie viel Wissen er sich zu den brennenden Fragen unserer Zeit erlesen hat. Ob zum Klimawandel, zur Covid-Pandemie oder zur Elektrifizierung von PKWs; Martin Krumschnabel hat zu all diesen Themen dutzende Sachbücher durchgearbeitet und versteht es, fundiert und informiert zu entscheiden. Es ist angenehm, dass Gespräche mit ihm sich nie nur auf Small-Talk Niveau bewegen, sondern man stets bei essentiellen Fragen anlangt und gemeinsam lösungsorientiert nach Antworten sucht. Als offener Gesprächspartner zeigt er stets echtes, aufrichtiges Interesse für die Meinungen anderer. Die Stadt Kufstein kann sich in meinen Augen sehr glücklich schätzen, Martin Krumschnabel weitere sechs Jahre lang als Bürgermeister zu haben. Im Unterschied zu vielen weiß er genau, was er tut.

Ich habe auch mit Birgit Obermüller zusammengearbeitet und war mit dabei, als sie – damals noch bei den Parteifreien – die KIK-Kreativwochen im Sommer initiiert hat – ein durchaus gelungenes Projekt, zu dem man ihr gratulieren kann. Aber schon damals war ein gewisses Grundmisstrauen gegenüber anderen ein klar erkennbarer Wesenszug. Sie sah oft Schatten, wo keine sind, versuchte zu spalten, Misstrauen zu schüren und andere auf ihre Seite zu ziehen. Sie freute sich selten über die Erfolge anderer. Als sie sich im Herbst 2019 klar gegen Projekte wie die Stadtgalerie und die „Nacht der Kunst“ positionierte und insgeheim schon Gespräche mit anderen Fraktionen führte, war es bis zum endgültigen Bruch mit den Parteifreien nicht mehr weit. Augenscheinlich war, wie wenig bei ihr Argumente zählen und wie viel persönliche Befindlichkeiten ausmachen. Das sah man auch in weiterer Folge im Gemeinderat, wo vier Jahre lang ein versöhnlicher, konstruktiver Ton geherrscht hatte. Das änderte sich rasch, als Birgit Obermüller mit ihrem Dauerfeuer inzwischen längst widerlegter Anschuldigen in Erscheinung trat.

Die Beweislage dafür, dass sie zu „verbinden“ verstünde, wie nun auf den Wahlplakaten propagiert wird, ist denkbar dünn. Anschauliches Beispiel dafür ist auch eines ihrer ersten Wahlkampfvideos, bei dem sie ein Mobiltelefon mit dem Hörbuch „Wie man eine Perle findet„, auf den Boden wirft, als wäre es Müll. Nach einem derart aggressiven Wahlkampf nun die Rolle der versöhnlichen Verbinderin zu spielen, ist alles andere als glaubwürdig.

Immerhin ging aus jenem Video aber auch etwas Gutes hervor. In ihrem Wahlkampf haben die Parteifreien bekanntlich einen Podcast mit 18 Folgen zu ihren Kandidat:innen und zu anderen Themen veröffentlicht. Die Inspiration dazu kam durchaus von Birgit Obermüller, die in oben erwähntem Video unser Hörbuch fälschlicherweise als „dubiosen Podcast“ bezeichnet. Darüber, ob dieses Hörbuch dubios ist oder nicht, lässt sich gewiss streiten. Ein „Podcast“ ist es per Definition aber ganz sicher nicht. Jedenfalls brachte uns diese Fehlbenennung auf die Idee, einen eigenen Podcast zu starten, der nun schon mehrere tausend Views hat. Danke dafür.

Kurzum: Martin Krumschnabel vereint viele Qualitäten, die für das Bürgermeisteramt wesentlich sind: Besonnenheit, Fingerspitzengefühl, Verhandlungsgeschick, Handschlagqualität, Fairness etc. Birgit Obermüller spaltet, sät Misstrauen, behandelt Bücher wie Müll und sieht Schatten, wo keine sind. Ich habe nichts gegen sie persönlich, wünsche ihr auch alles Gute in ihren weiteren politische Tätigkeit; als Bürgermeisterin der Stadt Kufstein aber kann ich sie mir ganz gewiss nicht vorstellen.

