Budget-Rede 2023

In meiner Rede im Budget-Gemeinderat vom Dezember 2023 versuchte ich neben Kritik an der Argumenten der Opposition auch ein bisschen Philosophie einfließen zu lassen. Auch ein Jahresrückblick auf meine jüngsten Aktivitäten als Kulturreferent ist darin enthalten.

Klimastreik 2023

Schön war es, gemeinsam mit meiner Frau einmal mehr am Klimastreik in Kufstein teilzunehmen. Vielen Dank an die engagierten Organisator:innen.

Und hier ist mein Text, den ich auf der Bühne im Stadtpark vorgetragen. Einige Menschen haben mich danach gefragt. Hier können sie ihn sehen, kopieren, wiederverwenden – wie es ihnen beliebt.

Warum wir hier stehen
Warum wir nicht schweigen
Warum wir uns rühren
Und laut demonstrieren
Das hat viele Gründe
Die es gilt zu benennen
Die es gilt zu verstehen
Und damit zu sehen
Dass vieles sich verändern ließe
Wenn nur mehr von uns es wollen würden.

Wir sind hier …
Weil zu viele gerne glauben, dass alles bleiben kann, wie es ist, wo dieses Verharren im Bewährten doch Zukunft zerfrisst.

Wir sind hier …
Weil zu viele nicht verstehen, dass dies mehr als eine Krise ist, die der Wind rasch weht, weil dahinter schon die nächste steht.

Wir sind hier …
Weil zu viele die Wissenschaft für ein Märchen halten und gleichzeitig an Märchen glauben, die unzähligen ihr Leben rauben.

Wir sind hier …
Weil zu viele nicht begreifen, dass wir nicht Herren dieser Erde sind, sondern ihre Kreaturen, die wie alle anderen Tiere Teil des Baums des Leben sind.

Wird sind hier …
Weil die Eigenfrequenzen von Kohlendioxidmolekülen in genau jenem Infrarotbereich liegen, den unsere Erde emittiert, und sich so aufgrund von Absorption und isotroper Emission ihre Wärme nicht mehr im All verliert, sondern immer wieder kommt. Mit jedem part per million mehr, heizt sich die Welt ein Stück mehr auf, verschieben sich die Klimazonen, häufen sich die Wetterlagen der Extreme und ständig schreit die Welt neu auf … und immer noch sind viele blind und sehen all die Zeichen nicht.

Wir sind hier …
Weil wir Leben retten wollen, menschliches und nicht-menschliches.

Wir sind hier …
Weil wir Fluten, Dürren, Hungersnöte, Hitzewellen, Epidemien und die Folgen davon: Artensterben, Gletscherschmelze, klimabedingte Fluchtbewegungen nicht wollen.

Wir sind hier …
Weil immer noch viel zu wenig geschieht. Weil viel zu viele all dies ins Lächerliche ziehen und uns schmähen, anstatt aufrecht und wach an unserer Seite zu stehen.

Wir sind hier …
Weil wir müssen. Weil wir wissen, dass wenn niemand etwas tut, bald niemand mehr etwas tun kann. Und das wollen wir verhindern. Für uns. Für die Menschheit. Für alle Lebewesen dieser Welt. Meinetwegen auch für die Gletscher.

Seien wir wach, wo andere schlafen. Blicken wir den Fakten ins Gesicht, anstatt wohlbekömmlichen Lügen zu glauben, die uns einreden wollen, dass alles so weitergehen kann wie bisher. Denn so ist es nicht. Wir haben die Wissenschaft, wir haben die Vernunft, wir haben die Nachwelt auf unserer Seite. Und bald schon kann aus dem Gegenwind ein Rückenwind werden. Machen wir weiter. Bleiben wir laut. Die Zukunft wird es uns danken. Und ich danke euch.

Von Forschung zu Schule: ein Plädoyer für den Quereinstieg

Beinahe wöchentlich wird inzwischen berichtet, wie der Lehrkräftemangel – vor allem in den MINT-Fächern – Österreichs Schulen vor immer größere Herausforderungen stellt. Vielleicht vermag ja dieser kurze Erfahrungsbericht eines Quereinsteigers, den ein oder anderen in der Wissenschaft tätigen Menschen dazu zu motivieren, es zumindest zeitweise mit dem Schulunterricht zu versuchen. Man erweist damit nicht nur der Gesellschaft einen großen Dienst – sondern auch sich selbst.

