8. Globaler Klimastreik

In Sachen Klimaschutz geschieht leider immer noch viel zu wenig. Gemeinsam mit über 2000 Menschen demonstrierten wir deshalb am 24.9.21 in Salzburg für ein globales Umdenken in Sachen Klimawandel. Schön, dass in so vielen Städten der Welt so viele Menschen – jung und alt – an diesem Tag gemeinsam auf die Straße gingen und dieselbe Botschaft verbreiteten. Doch leider haben immer noch zu wenige begriffen, wie ernst die Lage ist. Dabei spricht die Wissenschaft hier eine ganz klare Sprache. Deshalb: Listen to the Science!

Thukydides: Der peloponnesische Krieg

Im Winter des Jahres 424 vor unser Zeit scheitert der athenische Feldherr Thukydides an der Aufgabe, die thrakische Stadt Amphipolis vor der Eroberung durch die Spartaner zu bewahren. Als Strafe wird er aus Athen verbannt und verbringt 20 Jahre im Exil. Anstatt Krieg zu führen, wählt er sich eine neue Lebensaufgabe: Er schreibt eine Chronik des Peloponnesischen Kriegs, welcher 27 lange Jahre währte.

Auch vor Thukydides gab es Historiker. Doch keiner noch recherchierte so gründlich. Keiner noch bemühte sich um einen so hohen Grad an Objektivität. Keiner noch verstand es wie er, Mythologie von Geschichte zu trennen und sich ganz auf die Taten der Menschen im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Mit scharfer Beobachtungsgabe und erstaunlicher Analytik erzählt Thukydides von Krieg und Frieden, von Seuche und Politik, von Belagerung und Massaker. In seinem Werk erwachen einstige Führer und Feldherren wieder zum Leben. Ihr Handeln und Herrschen wird uns auch durch zahlreiche überlieferte Reden verständlich gemacht.

So lesen wir denn nun, fast zweieinhalb Jahrtausende später, vom weisen Stadtstaatenlenker Perikles, der wie kein anderer den Aufstieg Athens mitgestaltete und schließlich an der attischen Seuche, die Thukydides selbst überlebte, verstarb. Wir lesen vom Wahnsinn des erfolglosen Sizilien-Feldzugs der Athener, welcher in der Vernichtung der halben Streitmacht endete. Wir lesen von der furchtbaren Krankheit, die zehntausende dahinraffte und deren Ursprung immer noch im Dunklen liegt. Beide kriegstreibenden Mächte – Athen und Sparta – machten sich schuldig, indem sie teils wehrlose Verbündete der jeweils anderen – aber auch neutrale Städte – massakrierten. Die Belagerung und Zerstörung Plataias durch die Spartaner und Thebaner, sowie der Melierdialog und die anschließende Vernichtung der Inselbevölkerung durch die Athener sind dafür eindrucksvolle Beispiele. Hitzig wird in Athen debattiert, ob denn auch die Bevölkerung Mytilenes auf Lesbos aus Strafe getötet werden muss. Ein Schiff mit dem Todesurteil Tausender ist schon unterwegs. Doch dann beruft man in Athen eine neue Versammlung der Bürger ein und widerruft das grausame Urteil. Ein zweites Schiff macht sich auf den Weg und kommt gerade noch rechtzeitig an, um das Leben vieler zu retten. Spannung pur.

Auch die Eroberungszüge der tapferen Feldherren Brasidas auf Seiten der Spartaner, sowie Phormion oder Demosthenes auf Seiten der Athener werden vom Autor detailreich und nachvollziehbar vor Augen geführt, inklusive Siege und Niederlagen auf beiden Seiten. Besonders eindrucksvoll ist auch der Brief des Nikias, der einen Krieg in Sizilien führen musste, den er nie wollte. Seine Truppen sind vor Syrakus umzingelt. Er selbst ist nierenkrank. So fleht er die Heimat um Hilfe an. Man möge ihn und seine Truppe da rausholen oder Verstärkung schicken. Demosthenes eilt zu Hilfe. Sie verlieren dennoch und werden beide erschlagen, während die überlebenden Athener in den Steinbrüchen von Syrakus zu Grund gehen.

Neben manch untadeligen „Helden“ und manch zweifelhaften Gestalten mit durchwachsenem Lebenslauf, erzählt Thukydides auch von mehreren Personen, die man wohl klar als die Schurken dieses sinnloses Krieges bezeichnen kann. Der Hetzer und Hardliner Kleon sowie der Opportunist Alkibiades, der mehrmals die Seiten wechselt und auch mit den Persern paktierte, gehören in diese Kategorie.

Das faszinierendste and diesem Geschichtswerk ist wohl, dass uns vieles darin so bekannt vorkommt. Der Mensch bleibt sich selbst doch gleich. Und in manch Ereignis, manch Rede, erkennen wir Vertrautes der jüngeren Geschichte wieder. Die Begeisterung der jungen Athena für den Sizilien-Feldzug etwa, erinnert stark an die Euphorie zu Beginn des ersten Weltkriegs. Manch Scharfmacher-Rede Kleons ist nicht unähnlich der Rhetorik eines Rumsfeld oder Cheney. Auch für Alkibiades mag einem manch Pendant der Gegenwart einfallen. Thukydides selbst war diese Überzeitlichkeit durchaus bewusst. So schreib er: „Wer aber klare Erkenntnis des Vergangenen erstrebt und damit auch des Künftigen, das wieder einmal nach der menschlichen Natur so oder ähnlich eintreten wird, der wird mein Werk für nützlich halten und das soll mir genügen. Als Besitz für immer ist es aufgeschrieben.“

In der Tat kann man aus seinem Buch viele Lehren ziehen, die für manch Staatenlenker der Gegenwart von Nutzen sein können und uns deren Handeln erklärt und verständlich macht. Das politische Gespür des Thukydides und sein Aufzeigen und Deutlichmachen der zugrundeliegenden Strömungen menschlichen Handels sind einzigartig – etwa im Abschnitt „Die Pathologie des Krieges“, in seiner Analyse der Kriegsursachen, oder in der geschickten Gegenüberstellung von Reden und Gegenreden.