Warum ich Kommunal-Politiker bin
(Ein paar Beweggründe)

Politik in action (Videos aus dem Gemeinderat)

Wie man eine Perle findet (ein Ideen-Buch)

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Politisches Wirken
(Was ich
erreicht habe)

Gedanken zur Gemeinderatswahl 2022

Stadtmagazin-Beiträge (2016-22)

Der Tag vor der Wahl

Um es noch einmal ganz klar zu sagen:

Wer möchte, dass ich mich weitere sechs Jahre lange für das Kulturgeschehen in Kufstein einsetze, sollte morgen Liste 1 „Die Parteifreien“ wählen.

Es könnte knapp werden. Viele Veranstaltungsformate und Neuerungen der letzten Jahre (Nachtgespräche, Nacht der Kunst, Kultur-Foren, Woche der Bühnenkunst, Stadtgalerie, Lichtfestival) wären ohne meinen persönlichen Einsatz wohl nicht möglich gewesen. Es würde mich nicht wundern, wenn vieles davon wieder verschwinden würde, falls ich nicht weiterhin dafür kämpfe. Schwer ist’s, etwas Neues aufzubauen, leicht ist’s, Bestehendes zu zerstören. Wär doch schade drum.

Die letzten Wochen waren nicht leicht. Man möchte nicht meinen, wie giftig die Pfeile sind, mit denen man auf Menschen zielt, die sich öffentlich sichtbar für das Gemeinwohl einer Stadt einsetzen. Die Ungeheuerlichkeiten, die in den Trollrevieren der Kommentarspalten lauern, sind so reich an Beleidigungen und Beschimpfungen, dass man immer wieder sprachlos vor Staunen ist. Man muss einiges ertragen können.

Vielleicht schreib ich mal ein Theaterstück drüber …

Katharina Rogenhofer: Ändert sich nichts, ändert sich alles.

Wenn man als in Österreich lebender Mensch nur Zeit genug hat, um ein einziges Buch über den Klimawandel zu lesen, dann sollte man dieses wählen. Selten hat jemand die internationale und regionale Dimension dieser größten Krise unserer Zeit so gut auf Papier gebannt, wie Katharina Rogenhofer es in diesem spannenden, ergreifenden und sehr informativen Sachbuch tut.

Ich habe schon viele Werke zum Klimawandel gelesen. Manche versteigen sich in Details, andere verlieren sich im Vagen ohne je konkret zu werden. Manche wecken falsche Hoffnung und spielen den Ernst der Lage herunter, andere wiederum räumen der Hoffnung überhaupt keinen Platz ein und hinterlassen die Lesenden in untätiger Starre. Rogenhofer kann es besser. Mit ihrem persönlich Einsatz, mit ihrem beeindruckenden Engagement beim Klimavolksbegehren, macht sie vor, wie der einzelne Mensch einen großen Unterschied machen kann. Sie lässt keinen Zweifel am Ernst der Lage, sieht aber auch die positiven Trends, welche allmählich die viel zu späte Kehrtwende doch noch in den Bereich des Möglichen rücken.

Mit einer leicht verständlichen Sprache, die dennoch reich an passenden Metaphern und beeindruckenden Analogien ist, führen Rogenhofer und ihr Co-Autor Florian Schlederer in die Problematik des Klimawandels ein und beleuchten diesen von verschieden Seiten: wissenschaftlich, wirtschaftlich, sozial, politisch, auch familiär. Alle Lebensbereiche werden vom Klimawandel berührt. Alle vermögen wiederum auch, auf ihn einzuwirken. Jedes Zielpublikum nimmt aus diesem Buch die richtige Botschaft mit. Ohnehin schon für Klimaschutz engagierte Menschen fühlen sich bestätigt und werden mit neuer Motivation bestärkt. Jene, die an der Schwelle zum Engagement stehen, werden über ebenjene Schwelle getragen. Und jene, die noch nicht begriffen haben, wie ernst die Lage ist, erleben während der Lektüre hoffentlich einen Sinneswandel. Schön ist auch, wie die unterschiedlichen Generationen im Buch Beachtung finden und wie klar und stark der Gedanke zum Vorschein kommt, dass sie alle einen Beitrag zur Lösung der Krise leisten können.

Es bleibt zu hoffen, dass viele Menschen, auch viele Entscheidungsträger:innen dieses Buch lesen. Gerade die Kapitel, in denen die Berührungspunkte zwischen Aktivist:innen und noch oder nicht mehr aktiven Politiker:innen erzählt werden, habe eine besondere Spannung in sich. Vieles, das in den Medien berichtet wurde, macht nun, vor dem beleuchteten Hintergrund, den dieses Buch liefert, mehr Sinn.

