45 Tage – Nie war die Zeit zwischen dem Entschluss, ein Stück zu inszenieren und dessen Premiere so kurz wie dieses Mal. Warum so spontan? Weil wir ursprünglich in diesem Sommer ein zweites Mal „Jedermann“ spielen wollten. Die Hoffnung war groß, dass bis zum Sommer sämtliche Covid19-Sicherheits-vorkehrungen gelockert würden. Erst Anfang Mai wurde klar, dass dem nicht so ist. Ein Stück mit großem Ensemble und körperlicher Nähe war weder möglich noch verantwortbar. Schweren Herzens zogen wir die Reißleine, sagten „Jedermann“ ab und waren erst einmal ein paar Tage lang traurig. Doch dann erinnerte ich mich an Ödipus – ein Stück mit kleinem Ensemble, welches sinniger Weise von einer Epidemie handelt. Körperliche Distanz zwischen den Akteur:innen war also sogar inhaltlich geboten. Das Stück zeigt uns, was eine Epidemie mit einer Gesellschaft macht und wie emotional aufgeladen, die Ursachenforschung nach dem Grund der Krankheit sein kann. Konnte ein Stück besser passen? Mit strengen Kontrollen war es im Sommer 2021 also allen frisch Getesteten möglich, im Festungsneuhof eine fulminante Ödipus-Inszenierung zu erleben. Da wir eine Stunde früher starteten als beim „Jedermann“ stammte das einzige künstliche Licht aus zwei Taschenlampen, die zu Ende des Stücks zum Einsatz kamen. Auch ein Video-Call mit dem Hirten war Teil der Handlung. Klaus Schneider gab einen famosen Ödipus, Hildegard Reitberger spielte Iocaste, Franz Osl den Kreon.




















