Letztlich scheitert Thukydides aber an seiner Mammutaufgabe. Das Werk ist unvollendet, bricht sechs Jahre vor Kriegsende einfach ab. Man möchte so gerne weiterlesen und das Ende der Geschichte hören … doch es ist nicht da. Obwohl der Autor die Kapitulation Athens im Jahre 404 v.u.Z. noch erlebte und sie in früheren Kapiteln schon antizipiert, reicht seine Chronik nicht bis dorthin. Was ist passiert? Starb er vor Vollendung seines Werkes and Krankheit? Wurde er, wie manche Quellen andeuten, ermordet? Man weiß es nicht. Am Ende muss man einfach froh darüber sein, dass dieses Werk – wenn auch unvollendet – die Jahrtausende überdauert hat und immer noch vermag, uns zu unterhalten und zu belehren. Mir jedenfalls war es ein wunderbares Lesevergnügen.

Noch ein paar Zitate:

„Große Feindschaften legt man, glauben wir, nicht damit bei, dass man nach Kampf und Sieg den Gegner durch erzwungene Eide auf ungleiche Bedingungen verpflichtet, sondern wenn man bei der Möglichkeit zu mildem Vorgehen den Feind auch durch Edelmut besiegt und ihm wider sein Erwarten einen maßvollen Vergleich anbietet.“

„So sorglos sind die meisten in der Erforschung der Wahrheit und halten sich lieber an das erste Beste.“

„Ehre [ist nur] ein blendendes Zauberwort“

„Es sind ja die Menschen gewohnt, was sie begehren, unbedachter Hoffnung anheimzustellen, was sie nicht an sich heranlassen wollen, mit selbstherrlicher Überlegung abzuweisen.“

„Das fernste wird bewundert und was nur äußerst selten durch eine Probe seinen Glanz erweist.“

„Wenn ich als Feind euch sehr geschadet habe, so werde ich euch als Freund reichlich nützen können.“

Stefan Zweig: Die Welt von Gestern

Ich habe noch keine Autobiographie gelesen, die ähnlich fasziniert und erschüttert wie Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“. Dabei will er gar nicht über sich selbst schreiben. Sein eigenes Leben wird in all seinen Höhen und Tiefen lediglich herangezogen, um die gewaltigen sozialen und politischen Umwälzungen deutlich zu machen, die sich zwischen Ende des neunzehnten und der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts ereigneten. Hinzu kommt Zweigs unvergleichliche Meisterschaft im Gebrauch der deutschen Sprache, die auch so viele seiner Erzählungen zum Leuchen bringt. Was für eine Reise durch die Jahrzehnte! Was für ein strammer Wind des unaufhaltsamen, oft grausamen Wandels!


Die Jugend in der Haupstadt des Habsburgerreiches, das künstlerische Leben in Frankreich und England, die Anfänge des Europäischen Gedankens, dessen Erschütterung durch den ersten Weltkrieg, die Mühen der Zwischenkriegszeit, die wiedergewonnene Freiheit, ihr abruptes Ende durch die Machtergreifung Hitlers, die triste Existenz als staatenloser Flüchtling – all dies erfuhr Zweig am eigenen Leib und schildert es in unvergleichlich frappierender Sprache. Dabei geht es ihm allerdings nicht nur um die politischen Umwälzungen. Auch der soziale und kulturelle Wandel, der sich zu seinen Lebzeiten vollzog, wird beleuchtet. Hinzu kommen Begegnungen und Gespräche mit vielen prägenden Figuren seiner Zeit, denen Zweig sehr viel Leben einzuhauchen vermag. Wie er gemeinsam mit Rilke durch Paris spaziert, mit Joyce in Zürich Tee trinkt, mit Rodin durch dessen Attelier geistert, mit Richard Strauß über Musik spricht, mit Theodor Herzl auf einer Parkbank in Wien sitzt, wie er zu Gast bei H.G.Wells dessen Disput mit G.B. Shaw belauscht, wie er zuletzt Freud vor dessen Tod besucht – all dies wirkt so lebendig, dass die Menschen hinter den Namen auf wundersame Weise sichtbar werden.


Das Ende ist gewiss ein Trauriges. Obwohl die letzten Lebensmonate fehlen, zeichnet sich in der Resignation des Autors schon fast sein Entschluss zum Freitod ab, den er 1942 wählte. Zu sehr peinigte ihn der Gedanke an alls das, was in Europa geschah. All die Toten. All die erloschenen Hoffnungen. All die vernichtete Kultur. Zweig hatte schon früh den Traum eines kulturell und künstlerisch vereinten, grenzenlosen Europas geträumt. 1942, da die Armeen Hitlers noch auf dem Vormarsch waren, lag diese Vision ferner denn ja. Man möchte Zweig so gerne zurufen: Warte doch noch ein wenig. Halte aus und sieh zu. Wie hätten ihn die Erklärung der Menschenrechte und die frühen Schritte in Richtung europäischer Vereinigung wohl gefreut.

Einges an dieser Autobiographie mutet aus heutiger Sicht doch auch sehr eigentümlich an. Etwa der Umstand, dass Zweig einige literarische Zeitgenossen aufs Genaueste bishin zu den Gesichtszügen beschreibt, seine erste und zweite Frau aber fast unerwähnt lässt. Irgendwann wird aus einem „Ich wohnte“ plötzlich ein „Wir wohnten“, ohne dass davor ein Wort über Kennenlernen und Hochzeit geschrieben wurde. Aber vielleicht wollten die Damen es so. Kritikwürdig ist gewiss das zu positive Licht, mit dem Zweig die Welt vor 1914 beschreibt. Dass jene Freiheiten und jener Wohlstand, den er preist, eben nur einer priviligierten Gesellschaftsschicht, der er selbst angehörte, zuteil wurde, scheint er zu übersehen.


Wie dem auch sei: „Die Welt von Gestern“ ist ein ungeheuer gutes Buch, in dem man sehr viel über europäische, deutsche und vor allem österreichische Geschichte lernen kann.

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W-Ding

Foto by Sylvia Größwang

Nach 8.5 gemeinsamen Jahren haben wir uns gedacht, dass so ein Ring auch recht schön ist. 😉

Außerdem ist so eine Hochzeit ein super Event, um jene zu unterstützen, mit denen es das Glück nicht so gut gemeint hat wie mit uns und damit die Welt ein bisschen besser zu machen. Fast €4000 für ein wichtiges Bildungsprojekt im Westen Nepals sind schon zusammengekommen. Vielleicht schließt sich ja noch jemand an. Würde uns sehr freuen und noch mehr nepalesischen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen.

