Salman Rushdie: Midnight’s Children

just finished reading one of the best novels I have ever known.

It’s a chutnification of the history of the Indian subcontinent in the 20th century.

It’s a masterpiece in the genre of fantastic realism.

It’s Abracadabra!

It’s „Anything you want to be, you kin be; you kin be just what-all you want“.

It is world literature.

It is history.

It is Indian, Pakistani, and Bangladeshi.

It is Kashmiri.

It is Salman Rushdie’s „Midnight’s Children“.

Allgemein

Rettungsboot an Unbekannt

Plakat-mix Kopie

Termine und Spielorte:

  • am 28.3 / 3.4 und 6.4. 2015 im Kulturhaus Kufstein
  • am 13.5. / 16.5. und 17.5. 2015 im Kulturhaus Kufstein. (am 17.5. als Benefizaufführung für die Opfer des Erdbebens in Nepal)
  • am 13.11. 2015 in der Arche Noe Kufstein
  • am 6.4. 2017 im Kulturhaus Kufstein
  • am 7.4. 2017 bei den Internationalen Theatertagen am See in Friedrichshafen

Zum Inhalt:

Nach einem tragischen Schiffsunglück befinden sich drei Überlebende an Bord eines kleinen Rettungsbootes. Es bleibt nicht viel Zeit. Der Proviant wird bald zur Neige gehen. Ein Funkspruch hinaus ins Unbekannte – die letzte Hoffnung der Schiffbrüchigen – bleibt jeden Tag aufs Neue ohne Antwort.
Misstrauen macht sich breit. Zu zweit könnte man viel länger überleben, als zu dritt. Was, wenn zwei sich gegen einen verbünden?  Doch es gibt noch ganz andere Fragen. War das Schiffsunglück wirklich nur ein Unfall? Oder war es ein Anschlag? Ist einer der drei Überlebenden gar selbst der Attentäter?

„Rettungsboot an Unbekannt“ ist die Geschichte dreier Menschen im nackten Kampf ums Überleben. Wer spricht die Wahrheit? Wem kann man glauben? Ein jeder hat eine Geschichte. Ein jeder hatte Hoffnungen und Träume. Doch alles zerschellt im Angesicht der nahenden Vernichtung. Es sei denn, dass doch noch Hilfe käme …

In den Hauptrollen: Albin Winkler, Maria Kaindl, Klaus Reitberger
Fotos von Sylvia Größwang.

Die Bühne:

Ein herausragendes Feature an dieser Inszenierung war wohl das Bühnenbild, das bei den Spielterminen im Jahr 2015 im Kulturhaus Kufstein zu sehen war. Der von einem Sternentransparent umrahmte erhöhte Bühnenaufbau in Sechseckform hatte als Hintergrund eine Rückprojektionsleinwand auf welcher das Live-Bild einer auf der oberen Bühnenhinterseite installierten Kamera zu sehen war. Das Publikum konnte also alle drei Schauspieler:innen immer zweimal sehen – von vorne und hinten. Selbst wenn man flach am Boden lag, war man auf der Projektionsleinwand gut sichtbar.

Sylvia Groesswang

Der Folder:

Die Bilder:

Inszenierungen

Wiederaufnahme der „Kosmischen Strahlen“!

Startseite   –  Aktuelles

2015 gibt es eine Wiederaufnahme dieses Erfolgsstückes aus dem Jahr 2012. 

Zwei Aufführungen stehen an: am 14. Oktober in Kufstein und am 17. Oktober in Münster, Westfalen

Reservierungen für den Kufstein-Termin unter +436769161457 oder klaus.reitberger@gmail.com

Infos zum Gastspiel in Münster finden Sie hier

In bewegenden Episoden zeigt dieses Theaterstück ausgewählte Momentaufnahmen aus dem Leben von Victor F. Hess, dem Entdecker der kosmischen Strahlung. Von der dramatischen Ballonfahrt 1912 bis zur Flucht vor den Nazis, vom Disput mit Millikan bis zur Verleihung des Nobelpreises – hautnah am Leben werden Erfolge und Höhepunkte, Rückschläge und Niederlagen szenisch dargestellt.