Jedenfalls rate ich ausdrücklich zur Lektüre dieses Buches und hoffe, dass Katharina Rogenhofer noch genug Gelegenheit bekommt, ihr Engagement und ihr Wissen im Dienste der guten Sache einzubringen. Aber nicht nur sie. Viele Österreicher:innen mögen in ihrem Windschatten zu ihr und ihren Mitstreiter:innen aufschließen und bald selbst an vorderster Front daran erinnern, dass noch viel zu tun ist und noch viel zu wenig getan wurde.

Auf persönlicher Ebene freut es mich jedenfalls sehr, dass wir Katharina Rogenhofer im Herbst 2021 bei uns in Kufstein in der Reihe der Kufsteiner Nachtgespräche auf der Bühne des Kultur Quartiers hören durften. Einige im Publikum haben das Buch ja an diesem Abend auch nach Hause genommen.

3 Warum ich nicht bei den Grünen bin

Sei es bei Klima-Demos, bei öffentlichen Veranstaltungen oder bei Gesprächen im Kreise von Bekannten und Freund:innen – immer wieder einmal stellt mir jemand diese Frage: „Warum bist du eigentlich nicht bei den Grünen?“ Die Antwort ist ein bisschen kompliziert. 

Wie vielen Menschen war auch mir schon vor Jahren klar, dass der Klimawandel mehr als Ernst zunehmen ist und sich im Laufe der Jahre zur größte Krise des 21. Jahrhunderts entwickeln wird. Es mag daher nicht verwundern, dass es mich als Wähler immer wieder zu jener Partei zog, die diese Gefahr als einzige nicht unter den Teppich kehrte sondern offen und ehrlich thematisierte. Auch andere Aspekte der grünen Bewegung, etwa ihr Mut zur Vielfalt und ihre im Grunde humanistische Ausrichtung und ihr stark verankertes Streben nach Tierschutz und speziesübergreifender Gerechtigkeit waren und sind mir immer noch sehr sympathisch.

Als ich im Jahr 2015 von einer fünf Monate langen Reise durch Indien und Nepal zurückkehrte und sich mein Lebensmittelpunkt nach langen Jahren in Innsbruck wieder nach Kufstein verschob, verspürte ich den Wunsch, mich kommunalpolitisch zu engagieren und auf diese Weise etwas zum Wohl meiner Heimatstadt beizutragen. Die Gemeinderatswahlen 2016 standen bevor. Allmählich formierten sich die Fraktionen – und natürlich wandte sich mein Blick in Richtung der Grünen. Wäre doch schön, wenn ich mich da einbringen könnte. Ich las mich also ein bisschen in die Vorhaben der Parteien ein und verfolgte die mediale Berichterstattung. Ich verfasste sogar eine E-Mail zur ersten Kontaktaufnahme mit den Kufsteiner Grünen. Doch dann wunderte ich mich sehr. Damals standen in Kufstein zwei Projekte kurz vor der Umsetzung. Beide waren in meinen Augen für unsere Stadt gut, wichtig und voller Vorteile. Aber die Grünen waren dagegen.

Da war zum Einen das Kultur Quartier. Als Theatermacher hatte ich persönlich viele Jahre lang darunter gelitten, dass wir mit viel Herzblut und Engagement vorbereitete Stücke in unwürdigen, schlecht ausgestatteten Sälen spielen mussten; Sälen, in denen das Publikum im Winter fror und in denen es immer wieder von der Decke tropfte. Vielen Kulturvereinen ging es ähnlich. Jahrelang waren die Wünsche nach einem geeigneten Veranstaltungszentrum ungehört geblieben. Nun endlich tat sich was. Endlich hatten viele Kulturschaffende die Aussicht auf ein schöne, zentral gelegene Veranstaltungssäle. Man spürte regelrecht die Vorfreude. Aber die Grünen stimmten dagegen (Gemeinderat am 18.11.2015). Es freut mich sehr, dass viele ihrer Vertreter:innen auf Landes- und Gemeindeebene inzwischen regelmäßig Theaterstücke und Vorträge im Kultur Quartier besuchen. Ich hoffe, sie denken dabei hin und wieder daran, dass es diese Veranstaltungszentrum nicht gäbe, wenn sie damals ihren Willen durchgesetzt hätten.