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Nicola Gess: Halbwahrheiten

„Halbwahrheiten – Zur Manipulation von Wirklichkeit“ ist ein sehr schlau geschriebenes, wichtiges Büchlein, das manch verschrobene Auswüchse unserer seltsamen Gegenwart, in einem viel klareren Licht erscheinen lässt. Auf nur 100 Seiten – und in vielen aufschlussreißen Endnoten – ergründet die Autorin die Funktionsweise und Dynamik von Halbwahrheiten, die bei Populist:innen à la Donald Trump aber auch bei vielen Verschwörungtheoretiker:innen eine zentrale Rolle spielen.

Es ist faszinierend, wie manche diesbezüglichen Entwicklungen der letzten Jahre schon in der politischen Philosophie von Theodor W. Adorno und Hannah Arendt antizipiert wurde. Dies führt uns die Autorin in gut gewählten Zitaten vor Augen. Der Zusammenhang von Halbwahrheiten und Relativismus, die Rolle von Relativismus als Türöffner für Totalitarismus und die demokratiefeindliche Dynamik von Verschwörungstheorien werden ebenfalls erörtert. Donald Trump, aber auch die AfD liefern immer wieder anschauliche Beispiele für all dies. Auch die Begriffe des Postfaktischen und der anekdotischen Evidenz werden einer Analyse unterzogen. Im postfaktischen Diskurs zeigten sich die Anhänger von Halbwahrheiten immun gegen jeden Faktencheck. Entscheidend sei nur mehr die innere Kohärenz, nicht die Korrespondenz mit externen Sachverhalten. An die Stelle von Wissen und Beweisbarkeit treten Glauben und Glaubwürdigkeit.

Schließlich analysiert die Autorin noch drei konkrete Beispiele jüngster Vergangenheit und entlarvt die zentrale Rolle, die Halbwahrheiten darin spielen: den Fall Relotius, die Corona-Verschwörungstheorien von Ken Jebsen, und den Fall Tellkamp. Sehr aufschlussreich.

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Ödipus Rex


Kartenreservierung und mehr

Ödipus Rex ist eine fast zweieinhalb Jahrtausende alte Tragödie, die uns auch heute noch so viel zu geben vermag. Gerade jetzt. Denn beide Welten – die des Ödipus und die unsrige – werden von einer Seuche heimgesucht. Auch in diesem Stück leidet man unter großen gesellschaftlichen Umwälzungen. Man klagt über verlorene Freiheiten. Man sucht nach Menschen, denen man die Schuld in die Schuhe schieben kann. Vieles in diesem alten Text erinnert an die letzten Monate.

In diesem Sinne versucht meine Inszenierung die Brücke zur Gegenwart zu schlagen. Aber Ödipus ist weit mehr als die Geschichte einer Epidemie. Es ist zugleich ein emotionales Familiendrama und auch eine spannende Kriminalgeschichte – die Suche nach einem Mörder, dessen Verbrechen schon viele Jahre in der Vergangenheit liegt.

Als Freilichtproduktion am Festungsneuhof macht dieses Stück es möglich, sowohl auf der Bühne wie auch im Publikum alle nötigen Sicherheitsabstände einzuhalten und kein Risiko einzugehen. Es ist schön, wieder sicher ins Theater gehen zu dürfen – schöner noch, wenn die Geschichte, die dort erzählt so einen starken Bezug zu unserer eigenen Gefühlswelt in dieser seltsamen Gegenwart aufweist.

Eigentlich wäre ja die Wiederaufnahme des „Jedermann“ auf dem Programm gestanden. Doch zu groß wäre das Ensemble, zu eng und zu innig das Geschehen auf der Bühne. Des Weiteren würde das frühe, verpflichtende Ende der Aufführung um 22.00 Uhr sämtliche Lichteffekte zunichtemachen. Doch wenn A nicht geht, dann macht das Stadttheater Kufstein eben B. Freuen Sie sich also auf die ungeheuer spannende Geschichte des Königs Ödipus.

Es spielen: Klaus Schneider, Hildegard Reitberger, Franz Osl, Maria Kaindl, Elisabeth König, Anja Widmoser, Martin Heis und Reinhard Exenberger

Idee und Regie: Klaus Reitberger

Die Bilder:

Die Broschüre:

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Kufsteiner Nachtgespräche

Seit 2017 lädt die Stadt Kufstein mehrmals jährlich zum Kufsteiner Nachtgespräch. Expert:innen referieren zu brandaktuellen Themen. Im Anschluss folgt eine rege Diskussion. Es war mir stets eine Freude diese Vortragsreihe zu kuratieren und die jeweiligen Referent:innen auszuwählen.

27 Natalie Amiri: Der Iran – zwischen verbotenen Partys und US-Sanktionen

Warum riskiert man beim Tragen einer vermeintlich zu kurzen Hose eine Strafe und warum reist man trotz eindringlicher Warnungen immer wieder in den Iran?

Als eine der wenigen deutschen Journalistinnen kennt Natalie Amiri den Iran detailreich und genau. Aufgewachsen in einer deutsch-iranischen Familie, begann sie 2007 für das ARD-Büro in Teheran zu arbeiten. Im Mai 2020 wurde sie vom Auswärtigen Amt gewarnt, nicht mehr in den Iran einzureisen und musste daher die Leitung des Teheraner Fernsehstudios abgeben.

„Ich möchte den Menschen in der Iranischen Republik eine Stimme geben. Es ist, als ob das Leben dort schwerer und vielleicht gerade deshalb intensiver sei. Darum sehe ich es auch als meine Aufgabe, immer wieder daran zu erinnern, dass Freiheit und Frieden für uns zwar normal geworden sind, doch dass wir nie vergessen dürfen, dies zu schätzen!“

26 Gerald Knaus: Wir und die Flüchtlinge

Bei größeren Fluchtbewegungen in Europa wird immer wieder die Frage aufgeworfen: Gefährdet irreguläre Migration die Demokratie?