Nach bisherigen Aufführungen in Innsbruck, Kufstein und Wien gehen die „Kosmischen Strahlen“ im Herbst auf Tournee:

Unsere Tournee:

  • am 9. September ein letztes Mal in Kufstein ( 19.00 Kulturhaus) mit anschließenden Vortrag über offene Rätsel der Astro- und Teilchenphysik von Klaus Reitberger
  • am 19. September in Graz (20.15 Uhr , Universität Graz, Hörsaal 05.01) – Details
  • am 20. September auf Schloss Pöllau (20.00 Uhr, Großer Freskensaal) – Details
  • am 21. Oktober auf Stift Melk (16:00 Uhr, Dietmayrsaal) – Bilder
  • am 30. Oktober in Siegen (11.00 Uhr, Siegerlandhalle) – Plakat
  • am 6. Dezember in Berlin (DESY Zeuthen) – Details
  • am 17. Januar in Rosenheim (FH) – Details
  • am 14. Oktober 2015 im Kulturhaus Kufstein (Beginn: 20.30 Uhr)
  • am 17. Oktober 2015 beim Astroseminar der WWU Münster – Details

Wir haben Anfragen für weitere Gastspiele und sind gerade dabei diese zu konkretisieren. Bei Interesse: +43 699 10811013

Video-Ausschnitt:

Das Buch zum Stück:

Bei der university press innsbruck erschien vor kurzem das Buch zum Stück – jetzt auch in englischer Sprache. Als Übersetzter fungierte Arthur Breisky – der Enkel von Victor F. Hess

Beide Versionen sind erhältlich auf amazon

————–

Pressestimmen:

„Zum Theaterstück kann ich sagen, dass mich die eingesetzten Bühnenbilder sehr beeindruckt haben, beispielsweise kam gleich am Anfang der Aufführung ein riesiger Heißluftballon zum Einsatz, welcher auf der kleinen Bühne des Kulturhauses eine große Wirkung erbrachte. Ebenfalls positiv wirkte auf mich, dass das Wechseln der Bühnenbilder nicht hinter verschlossenen Vorhängen geschah, sondern so, dass jeder es sehen konnte. Außerdem fand ich es toll, dass Klaus Reitberger diesmal nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler – wenn auch nur in einer kleinen Rolle – fungierte. Ganz allgemein wurde dieses doch eher schwierige Thema der Kosmischen Strahlen gut verständlich und sehr spannend umgesetzt. Die schauspielerischen Leistungen waren allesamt top, besonders die Rolle des Victor F. Hess wurde hervorragend und absolut authentisch gespielt.“

Isabella Traunfellner – mein ticket

Stückbeschreibung:

Wir schreiben das Jahr 1912: Nach Jahren der Vorbereitung wagt der Physiker Victor Franz Hess eine riskante Ballonfahrt auf über 5000 Meter Höhe. Nur dort kann er Antwort finden auf ein Rätsel, das ihn schon lange beschäftigt. Das Experiment gelingt. Sensationelle Messergebnisse liefern den Nachweis einer bisher unbekannten Strahlung aus dem Weltraum.

Zurück am Boden scheint sich die Welt vorerst nicht sehr für Hess‘ Entdeckung zu interessieren. Als Jahre später einem Amerikaner ebenfalls die Messung dieser merkwürdigen „kosmische Strahlung“ gelingt, wird dieser als ihr Entdecker gefeiert. Späte Würdigung erfährt Hess erst im Jahre 1936. Der Physik-Nobelpreis wird ihm verliehen.