Ein anderes Thema im Wahlkampf 2016 und in den Jahren davor war die International School (ISK), welche sich nicht nur durch die Unterrichtssprache Englisch auszeichnet, sondern auch dadurch, dass ihre Schülerinnen und Schüler mit dem International Baccalaureate (IB) abschließen, einem ganz besonderen Lehrgang, der weltweit in vielen verschiedenen Ländern angeboten wird. Dessen Inhalte unterscheiden sich stark vom österreichischen Lehrplan. Insbesondere spielen kulturelle Vielfalt, Weltbürger:innentum, kritisches Denken, soziales Engagement, aber auch der Klimawandel im Lehrplan des IB eine viel bedeutendere Rolle als an anderen Schulen. Man müsste doch meinen, dass diese Inhalte stark mit der Weltanschauung der Grünen harmonieren. Wie dem auch sei, sie waren dagegen und sprachen sich insbesondere im Wahlkampf 2016 gegen die ISK aus. Warum nur? Hatten sie sich denn überhaupt im Detail mit den Inhalten des IB-Lehrplans beschäftigt? Aus der Aussage des damaligen Spitzenkandidaten „Ich bin halt gern dagegen.“ wurde ich auch nicht unbedingt schlauer.

Dies war also die Lage in jenem Herbst 2015. Ich wollte mich kommunalpolitisch engagieren, musste aber feststellen, dass jene Partei, die ich eigentlich unterstützen wollte, aus unerklärlichen Gründen gegen Projekte war, dich ich für Kufstein als sehr richtig und wichtig empfand. Mit meiner Verwunderung war ich wohl nicht allein. Ich kann mir gut vorstellen, dass damals viele potentielle Grünwähler:innen von dieser Ablehnung großartiger Projekte vergrault wurden.

Mein schon verfasstes E-Mail mit einer kurzen Vorstellung meinerseits und dem Wunsch mitzumachen wurde dennoch abgeschickt – allerdings nicht an die Grünen, sondern an Martin Krumschnabel und die Parteifreien. Wenige Monate später zog ich mit Listenplatz 9 in den Gemeinderat ein, wurde Kulturreferent und bekam die Gelegenheit, Kufstein sechs schöne Jahre lang mitzugestalten.

Meine Entscheidung, zu den Parteifreien zu gehen, habe ich nie bereut. Immer wieder wurde ich vom Verlauf der Begebenheiten darin bestätigt, dass dies die richtige Entscheidung war. Die Parteifreien sind weltoffen und tolerant, lösungsorientiert und sachlich. Ihre Expertise in Sachen Klimaschutz ist groß. Ihre Bereitschaft, Dinge zu verändern, war immer gegeben. Ich fühle mir hier nach wie vor sehr wohl. Viel ist passiert. Viele Projekte wurden umgesetzt. Doch davon steht an anderer Stelle geschrieben. Hier möchte ich noch ein bisschen über die Kufsteiner Grünen sprechen und mich an ein paar kuriose Episoden erinnern.

Etwa daran, wie sich die Grünen mit der damaligen Fraktion FPÖ/GKL zusammentaten, um die Umgestaltung des Stadtparks zu verhindern. Transparente wurden aufgehängt, eine blaugrüne Unterschriftenaktionen wurde gestartet. All dies geschah mit dem populistische Slogan „Rettet den Stadtpark“, welcher fälschlich suggerierte, dass andere den Park wohl ganz abschaffen wollten. Mit der Ablehnung des neuen Stadtparks sprach man sich gleichzeitig auch gegen die Errichtung der neuen Stadt-Bibliolthek KuBi und die darüberliegenden Start-up Büros aus. Heute erfreut sich der neue Stadtpark großer Beliebtheit. Mit einer reicheren, üppigeren Flora als zuvor wird wohl auch sein ökologischer Fußabdruck mit der zwar größeren aber doch recht kargen Wiesenfläche von früher mithalten können.

Ich erinnere mich auch an manche Aussagen und Stellungnahmen, die ich ungerecht und unwürdig fand. Als das Flüchtlingslager in Moria brannte und sich unser Bürgermeister in seiner Weihnachtsbotschaft entgegen den Vorgaben der Bundesregierung klar für eine Aufnahme von Kindern aus Moria aussprach, wurde dies von grüner Seite als bloßes „Lippenbekenntnis“ bezeichnet anstatt einen Schulterschluss für die gute Sache zu suchen. Als später im Gemeinderat von Seiten der freien Abgeordneten B. Obermüller eine Reihe von Anschuldigungen gegen die Stadtwerke und gegen den Bürgermeister in Sachen Kaisertal erhoben wurden, die sich letztlich als haltlos erwiesen haben, sprangen die Grünen auf den rollenden Wagen der Empörung mit auf. Der anklagende, scharfe Ton, der damals gewählt wurde, um städtische Institutionen und Vertreter in Misskredit  zu bringen, war alles andere als fair und hat dem Klima im Gemeinderat dauerhaft geschadet.