Messerscharf zeigt Gerald Knaus auf, wie sehr Wahrnehmung und Wirklichkeit beim Thema Flucht und Migration auseinanderklaffen. Seine Bestandsaufnahme legt die schonungslose Wahrheit offen.
Die fundiert recherchierte Analyse des Migrationsexperten führt zu erstaunlichen Befunden – und macht Hoffnung: Eine überzeugende und umsetzbare Strategie humaner Kontrolle der Grenzen ist möglich.
Knaus beleuchtet schonungslos die aktuellen Politik. An den EU-Außengrenzen wird täglich das Recht von Flüchtlingen gebrochen. Menschen ertrinken im Mittelmeer und werden an den Grenzen von Staatsorganen wie Polizist:innen und Soldat:innen misshandelt.
Gerald Knaus war Gründungsdirektor der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI), studierte Philosophie, Politik und Internationale Beziehungen in Oxford, Brüssel und Bologna, war Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und Associate Fellow am Carr Center for Human Rights Policy der Harvard University’s John F. Kennedy School of Government. 2020 erschien im Piper-Verlag sein Spiegel-Bestseller „Welche Grenzen brauchen wir?“.

25 Erwin Markowsky: www – Einblicke in die Welt der Cyberkriminalität

Wir alle sind potenzielle Opfer in dieser vernetzten Welt. Nach diesem spannenden, humorvollen Abend werden Sie Ihr Smartphone, Ihren Laptop oder Ihr Tablet mit anderen Augen sehen.

Sein Fachwissen und die umfangreichen Kenntnisse hat sich Erwin Markowsky in seinen rund 25 Jahren Erfahrung in der Telekommunikationsbranche angeeignet. Als Experte im Umgang mit Smartphones und dem Internet gibt er informative Einblicke in deren Angreifbarkeit.

Sind hunderte Augenpaare auf ihn gerichtet, ist er in seinem Element. Dann dreht er richtig auf. Markowsky ist Profihacker und zeigt live auf der Bühne, wie einfach Smartphones und Computer manipuliert werden können. Er begeistert und schockiert sein Publikum zugleich.

Nur wer die Gefahren kennt, kann sich vor ihnen schützen. Markowsky weiß genau, wie er sein Publikum fesselt. Ob Jung oder Alt, Jugendliche, Erwachsene, Angestellte – mit passenden Beispielen aus dem Alltag erreicht er jede Zielgruppe. Der Münchner überzeugt mit Fachwissen und jeder Menge Humor.

24 Pascal Violo: Hoffnung und Elend an den Rändern Europas

In der neuen Live-Reportage „Karawane der Menschlichkeit“ gibt der Reisefotograf Pascal Violo erstmals Einblicke in seine ehrenamtliche Arbeit als Helfer in unterschiedlichen Flüchtlingscamps an den Rändern Europas.

Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingscamp Moria auf der Insel Lesbos folgte der Reisefotograf Pascal Violo seinem Impuls, den notleidenden Menschen dort zu helfen. Das war die Geburtsstunde des Vereins Karawane der Menschlichkeit.

Drei Wirkungssäulen prägen die Karawane: Den notleidenden Menschen wird durch Geldspenden, Hilfsgüter und Lebensfreude geholfen. Das Hilfsteam vor Ort wird meist von professionellen Clowns, Akrobat:innen und Künstler:innen begleitet. Es entstehen wunderschöne Begegnungen. Mit dem gespendeten Geld werden lokale Projekte unterstützt und dringend benötigte Hilfsgüter vor Ort eingekauft.

23 Lois Hechenblaikner: Die dunkle Seite des alpinen Massentourismus

Unter den Tiroler Touristikern ist er für viele „persona non grata“. Mit seinem scharfen, detailverliebten Blick wirft er so manche Fragen auf, sucht aber auch den Dialog zwischen der unberührten Natur einerseits und den Auswüchsen des Berg- und Skitourismus auf der anderen Seite.
Den gelernten KFZ-Elektriker brachten verschiedene Fernreisen zur Fotografie. Mit den Ergebnissen gestaltete er Dia-Multivisionsschauen und ging damit auf Tournee. Seit Mitte der 1990er Jahre widmet er sich Motiven des Tiroler Fremdenverkehrs sowie der volkstümlichen Unterhaltung und polarisiert durch einen ungeschönten Blick auf Massentourismus und Großveranstaltungen. Er thematisiert aber auch die zunehmende „Ballermannisierung“ von Orten, die einst als Reiseziele für Sportler und Erholungssuchende bekannt waren. Der Grat zwischen Gastfreundschaft und dem Verkauf der eigenen Identität ist schmal, das war Lois Hechenblaikner klar, und er wird nicht müde, dies zu betonen.

Zahlreiche Publikationen bestätigen seine Ansichten und bringen in den Vordergrund, was sich meist hinter den Kulissen im Tourismusland Tirol, auf der „Hinterbühne“, versteckt hält.

22 Rudi Anschober: Rundum Krisen

Rudolf Anschober kennt sich mit Krisen aus. Er war zu jener Zeit Gesundheitsminister als eine der größten Krisen unserer jüngeren Geschichte über uns hereinbrach, nämlich die Corona – Pandemie. Doch auch privat hatte Rudi Anschober schon die eine oder andere Krise zu bewältigen. Im Gefolge der Pandemie erschüttern neue Krisen die Welt: Krieg in Europa, Klimawandel, Energiekrise, etc. So unterschiedlich sie auch sein mögen, haben all diese Krisen doch eines gemein: Sie geben uns die Möglichkeit aus ihnen zu lernen. Welche Lösungen, welche Perspektiven gibt es? Das sind die Fragen, die in akuten Krisensituationen beantwortet werden müssen. Wie könnten Antworten darauf lauten?

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21 Ingrid Brodnig: Hass im Netz

Die mit mehreren Preisen ausgezeichnete „Profil“-Journalistin und Buchautorin Mag. (FH) Ingrid Brodnig spricht über den Umgang mit Falschaussagen und Halbwahrheiten im Internet. „Mythen, Halbwahrheit, Hassreden“, der tägliche Umgang in den (un)sozialen Medien, Rückschlüsse ohne nötige Recherche… und täglich grüßt das „Schwurbler“-tier. Wie blicken wir noch durch, durch den Nebel der Unwahrheiten? Mag. (FH) Ingrid Brodnig, studierte Journalistin und Unternehmenskommunikatorin, mehrfach ausgezeichnete Buchautorin, „Falter“- und „Profil“- Kolumnistin kennt sich aus mit den Un- und Halbwahrheiten im Netz, welche mitunter auch zu zerbrechenden Freundschaften und innerfamiliären Krisen führen. In ihrer unnachahmlichen, humorvollen Art referiert und informiert Brodnig über Erfahrungen, Anfeindungen und den täglichen Umgang mit vermeintlichen Besserwisser:innen im Netz. (Um) triebe auf den 1. Klick, denn „Vertrauen ist gut, Recherche ist besser“.