Doch auch die Welt der Wissenschaft bleibt von den politischen Ereignissen nicht unberührt. Es bricht eine Zeit an, in welcher kritisches Denken unerwünscht und schließlich gar verboten ist. Hess hat aus seiner Gesinnung nie einen Hehl gemacht und wagte stets den Nationalsozialismus offen zu kritisieren. Dafür wird ihm nun alles genommen: Stellung, Ansehen, Besitztümer. Im Herbst 1938 kann er sich gerade noch rechtzeitig über die Grenze in die Schweiz und weiter nach Amerika flüchten. Seine Heimat hat ihn verstoßen.

Entstehungsgeschichte:

Das Theaterstück entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck. Der Autor selbst (Regisseur zahlreicher Inszenierungen beim Stadttheater Kufstein) ist dort als Doktorand auf dem Gebiet der experimentellen Astroteilchenphysik tätig. Wertvolle Hilfe bei historischen Detailfragen wurde uns überdies von Seiten der Victor-Franz-Hess Gesellschaft zuteil.

Die Schauspieler:

Hanspeter Teufel als Victor F. Hess

Franz Osl als Hauptmann Hofory / Rudolf Steinmaurer / Grenzer und Polizist

Stefan Schimmele als E. Wolf / Student

Maria Kaindl als Rosa Breisky

Klaus Reitberger als ein Künstler

Spieldauer:

ca. 1 Stunde

Die drei Herren im Ballon

Startseite   –  Aktuelles

Der Weibsteufel

Im Frühsommer 2015 bot sich die Möglichkeit, ein Theaterstück in der Scheune des urigen Örlachhofs in Schwoich zu inszenieren. Möglich machte dies der Besitzer Anton Rieder, welcher auch ein langjähriger Freund des Stadttheaters Kufstein ist. Zum zweiten Mal brachte ich also ein Tiroler Volksstück auf die Bühne und verbrachte schöne Stunden damit, den „Stadl“ zum Theatererlebnis umzufunktionieren. Schönherrs Weibsteufel eignete sich dafür ausgezeichnet. Stefanie Telser, Gunther Hölbl und Hannes Reitberger spielten die Hauptrollen der emotionsgeladenen Dreiecksbeziehung dieses Stücks. Natürlich durfte auch der Bezug zur Gegenwart nicht fehlen. Statt wertvollen Stoffen schmuggelt der „Schneider“ diesmal Geflüchtete über die Grenze, welche in Scharen aus einer Falltür im Boden gekrochen kamen. Im Nach-hinein mutet dies geradezu prophetisch an, stand die große Fluchtbewegung von 2015 doch erst bevor. Als Musikuntermalung dien-ten Einspielungen vom Häringer Harfentrio und Rammstein. (Letztere würde ich heute natürlich nicht mehr verwenden.) Was waren dies für spannende Sommernächte.

Der Folder:

Die Bilder:

Die Presse:

Michel Houellebecq: Soumission

Ein richtig gutes Buch zu lesen ist doch immer wieder ein Erlebnis. Das schlägt man die ersten Seiten auf und schon kommen Sätze daher von einer Schönheit und Wortgewalt, wie man sie wohl lange nicht gelesen hat.

„Autant que la littérature, la musique peut déterminer un bouleversement, un renversement émotif, une tristesse ou une extase absolues; autant que la littérature, la peinture peut générer un émerveillement, un regard neuf porté sur le monde. Mais seule la littérature peut vous donner cette sensation de contact avec un autre esprit humain, avec l’intégralité de cet esprit, ses faiblesses et ses grandeurs, ses limitations, ses petitesses, ses idées fixes, ses croyances; avec tout ce qui l’émeut, l’intéresse, l’excite ou lui répugne. Seule la littérature peut vous permettre d’entrer en contact avec l’esprit d’un mort, de manière plus directe, plus complète et plus profonde que ne le ferait même la conversation avec un ami – aussi profonde, aussi durable que soit une amitié, jamais on ne se livre, dans une conversation, aussi complètement qu’on ne le fait devant une feuille vide, s’adressant à un destinataire inconnu.“

Houellebecq at his best. Schon dieser Absatz (und alles was er auslöst), sollte zum Lesen dieses Buches animieren. Da freu ich mich doch auf den Rest.