Kurios fand ich auch, wie die Grünen im April2021 gemeinsam mit den konservativen Parteien erfolgreich eine Begegnungszone auf der Stadtbrücke verhindert haben (Videolink). Grüne, die Begegnungszonen verhindern – so etwas gibt es wohl auch nur in Kufstein.

Rätselhaft erscheint mir auch die Positionierung der Grünen zum Thema Licht Festival auf der Burg. Diese Veranstaltung verbraucht nachweislich weniger Strom, als die herkömmliche Festungsbeleuchtung, die ja während dem Festival abgeschaltet wurde. Auch spielen in der von der Burg erzählten Geschichte die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel eine bedeutende Rolle. Dass dieses Projekt mit Unterstützung der konservativen und rechten Parteien und gegen den Widerstand der vermeintlich progressiven Grünen und NEOS umgesetzt werden konnte, gehört wohl zu den bizarrsten und ernüchterndsten Erlebnissen meiner kommunalpolitischen Laufbahn.

In ihrem jüngsten Wahlvideo wird als allererstes gesagt, dass  es mit den Grünen in Kufstein „keine teuren Prestigeprojekte“ mehr geben wird. Dieses Vorhaben reiht sich sehr gut in die bisher genannten Beispiele ein und zeigt, dass die Kufsteiner Grünen auch in Zukunft vorhaben, vorrangig als Verhinderer:innen aufzutreten. Fakt ist, dass sich Kufsteins Schuldenstand in den letzten 12 Jahren inflationsbereinigt nicht erhöht hat. Wenn man damit also keine Schulden macht – und die Projekte noch dazu ökologisch nachhaltig umsetzbar sind – bin ich entschieden dafür, solche Prestigeprojekte auch weiterhin stattfinden zu lassen. Denn sie machen diese Stadt nicht nur überregional bekannter und beliebter – sie machen sie auch schöner und lebenswerter. Sie holen viele Besucher:innen in unsere Stadt, die wiederum die Wirtschaft ankurbeln. Ohne solche Projekte, ohne KUFSTEIN unlimited, Operettensommer, Licht Festival, Weinfest, Silent Cinema etc. wäre Kufstein wohl ein tristerer Ort. Ohne Kultur Quartier, neuen Stadtpark und ISK wohl auch.

Kurzum: In Kufstein gibt es eine Fraktion, die sich gegen Kultur- und Bildungsprojekte ausspricht (Kultur Quartier und ISK), die gemeinsam mit der FPÖ Unterschriftenlisten mit populistischen Slogans (Rettet den Stadtpark) initiiert, die Begegnungszonen verhindert und gegen Projekte stimmt, die Bewusstseinsbildung in Sachen Klimawandel betreiben und vielen Menschen Freude machen (Lichtfestival); eine Fraktion, die viel zu oft Parteipolitik statt Sachpolitik betreibt und um des Dagegen-sein willens dagegen ist. Leider sind es die Grünen. Auch wenn ich auf Landes- und Bundesebene immer noch große Sympathien hege, auf kommunaler Ebene muss ich einfach nur wundern. Schade eigentlich.

Werde ich nach diesem Text nun auch noch acht weitere Texte mit den Titeln „Warum ich nicht bei ____* bin“ (*setze eine beliebige in Kufstein antretende Partei ein) schreiben? Nein, denn Unterscheidung sollte vor allem da erleichtert werden, wo sie ohne Erläuterung schwer fallen würde. Wer mich gut kennt, wird leicht zum Schluss kommen, dass meine Differenzen mit allen anderen um Einiges größer sind als meine Differenzen mit den Kufsteiner Grünen. Denn bei aller Kritik möchte ich als versöhnliches Schlusswort festhalten, dass ich auf gute Zusammenarbeit hoffe, die von mehr Konstruktivität geprägt ist als bisher. Denn unser Hauptziel ist ja doch dasselbe.

Warum ich Kommunal-Politiker bin
(Ein paar Beweggründe)

Politik in action (Videos aus dem Gemeinderat)

Wie man eine Perle findet (ein Ideen-Buch)

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Politisches Wirken
(Was ich
erreicht habe)

Gedanken zur Gemeinderatswahl 2022

Stadtmagazin-Beiträge (2016-22)