20 Herbert Bauer: Die Lage in der Ukraine

Der völkerrechtswidrige Ukrainekrieg, der großteils gegen die Zivilbevölkerung geführt wird, geht mit vielen Einzelschicksalen einher, die tiefgreifende emotionale Betroffenheit auslösen. Vor Kurzem noch schien es unvorstellbar, dass innerhalb Europas zehntausende Menschen ihre Heimat verlieren, Hunger und Kälte leiden und um ihre in Massengräbern verscharrten Angehörigen trauern.

In seinen fast 50 Jahren Berufserfahrung beim Österreichischen Bundesheer diente Generalmajor i.R. Herbert Bauer unter anderem in Afghanistan, Syrien, Malawi, im Kosovo und in der Türkei. Als Militärdiplomat war er auch bei Abrüstungsverhandlungen in Genf vertreten. Am 11. Januar 2023 wird er dem Kufsteiner Publikum mit eindrucksstarken Bildern und erstaunlichen Fakten die militärische und sicherheitspolitische Lage in der Ukraine erläutern.

Herbert Bauer geht vor allem der Frage nach, wie nahe wir vor einem Atomkrieg stehen, was die Teilmobilmachung Russlands bedeutet und wer von den Lecks der Nord-Stream-Gaspipelines profitieren könnte.

19 Martin Prein: Letzte Hilfe Kurs

Wie wir auch einen „Erste Hilfe Kurs“ nicht erst dann machen können, wenn der Unfall bereits stattgefunden hat, so ist auch der „Letzte Hilfe Kurs“ als Vorbereitung zu verstehen, wenn wir selbst einmal von einem Todesfall betroffen sind, aber auch, wenn unsere Mitmenschen einen schweren Verlust zu betrauern haben. Wie begegnet man Trauernden? Was soll man sagen? Was tun?
Der Vortragende Dr. Prein nimmt uns mit seinem großen Erfahrungsschatz auf eine praxisnahe und aufschlussreiche Reise mit. Im „Letzte Hilfe Kurs“ geht er auf die mit dem Tod verbundenen Tabus ein, spricht über den Trauerprozess, die Begegnung mit trauernden Mitmenschen und auch über die Wertschätzung der eigenen Unsicherheit und den eigenen Bedürfnissen gegenüber, wenn es um das Sterben geht.
Selten wird das Thema Tod so authentisch, berührend und mit so viel Leichtigkeit behandelt wie von Dr. Prein.

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18 Podiumsdiskussion: Der Name der Orgel

Seit über 90 Jahren klingt sie von der Festung – die Heldenorgel. Eine mögliche Umbenennung der Orgel hat in Kufstein eine emotionsgeladene Debatte in der Bevölkerung ausgelöst. Dieses Nachtgespräch soll einen Beitrag dazu leisten, die Geschichte der Orgel genauer zu verstehen und einen Weg aufzeigen, wie beide Seiten aufeinander zugehen könnten.
Franz Gratl vom Tiroler Landesmuseum und Matthias Breit vom Gemeindemuseum Absam haben in den letzten Jahren schon öfter darauf hingewiesen, dass eine Aufarbeitung der Geschichte der Heldenorgel samt Umbenennung notwendig wäre. In dieser Podiumsdiskussion treffen sie auf Martin Nagiller, Obmann des Fremdenführervereins im Tiroler Unterland und auf Georg Hetzenauer, ehemaliger Kulturreferent Kufsteins und Admin der Facebook-Gruppe „Wir Kufsteiner“ – beide Kritiker und Gegner der geforderten Maßnahmen.
Für Spannung ist gesorgt. Wer hat die besseren Argumente? Können sich beide Seiten auf einen möglichen Kompromiss einigen? Kann eine Seite die andere überzeugen?
Seien Sie dabei und machen Sie sich selbst ein Bild! Im Laufe der Diskussion kann sich auch das Publikum mit Fragen und kurzen Statements einbringen.

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17 Karim El-Gawahry: Repression & Rebellion

Mit seinem Impulsvortrag „Repression und Rebellion“ zeichnet El-Gawhary nach, wie
Veränderungen im Nahen Osten blockiert werden und wie der Kampf um Einfluss weitergeht.
Der leidenschaftliche Erzähler Karim El-Gawhary, der seit 1991 als Auslandskorrespondent –
für Printmedien, Radio und Fernsehen – aus dem Nahen und Mittleren Osten berichtet, ist mit
über 200.000 Followern auf Twitter auch ein reichweitenstarker Influencer. Als Vermittler
zwischen der arabischen und deutsch-österreichischen Kultur ist er nicht nur Leiter des ORFNahostbüros, sondern liefert als erfolgreicher Buchautor auch wertvolle Einblicke über
Menschen, Gesellschaft und Kultur in der arabischen Welt

16 Marc Friedrich: Bedingungsloses Grundeinkommen

Der ausgewiesene Finanzexperte, Bestseller-Autor und gefragte Redner Marc Friedrich sieht die spätkapitalistische Wirtschaftsordnung und genauso die politische Landschaft in Europa als völlig aus dem Lot geraten an: Immer mehr Menschen haben das Gefühl nur noch für den Staat zu schuften und fühlen sich benachteiligt. Eine winzige globale Finanzelite produziert inzwischen gigantische Blasen illusionären Reichtums, während die Politik tatenlos zuschaut. Marc Friedrich zeigt auf, warum die EU und der Euro scheitern werden. Warum wir künftig nicht Leistung, sondern Konsum besteuern müssen. Und warum ein Bedingungsloses Grundeinkommen, Gemeingüter und eine strikte Finanzregulierung sozial gerecht und ökonomisch vernünftig sind.