Erwähnt werden muss natürlich auch, dass mir die Weltanschauung dieses Autors ein Grauen ist und ich ihm politisch aufs Schärfste widersprechen würde. Dennoch gilt es, sein literarisches Genie neidlos anzuerkennen und zu respektieren.

Allgemein

NEBEL

Nebel ist Leben rückwärtsgeschrieben und genau darum geht es in diesem Stück. Wir betrachten ein Leben, mit all seinen Epochen und Wendungen, in all seinen Facetten. Das Werden eines Menschen wird analysiert, doch in ungewohnter Richtung. Am Anfang der Geschichte steht der Tod. Erst dann kommt das Leben und zum Schluss die Geburt.

Oliver stirbt. In der nächsten Szene sitzt er alt und krank im Altersheim. Allmählich wird sein Geist wieder klar. Die Menschen die sein Leben begleitet haben und ihren Beitrag dazu leisteten, kommen und gehen. Auch sie werden jünger. Jeder wird jünger. Manche sterben und werden wieder Teil der Handlung. Andere lernt Oliver erst kennen. Sie kehren nie zurück. Wir gehen rückwärts in der Zeit, stetig weiter. Was war, wird wieder sein. Was kommen wird, ist längst vorbei. Die Charaktere nehmen nicht an Tiefe zu. Sie gewinnen keine Erfahrungen, sondern sie verlieren diese, werden seichter, werden kindlicher.

Was ist ein Leben? Es ist wie ein undurchsichtiger Nebel. Man weiß nie, was kommen wird. Nicht anders ergeht es in diesem Stück den Figuren. Doch das Publikum weiß längst, wie alles enden wird. Es weiß nur nicht, wie alles begann. Diese Inversion der Zeit macht es möglich, das Phänomen des Lebens auf eine völlig neue Art und Weise zu betrachten. Zwangsläufig taucht die Frage auf, worin der Sinn des Seins besteht. Doch darauf gibt es keine klare Antwort, nicht am Anfang, nicht am Ende, weder vorwärts noch rückwärts.

— noch unaufgeführt

 

Allgemein

Rettungsboot an Unbekannt

Plakat-mix Kopie

Zum Stück:

Nach einem tragischen Schiffsunglück befinden sich drei Überlebende an Bord eines kleinen Rettungsbootes. Es bleibt nicht viel Zeit. Der Proviant wird bald zur Neige gehen. Ein Funkspruch hinaus ins Unbekannte – die letzte Hoffnung der Schiffbrüchigen – bleibt jeden Tag aufs Neue ohne Antwort.
Misstrauen macht sich breit. Zu zweit könnte man viel länger überleben, als zu dritt. Was, wenn zwei sich gegen einen verbünden?  Doch es gibt noch ganz andere Fragen. War das Schiffsunglück wirklich nur ein Unfall? Oder war es ein Anschlag? Ist einer der drei Überlebenden gar selbst der Attentäter?

„Rettungsboot an Unbekannt“ ist die Geschichte dreier Menschen im nackten Kampf ums Überleben. Wer spricht die Wahrheit? Wem kann man glauben? Ein jeder hat eine Geschichte. Ein jeder hatte Hoffnungen und Träume. Doch alles zerschellt im Angesicht der nahenden Vernichtung. Es sei denn, dass doch noch Hilfe käme …

URAUFFÜHRUNG: Sa 28. März um 20.00 Uhr im Kulturhaus Kufstein

In den Hauptrollen: Albin Winkler, Maria Kaindl, Klaus Reitberger

Der Flyer zum Download als pdf

Probenfotos:

Dank an unsere Fotografin Sylvia Größwang.

Irgendwo dort draußen …

Flyer klein

Als studierter Physiker und Philosoph möchte Klaus Reitberger mit seinem neuen Programm „Irgendwo dort draußen“ ein bisschen Begeisterung für die Rätsel und Mysterien unseres Universums wecken. In einfachen Worten wird das Publikum auf eine Reise in Raum und Zeit quer durch den Kosmos entführt: vom Urknall bis zur Geburt der Erde. Auch brisante Themen, wie die mögliche Existenz außerirdischen Lebens und das künftige Schicksal unseres Heimatplaneten werden spannend dargelegt. Hernach bleibt noch Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Da der Vortragende ein erfahrener Theatermacher und Autor ist, sticht das Programm nicht nur inhaltlich sondern auch rhetorisch hervor. Mit einigen Gedichten, die zur lyrischen Untermalung der physikalischen Erkenntnisse dienen, gelingt eine reizende Verbindung von Naturwissenschaft und Poesie.

Der Vortrag eignet sich nicht nur für Erwachsene, sondern vor auch für Jugendliche und Kinder ab 12 Jahren. Darbietungen an Schulen sind möglich.

Bei Interesse:

klaus.reitberger@gmail.com  / Tel: +43 (0)699 10811013

–

Bilder von der Premiere

in der Arche Noe Kufstein (12. 3. 2015) / Copyright: Klaus Bernardi

Startseite ———– Aktuelles

85 Old Goa

Am frühen Vormittag verließ ich mein Hotel, ließ meinen Rucksack bei den freundlichen Herren der Gepäckaufbewahrung am Busbahnhof von Panaji und nahm den nächsten Bus nach Alt-Goa. Der Ort war gänzlich anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Bevor die Hauptstadt Goas zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Panaji verlegt wurde, war Alt-Goa eine blühende Metropole gewesen. Vom späten 16. bis frühen 18. Jahrhundert hatte dieses „Rom des Ostens“ sogar mehr Einwohner als das damalige London und Lissabon. Neben anderen Ursachen waren es anscheinend Malaria und Cholera, die im 18. Jahrhundert einen abrupten Niedergang bewirkten.

Ich hatte damit gerechnet ein beschauliches Gassengewirr alter Wohnhäuser vorzufinden, ähnlich dem in Panaji. Dem war nicht so. Übrig geblieben sind wirklich nur die steinernen Kirchen, Kapellen und Klöster. Man hat nicht das Gefühl in einer einstigen Metropole zu sein, vielmehr in einem großen, grünen Park voller Kirchen. In der belebtesten Straße stehen Verkaufsstände dicht an dicht. Im Angebot sind christliche Souvenirs, T-Shirts mit Bob Marley und Konsorten, CDs, „heiliges“ Wunderöl, das alle Schmerzen verjagte, etc. Aus manchen Läden dringt laut Raggy, aus anderen Kirchenmusik. Am Imbisstand, wo ich ein indisches Frühstück aß, spielte man Jingle Bells. Passt irgendwie nicht zu Palmen und dreißig Grad plus.

Als erstes besuchte ich die Kathedrale von Sé, welche anscheinend nicht nur die größte Kirche Indiens, sondern die größte Kirche Asiens ist. Im Glockenturm schwingt zudem auch die größte Glocke Asiens. Bei all diesen Superlativen ist die Kirche innen und außen jedoch erstaunlich unbeeindruckend.