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15 Gabriele Kompatscher-Gufler: Die Beziehung von Mensch und Tier

Die Human-Animal Studies betrachten die Beziehung von Mensch und Tier: Einmal unterworfen und aufgegessen, dann wieder umsorgt und sogar bekocht, werden die Tiere vom Menschen sehr unterschiedlich behandelt. Im Lauf der Jahrhunderte war die Mensch-Tier-Beziehung immer wieder Gegenstand philosophischer und wissenschaftlicher Betrachtungen. In der westlichen Kultur neigt man dazu eine deutliche Grenze zwischen Mensch und Tier zu ziehen, um die Unterwerfung der (Nutz-)Tiere zu rechtfertigen.
Gabriela Kompatscher-Gufler widmet sich in ihrer Forschung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck den Human-Animal Studies, einem interdisziplinären Forschungsgebiet, das die Beziehung von Mensch und Tier ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Die Tiere werden nicht als Objekte gesehen, sondern als Subjekte: Als Individuen besitzen sie einen intrinsischen Wert, der in ihnen selbst liegt und nicht durch den Menschen bestimmt wird. So tragen die Human-Animal Studies zu einer Verbesserung des Verhältnisses von Mensch und Tier bei.

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14 Marie-Luisa Frick: Menschenrechte zur Zeit der Pandemie

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, so formulierten es die SchöpferInnen der Universal Declaration of Human Rights (UDHR) vor 73 Jahren. Doch was bedeutet das und was folgt daraus? Müssen alle Menschen gleich behandelt werden? Immer, überall und von allen? Welches Verhalten verletzt die Menschenwürde anderer und welches (noch) nicht? Wozu genau verpflichtet die Idee der Menschenrechte Individuen, was fordern Menschenrechte von Staaten? Welche Menschenrechte gibt es oder soll es geben und sind sie alle gleich wichtig? Scheinbar Selbstverständliches wird fraglich, wenn die Philosophie Menschenrechte in den Blick nimmt. Sie lädt dazu ein, das Projekt universaler Menschenrechte jenseits von Phrasen und Dogmen eigenständig durchzudenken, um damit eine Vielzahl gegenwärtiger Probleme besser zu verstehen.

Assoz.Prof. PD Dr. Marie-Luisa Frick
Institut für Philosophie, Universität Innsbruck

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13 Katharina Rogenhofer: Ändert sich nichts, ändert sich alles

Sie ist Klimaaktivistin und das Gesicht der österreichischen ‚Fridays-for-Future‘
Bewegung: Katharina Rogenhofer kennt die Zusammenhänge von Ökologie,
Ökonomie und Politik – gerade in Zeiten der Pandemie – und weiß diese
einfach, aber nie vereinfachend zu erklären. So erweitert sie das Klimawissen
der KufsteinerInnen.

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12 Andre Wolf: Fakenews & Social Media

Social Media, Manipulationen & Falschmeldungen: Wie sie funktionieren und welche Gefahren für Gesellschaft und Demokratie entstehen können. Die Massentauglichkeit des Internets hat dazu geführt, dass Informationen aller Art jederzeit abrufbar sind. Gleichzeitig hat Social Media dazu geführt, dass wir alle zu Sendern geworden sind. Daraus ergeben sich völlig neue Anforderungen an den Informationskonsum, denn nicht nur jeder kann senden, sondern auch gefühlt alles kann gesendet werden.

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11 Georg Kaser: Weltklima und Klimapolitk

Der menschgemachte Klimawandel hat begonnen und das Klimasystem erwärmt sich schnell weiter. In Paris haben die Regierungen der Staatengemeinschaft beschlossen, die Erwärmung auf maximal 2°C über dem vorindustriellen Wert zu begrenzen, möglichst 1,5°C nicht zu überschreiten. Der Vortrag von Georg Kaser versucht, das Spannungsfeld zwischen Forschungsergebnissen und politischer Realität verständlich zu machen und Wege zum Handeln aufzuzeigen.

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10 Hanno Settele: Four more years?

Gespaltenes Amerika. Republikaner gegen Demokraten. Konservative gegen Weltoffene.
Trump gegen den Rest der Welt. Während der amtierende Präsident von der Vollendung einer Mauer und einer weiteren Amtszeit träumt, sehnen sich die anderen nach einem Neustart.
Und mitten drin: die Klimakrise. Und noch dazu: Corona.
Es sind stürmische Zeiten, in der sich die Weltmacht befindet und die ihr noch bevorstehen. Zeitpunkt der Beruhigung: nicht absehbar. Ergebnis der kommenden Wahl: ungewiss.

9 Das Ende der Vielfalt

Rund eine Million Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht und das Tempo der Vernichtung nimmt weiter Fahrt auf. Zwar ist die Betroffenheit nach den neuesten Zahlen groß. Und noch größer ist die Trauer und die mediale Aufregung, wenn der weiße Flussdelphin in China oder das Sumatra-Nashorn in Asien verschwinden. Doch diese Arten sind nur die Spitze des Eisberges. Der Teufel steckt im Detail der menschlichen Existenz.

8 Unsere Zukunft im Weltall

Die Mondlandung von Apollo 11 jährte sich eben zum fünfzigsten Mal. Aber wie viel ist geblieben von der einstigen Euphorie für das Weltall, die damals fast die ganze Menschheit erfasste? Wenig. Man blickt nur mehr selten hinaus zu den Sternen. Das Genre der Science-Fiction ist unpopulärer geworden. Die Reise zum Mars wird ständig weiter in die Ferne geschoben. Der Mensch ist momentan zu sehr beschäftigt mit irdischen Problemen und hat nur mehr wenig Zeit, um von stellaren Weiten zu träumen.

7 Das revisionistische Russland

Russland zielt auf eine Änderung der regionalen Sicherheitsordnung Europas und will in der internationalen Ordnung größeren Stellenwert und Einfluss erhalten. Was sind die Beweggründe für die aggressivere russische Außenpolitik? Was sind die unterschiedlichen Narrative Russlands und des Westens über die Entwicklungen nach 1991? Wie mächtig ist die Großmacht Russland und wo liegen ihre Schwächen? Wie wird sich das Verhältnis zur EU, zur USA und zu China in den nächsten Jahren entwickeln? Wie umgehen mit diesem Russland? Darauf will der Vortrag Antworten geben.

6 Selbstbestimmung am Lebensende

„Die Wissenschaft sitzt in Österreich in einem Elfenbeinturm“, sagt Dr. Christiane Druml, die seit 2007 die Bioethikkommission beim Wiener Bundeskanzleramt leitet. „Wissenschaft sollte öffentlicher sein. Die Position des Wissenschafters ist zu wenig anerkannt“. Deshalb ist es das Hauptanliegen der Juristin, die sich einen ausgezeichneten Ruf als Expertin für Ethik im medizinischen Bereich erworben hat, öffentliche Debatten über die brennenden Fragen an der Schnittstelle von Vertretbarkeit und Machbarkeit zu initiieren.