Ich war anscheinend zur richtigen Zeit hier. Für den Zeitraum November bis Januar hatte man nämlich die Überreste von Goas „Nationalheiligem“ Franz-Xaver aus seiner Gruft in der Basilica nebenan hervorgeholt und stellte sie nun vor dem Altar in der Sé Kathedrale aus. Erstaunlich waren die ausufernden Sicherheitsvorkehrungen und der riesige zum Schlangestehen eingegrenzte Bereich. So etwas sah ich bisher nur in Disneyland. Da es der frühe Morgen eines Wochentages war, hielt sich der Ansturm noch in Grenzen. Dennoch kamen auch an Wochentagen  Tausende und an Wochenenden Zehntausende Menschen hierher um den mumifizierten Leichnam von Franz-Xaver zu sehen. Nach doppelter Sicherheitskontrolle (Waffen, Feuerzeuge und Zigaretten müssen draußen bleiben) gelangt man vorbei an schwer bewaffneter Polizei in den Altarbereich. Hier liegen die Reste des vor fünfhundert Jahren so aktiven Mannes aus Navarra. Die Gläubigen werden links und rechts des gläsernen Sarkophags vorbeigelotst und habe gerade genug Zeit um das mumifizierte Gesicht zu betrachten und das Glas des Sarkophags zu küssen. Irgendwie widerlich. Nicht der Leichnam, sondern das Glas. Bei tausenden Küssen täglich werden wohl einige Krankheitserreger ausgetauscht. Jedenfalls war es für mich interessant zu sehen, wie gut der Leichnam erhalten war, ganz ähnlich den schönen Moorleichen in Dublins naturhistorischem Museum, die ich vergangenen April ein zweites Mal bewundern durfte.

Unweigerlich erfuhr ich im Laufe des Tages einiges über das Leben von Franz-Xaver. Der aus Navarra stammende Adelige führte Anfang des sechzehnten Jahrhunderts nach seinem Studium in Paris ein recht weltliches Leben, schloss sich dann aber doch einem strengen katholischen Orden an, der vor allem die Reformation rund um Luther bekämpfen wollte. Franz-Xaver reiste nicht nur nach Goa, wo er fleißig Einheimische konvertierte, er gelangte auch nach Sumatra und sogar bis nach Japan. Gestorben ist er im Alter von nur sechsundvierzig Jahren auf einer chinesischen Insel. Von dort wurde sein Körper dann zurück nach Goa gebracht. Vor seinem Tod hat Franz-Xaver natürlich auch eine ganze Reihe von Wundern vollbracht. Ein Highlight ist diese schöne Geschichte: Franz-Xaver befindet sich auf einem Schiff, das in einen wilden Sturm gerät. Die Seeleute fürchten um ihr Leben. Doch Franz-Xaver weiß, was zu tun ist. Er wirft sein liebgewonnenes Kruzifix in die Fluten und siehe da: der Sturm legt sich. Das Meer wird friedlich. Wieder an Land ist Franz-Xaver traurig ob des Verlusts des Kruzifixes. Betrübt steht er am Strand. Da kommt eine Krabbe auf ihn zu gekrabbelt. Und in einer ihrer Scheren hält sich doch tatsächlich das ins Meer geworfene und verloren geglaubte Kruzifix. Halleluja.

Bei all den netten Geschichten vergessen wohl viele die wahre Geschichte der portugiesischen Inquisition. Wie vielen dieser Gläubigen, die hier vor lauter Demut am liebsten stundenlang Franz-Xavers Sarg küssen würden, ist wohl bewusst, welch menschenfeindliche Schreckensherrschaft die fanatischen Katholiken Portugals hier im sechzehnten, siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert ausübten? Voltaire war einer von wenigen Schriftstellern, die dies damals schon thematisierten. Ich erinnere mich noch gut an seine Erzählung „Les lettres d’Amabed“, in der ein armer indischer Prinz in die Fänge der hiesigen Portogiesen gerät. Zwangskonversionen, Folter und Vertreibung richteten sich aber nicht nur gegen die hinduistische Bevölkerung. Auch sämtliche Juden, die sich schon früh hier angesiedelt hatten, wurden von der Inquisition gepeinigt. Pikanterweise richtete sie sich auch gegen Christen. Anfangs waren Vasco da Gama und andere portugiesische Eroberer noch erfreut gewesen im neuentdeckten Land bereits christliche Gemeinden vorzufinden. (Das Christentum in Indien geht vielleicht bis auf den Apostel Thomas zurück, den es schon im ersten Jahrhundert hierher verschlug.) Nur waren die zur Zeit der Ankunft der Portugiesen hier lebenden Christen halt leider die falschen Christen, nämlich syrisch-orthodoxe und nicht papsthörige Katholiken. Das ging natürlich nicht. Also mussten auch sie zum Verbrennen ihrer Bücher und zum Abschwören ihres falschen Christentums gezwungen werden. Jahrhundertelang wurde hier im Namen des Christentums gefoltert und gemordet. All dies nur zu gern vergessend kommen aber Tausende täglich hierher und küssen den Sarg des freundlichen Heiligen mit der Krabbe.

Die Kathedrale von Sé ist nur eine von vielen imposanten Gotteshäusern Alt-Goas. Gleich daneben steht die Franz von Assisi Kirche, deren Inneres sehr beeindruckend ist. Vor der weitläufigen Bom Jesus Basilika, die ausnahmsweise einmal nicht weiß sondern rötlich ist, fand eben eine große Freiluftmesse in englischer Sprache mit hunderten Besuchern statt. Ich schlich mich daran vorbei um im Inneren der Basilika jene prunkvolle Kapelle zu sehen, in der Franz-Xaver normalerweise liegt. Dass er gerade nicht da war, schien nicht weiter zu stören. Die Gläubigen standen trotzdem Schlange um ihre Lippen auf den Stein des Altars zu pressen. Ich sah einem Mann dabei zu, wie er in voller Demut einen Holzbalken küsste. Dieser war eigentlich nur Teil des Gerüsts, welches das in Renovierung befindliche Kapellendach stütze. Faszinierend.
Ebenfalls in der Bom Jesus Basilika befindet sich ein besonders blutiges Kruzifix (siehe Foto).

Ich besuchte außerdem die Kirche Sankt Cayetan, die Kapelle Sankt Katharina und noch einige mehr. Sehenswert sind auch, das Archäologische Museum, das Museum Christlicher Kunst und ein paar andere kleinere Ausstellungen. Durch einen kleinen Triumphbogen hindurch erreichte ich schließlich noch das eher unspektakuläre des Mandovi Flusses.

Genug Christentum für heute. Ich nahm den Bus zurück nach Panaji. Da noch Zeit bleibt besuchte ich dort noch das Goa State Museum. Am interessantesten fand ich dort die Ausstellung zu Goas Freiheitskampf. Erst 1961 zwang das indische Militär die Portugiesen zum Abschied. Die Geschichte dieses kurzen Krieges, sowie das meist tragische Schicksal früherer Freiheitskämpfer wurde hier in Bildern und Dokumenten erzählt.

Schließlich hieß es Abschied nehmen von Goa. Ich nahm den Bus nach Margao, warf im Vorübergehenden noch einen Blick auf die dortige Heilig Geist Kirche und stieg am Bahnhof in mein geräumiges Erste Klasse Abteil.

Normalerweise reise ich ja nie erste Klasse und nur selten zweite. Hier in Indien genügt mir die dritte Klasse (=Sleeper) vollauf. Doch da für diesen Zug alles andere als erste Klasse schon ausgebucht gewesen war, hatte ich keine Wahl gehabt. Natürlich war der Komfort ein ganz anderer. Der Kellner, der das Abendessen serviert und Tee und Snacks bringt, war sehr freundlich. Das Bett war zehnmal angenehmer, als in den billigeren Klassen.
Man schläft gut mit dem Gedanken ein, dass das Bahnhofsgebäude, in das man am Morgen einfahren wird, auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO steht.

image

84 Panaji

Nach einem letzten Frühstück am Märchenstrand von Palolem gelangte ich per Bus binnen zwei Stunden in Goas Hauptstadt Panaji.