5 #KILL GAFA!

Der digitale Wandel ist in aller Munde, aber nicht immer in berufenem. Allzu oft wollen Dilettanten und Schwätzer erklären, was sie selbst nur halb verstehen. Bei Tim Cole ist das anders. Der seit 40 Jahren in Deutschland und neuerdings im Salzburger Lungau lebende Amerikaner war Mitte der 90er-Jahre der erste Blogger in deutscher Sprache und gilt als der Internet-Pionier der ersten Stunde im deutschsprachigen Raum. Als Kolumnist bei „Capital“, „Süddeutsche Zeitung“ oder „Die Welt“, als Bestsellerautor, Keynote-Speaker und Moderator und als fixe Größe auf Twitter, Facebook und YouTube wurde Cole zum Popularisierer des Web, zum Wortführer der Natives, aber auch zum klugen Analytiker von Potenzialen und Gefahren.

4 Der Skandal von Tier und Mensch

Was wir tun müssen, um das Leid unserer entfernten Verwandten zu lindern. „Tiere in Tierfabriken. Tiere in Tierversuchen. Tiere auf Tiertransporten. Wer die Bilder gesehen und ein Herz im Leib hat, wird entsetzt sein. Wie ist es möglich, dass wir so mit Tieren umgehen, auf eine Weise, die die Mehrheit der Menschen nicht für richtig befindet? Warum fällt es unserer Gesellschaft so schwer, diese Altlasten loszuwerden? Und warum ignoriert jede Regierung, egal welchen Couleurs, die Forderung nach einer Verbesserung, wenigstens in kleinen Schritten?
Die Aufklärung mit ihrem wissenschaftlichen Weltbild und der Idee von Menschenrechten war ein sehr wichtiger Schritt. Doch er wurde am Rücken der Tiere erkauft.“ M. Balluch

3 Supermacht China: Chance oder Bedrohung?

Nur wenige europäische Stimmen mischen im Diskurs über China mit: Verena Nowotny, fundierte Außenpolitik-Expertin und Buchautorin, hat zwei Jahre in Shanghai gelebt und bietet ein differenziertes Bild der komplexen Entwicklungen in diesem bevölkerungsreichsten Land der Erde.

„Es gibt keine einfachen Antworten auf die Fragen in China“, so Nowotny. „Viele Entwicklungen in diesem Land wirken widersprüchlich für uns, sind aber aus kulturellen Unterschieden erklärbar. Genauso wie wir ganz natürlich akzeptieren, dass die USA für unser Leben in Europa relevant sind, sollten wir uns dies auch bei China angewöhnen – ohne Angst und ohne Vorurteile.“

2 Europa – wohin?

Das reichhaltige Curriculum von Erhard Busek zeigt die Vielzahl seiner Themen, Funktionen und Ziele. Spezialist ist der ehemalige EU-Beauftragte für Südosteuropa in allen Fragen des Balkans. Als Minister und Vizekanzler war ihm die Bildung immer ein besonderes Anliegen. Der österreichische Paradeintellektuelle der Politik spricht über Hochschulen, Kulturpolitik und über europäische Herausforderungen.
Politiker, Publizist, Europäer, Kulturförderer – Dr. Erhard Busek ist eine der prägenden Persönlichkeiten Österreichs. Er war Vizebürgermeister der Bundeshauptstadt Wien und Vizekanzler, Wissenschaftsminister und Unterrichtsminister, Generalsekretär und Bundesparteiobmann der ÖVP.

1 Die Grenzen der Toleranz

Die offene Gesellschaft hat viele Feinde. Die einen streiten für »Allah«, die anderen für die Rettung des »christlichen Abendlandes«, letztlich aber verfolgen sie das gleiche Ziel: Sie wollen das Rad der Zeit zurückdrehen und vormoderne Dogmen an die Stelle individueller Freiheitsrechte setzen.
Wie sollen wir auf diese doppelte Bedrohung reagieren? Welche Entwicklungen sollten wir begrüßen, welche mit aller Macht bekämpfen? Michael Schmidt-Salomon erklärt, warum grenzenlose Toleranz im Kampf gegen Demagogen auf beiden Seiten nicht hilft und wie wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Freiheit zu verteidigen.

Allgemein

Lukrez: De rerum natura

Es ist schwer in Worte zu fassen, wie großartig und unschätzbar wertvoll für die Nachwelt dieses über zweitausend Jahre alte Werk aus der Spätphase der römischen Republik uns erscheinen sollte. Seit vielen Jahren ist mir Lukrez in Zitaten und Verweisen immer wieder untergekommen (z.B. bei Bertrand Russell, aber auch in Büchern über Poesie und Naturwissenschaft). Leider hatte ich bisher nie die Zeit gefunden, De rerum natura in voller Länge zu lesen. Es war dafür schon reichlich spät. Aber dafür habe ich es nun mit umso lauterer Stimme gelesen und die alten Worte in meinem Wohnzimmer oder beim Wandern im Wald erklingen lassen.

Obwohl wir fast gar nichts über das Leben des Lukrez wissen, geht aus seinen Worten doch ganz klar hervor, dass er ein scharfer Beobachter der Natur, ein Kombinierer par excellence und ein famoser Dichter war. Er hat in seinem Werk so vieles behauptet, das seine Zeitgenossen als absurd bezeichnet haben, das in späteren Jahrhunderten als ketzerisch und gefährlich gebrandmarkt wurde und das sich doch fast zwei Jahrtausende später als goldrichtig erwies. Seine Atomtheorie ist sehr ähnlich dem, was man heute noch unter dem Begriff versteht. Achtzehn Jahrhunderte vor Robert Brown beschrieb er schon recht akkurat die Brown‘sche Molekularbewegung. Neunzehn Jahrhunderte vor Charles Darwin umriss er schon ansatzweise die Funktion von Genen und nahm in manchen Passagen Aspekte der Evolution vorweg. Er schrieb über Magnetismus, die Physik der Sinne, über Erdbeben und Vulkanausbrüche, Donner und Blitz, über den unendlichen Kosmos, über ferne Sterne und Planeten… sogar kosmische Strahlen werden schon angedeutet. Es ist direkt unheimlich, wie viel dieser Mensch vor über zweitausend Jahren schon richtig erriet. Erraten ist aber das falsche Wort; er rätselte ja nicht ins Blaue hinein, sondern begründete all seine Behauptungen mit Analogien aus der Natur. Sein Scharfsinn ist dabei ungemein faszinierend. Und das Beste an all seinen Thesen: Er schrieb sie in Versen. Nicht nur das, er erklärt uns sogar, warum er das tut. Weil komplexe Wahrheiten leichter bekömmlich sind, wenn man sie in Geschichten und schönen Worten verpackt. Oh ja. Die moderne Wissenschaft sollte sich dies zu Herzen nehmen.