Dass nach den Höhepunkten der vergangenen Tage (Mysore, Hampi, Palolem) der nächste Ort ein bisschen enttäuschen könnte, war zu erwarten. Panaji bietet portugiesischen Charme. Blauweiße Fließen (die berühmten Azulejos) benennen alte Villen. Die Viertel Sao Tomé, Altinho und Fontainhas  sind voll mit bunter, reizvoller Architektur. Manche Häuser sind sehr gepflegt, andere bröckeln allmählich in sich zusammen. Auf einer kleinen Anhöhe im Zentrum der Stadt, steht die fast fünfhundert Jahre alte Kirche mit ihrer strahlend weißen Fassade und den schönen Stufen, die zu ihr empor führen. Witzig wie die Gläubigen vor der verschlossenen Tür auf die Knie fallen und, da sie nicht weiter kommen, eben dort beten. Unweit nördlich der Kirche fließt der breite Fluss Mandovi. Am Ufer leuchten nachts zahlreiche Casinoboote und locken die Besucher. Auch abendliche Schiffsfahrten entlang des Flusses werden geboten.

Alles hier wäre aber so viel schöner und beschaulicher, wenn nur dieser laute, dichte Straßenverkehr nicht wäre. Nirgendwo auf dieser Reise fand ich ihn störender als hier. Sogar der Kirchenchor des abendlichen Freilicht-Gottesdienstes auf den Stufen vor der mit Lichterketten wunderschön erleuchteten Kirche hatte Mühe das unaufhörliche Hupen zu übertönen. Um wieviel beschaulicher hier alles wäre, gäbe es ein paar Fußgängerzonen und ein bisschen Verkehrsberuhigung.

Nach einer nachmittäglichen Erkundungstour, wusste ich nicht so recht, was ich mit dem Abend anfangen sollte. Die River Cruise entlang des Mandovi klang an sich reizvoll, doch das Internet hatte mich vor eineinhalbstündigem Schlangestehen für nicht sonderlich spannende Aussicht auf einem überfüllten Schiff mit mittelmäßigen Entertainment gewarnt. Ich überzeugte mich selbst von der Länge der Schlange. In der Tat war der unbequem Andrang groß. Ich machte kehrt.

Reizvoll wäre sicher auch ein Casino-besuch gewesen. Das Angebot für 3000 Rupien Essen und Getränke so viel man will, Entertainment und Jetons im Wert von 2000 Rupien zu erhalten, klang verführerisch. Ein bisschen Roulette macht immer Spaß. Mit ein bisschen Glück könnte ich meinen 30 Dollar Verlust vom Februar im Venetian in Vegas wettmachen. Allerdings begann das nächtliche Entertainment und der Ansturm der Besucher erst gegen halb zehn und solange wollte ich nicht warten. Es war ein heißer Tag bei etwa 35 Grad gewesen und ich war müde. Zudem hätte ich Schwierigkeiten gehabt, dem Dresscode zu entsprechen.

Ich entschloss mich also für einen ruhigen Abend in meinem gemütlichen Altstadtzimmer. Davor gab’s aber noch ein hervorragendes Abendmahl. Überhaupt war das Essen eines der besten Erlebnisse in Panaji. Goas regionale Küche ist hervorragend. Sowohl das Kingfish-Vindaloo, das ich mittags hatte, sowie das Garnelencurry am Abend schmeckten derart ausgezeichnet, dass man am liebsten gleich wieder Hunger hätte, um nochmal dasselbe zu bestellen. Diese  dezenten Tamarind- und Kokosnoten im Curry, das feurige Vindaloo… Welch Gaumenschmaus. Beim Abendessen führte ich noch eine nette Unterhaltung mit zwei US-Amerikanern, von denen einer die letzten vier Jahre in Delhi gelebt hatte. Natürlich hatte er spannende Geschichten auf lager. Der ältere Herr aus Oakland und ich hörten gespannt zu.

image