Natürlich liegt Lukrez auch oft falsch. Seine Erklärungen des Sehens und Hörens sind falsch, seine Erklärungen des Riechens und Schmeckens dafür goldrichtig. Seltsamerweise bezweifelt er die Kugelgestalt der Erde. Auch bei anderen Phänomenen liegt er weit daneben. Und doch ist manches – so falsch es im Licht moderner Erkenntnisse auch scheint – immer noch bei Weitem richtiger als konkurrierende Erklärungsmodelle seiner Zeit. Seine Polemik, mit der er sich über den Glauben an die griechisch-römische Götterwelt amüsiert, ist grandios. (Wieso wartet Zeus immer auf schlechtes Wetter, bevor er seine Blitze schleudert?) Seine Religionskritik lässt sich aber ebenso gut auf das Christentum anwenden. Man meint an vielen Stellen gar, er würde sich auf selbiges beziehen. Allerdings gab es dieses zur Zeit der Abfassung von De rerum natura noch gar nicht.

Dass wir dieses Buch haben, dass es den Jahrhunderten nicht gelang, es zu vernichten, haben wir wohl historischen Zufällen zu verdanken. Viele Jahrhunderte lang geriet es in Vergessenheit, bis es im fünfzehnten Jahrhundert in einer deutschen Klosterbibliothek zufällig wieder zum Vorschein kam. Dass die katholische Kirche keine rechte Freude damit hatte, ist kein Wunder. Für Lukrez ist die Seele ein physisches Phänomen und daher genauso sterblich wie der Leib, göttliche Intervention ist blinder Aberglaube, religiöse Ideologie ein Übel, das Familien und Staaten in Kriegen zerreißt. Explizit spricht er auch von Sexualität und anderen Tabuthemen der Theologie des Mittelalters. Lukrez möchte jenen, die sein Werk lesen, die Angst vor Göttern und vor dem Tod nehmen. Der Weg dazu liegt für ihn mitunter in der Naturwissenschaft, in der Erkenntnis der Natur der Dinge, die einher geht mit tiefem Staunen und aufrichtiger Faszination für die Phänomene des uns umgebenden Kosmos. Jener Philosoph der griechischen Antike, auf den sich Lukrez dabei am meisten beruft, ist kein anderer als Epikur, welcher ja bekanntlich bei Dante ganz tief unten in der Hölle sitzt. Beide – Lukrez und Epikur – sind Fackelträger der Diesseitsbejahung.

Trotz aller Widerstände schafften es die Worte des Lukrez bis in die Gegenwart. Und auf dem Wege inspirierten sie viele große Geister jüngerer Vergangenheit: Giordano Bruno, Montaigne, Molière, Goethe und viele mehr. Es ist spannend zu erspüren, wie sich die Spuren dieses Werks durch die Geschichte ziehen.

Man kann Lukrez primär als Dichter sehen – oder als Proto-Naturwissenschaftler – oder als beides. Ich wäre schon geneigt, dieses Buch als frühes Beispiel naturwissenschaftlicher Welterklärung zu betrachten und es etwa in einer Reihe mit Newtons so viel späterem Philosophiae Naturalis Principia Mathematica zu nennen. Der Anspruch der schlüssigen Welterklärung bleibt derselbe. Die Methode allerdings verlagerte sich von der Poesie zur Mathematik, wobei sich letztere als die viel tauglichere Sprache entpuppte – zumindest für die Ziele der Naturwissenschaft.

Neben Poesie und Wissenschaft sollte man natürlich nicht darauf vergessen, den philosophischen Aspekt dieses Werkes hervorzuheben. Es entstand zu einer Zeit als sich die einzelnen Naturwissenschaften noch nicht von der Zwiebelstruktur der Philosophie abgeschält hatten, als z.B. Physik mangels naturwissenschaftlicher Methodik noch Naturphilosophie hieß. Die Lukrez’sche Methode des Erkenntnisgewinns birgt etwas Urphilosophisches in sich. Der menschliche Geist selbst wird hier zum Mess- und Analyseinstrument, mit dem gelang, was sinnerweiternden Geräten noch jahrhundertelang nicht gelingen würde.

Zwei besonders prägende Stellen im Werk des Lukrez möchte ich noch herausgreifen. Seine Beschreibung der Attischen Seuche (jene Epidemie, die Athen von 430–426 v. u. Z. heimsuchte und von der uns schon Thukydides erschütterndes Zeugnis liefert) gehört wohl zu den frappierendsten Schilderungen in Vers, die je über Krankheit und Tod geschrieben wurden. Vor allem, wenn man selbst gerade eine Pandemie durchlebt, hören sich diese Zeilen aus längst vergangener Zeit so erschreckend aktuell und vertraut an.

Und dann wäre da noch jene Stelle, die das Herz aller Science-Fiction Freunde schneller schlagen lässt. Seit wann träumen die Menschen von der Existenz außerirdischen Lebens auf fremden Welten im All? Seit ein paar hundert Jahren? Nein, schon Lukrez hält es für wahrscheinlich, dass wir nicht allein im All sind. Denn ist die Zeit nur lang genug, so wiederholt sich, was sich auf Erden ereignet hat, wohl auch anderswo. Hier die nämliche Textstelle in der großartigen Übersetzung von Alicia Elsbeth Stallings:

Besides, when matter is available in great supply,
Where there is space at hand, and nothing to be hindered by,
Things must happen and come to pass. That is a certainty,
In all the time Life has existed for, the full amount,
If the same Force and the same Nature abide everywhere
To throw together atoms just as they’re united here,
You must confess that there are other worlds with other races
Of people and other kinds of animals in other places.

Lucretius, ~60 BCE

Gänsehaut pur.