Es ist noch nicht lange her, da hatte ich eine gut bezahlte PostDoc Stelle an einer österreichischen Universität. Ich fühlte mich wohl in meinem Forschungsgebiet, in dem ich seit meiner Zeit als Doktorand ein halbes Dutzend Publikationen in renommierten Fachzeitschriften untergebracht hatte. Ich leitete Proseminare und Praktika, hielt Vorlesungen, reiste auf Konferenzen von Kalifornien bis Japan, wühlte in den Daten eines Weltraumteleskops und ließ große Computer-Cluster meine Simulationen durchrechnen. Die Weichen waren gestellt, um mich früher oder später zu habilitieren und mich dauerhaft in der akademischen Welt einzurichten. Doch dann wählte ich einen anderen Weg. Ich begann an einer Schule Physik zu unterrichten, später auch Philosophie und Theater. Schließlich ließ ich mein Forscherdasein vollends ruhen und erkor die Schule zu meinem dominanten Tätigkeitsgebiet. Trotz schlechterer Bezahlung und höherem Arbeitsaufwand. Warum?

Ein Grund unter mehreren mag wohl sein, dass der Lehrkräftemangel damals schon ein Thema war, welches mich zum Nachdenken brachte. Die Wissenschaft ist wichtig. Hier fühlte ich mich wohl. Und doch wollte ich auch darauf vertrauen können, dass an unseren Schulen ausreichend qualifizierte Lehrkräfte vorhanden sind, um in den Herzen der Forscher:innen von morgen die Begeisterung für die Naturwissenschaften zu wecken. Der Gedanke daran, dass z.B. manch junge Curie oder manch junger Bohr vielleicht nie den Weg in die Physik fänden, da unmotivierte oder gar fachfremde Lehrkräfte ihnen diese Disziplin verleideten, betrübte mich. Ein paar Auftritte bei Science Slams und einige populärwissenschaftliche Vorträge hatten mir gezeigt, dass ich nicht untalentiert darin war, komplexe Zusammenhänge anschaulich und mit der nötigen Passion zu erklären. Konnte ich der Wissenschaft in Summe vielleicht mehr dienen, wenn ich – anstatt selber weiter an irgendwelchen Energiespektren von Doppelsternen zu forschen – eine Schar von jungen Menschen dazu motivierte, selbst eine universitäre Laufbahn einzuschlagen? Zumindest versuchen wollte ich es.

Heute kann ich sagen: Ich bin sehr froh darum, diesen Weg gewählt zu haben. Inzwischen habe ich fünf Jahrgänge faszinierender junger Menschen jeweils vier Jahre lang bis zu ihrem Schulabschluss begleitet. Dass mein Unterricht zwar nicht für alle, aber für viele inspirierend und bereichernd war, haben mir zahlreiche Rückmeldungen immer wieder bestätigt. Aber auch ich selbst wurde und werde durch die Arbeit mit diesen jungen Menschen immer wieder inspiriert und bereichert. Ich zeigte ihnen durchs Teleskop den Sternenhimmel, nahm sie mit auf Vorträge von Nobelpreisträgern, organisierte Projektwochen zum Klimawandel, begeisterte sie für Astro- und Teilchenphysik. Ich stand stolz daneben, als sie für ihre von mir betreuten vorwissenschaftlichen Arbeiten Preise abräumten. Mit vielen ehemaligen Schülerinnen und Schülern bin ich noch in Kontakt. Nicht wenige haben den Weg in die Wissenschaft gefunden. Das Lehrerdasein ist nicht immer leicht. Aber es ist schön, erhebend und lebensbereichernd. Die tägliche Konfrontation mit heranwachsenden Geistern hält jung und fordert dazu auf, die Welt aus immer neuen Perspektiven zu betrachten. Ich habe es nie bereut, diesen Weg gewählt zu haben und ich möchte dazu aufrufen, dass auch andere Wissenschaftler:innen einen Schritt in diese Richtung tun.

Denn was wäre denn die Alternative? Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der die Qualität des naturwissenschaftlichen Unterrichts an Schulen aufgrund massiven Mangels engagierter Lehrkräfte weiterhin sinkt? Es wäre dies eine Welt, in der immer weniger Menschen Verständnis für kritisches, wissenschaftliches Denken aufbrächten, da ihnen die dazu nötigen Konzepte nie vermittelt wurden. In so einer Welt würden die Lügenmärchen von Verschwörungstheorien und Esoterik noch viel leichter um sich greifen, da den Menschen die Abwehrmechanismen dafür fehlen. Letztlich würden wohl jene gesellschaftlichen Kräfte obsiegen, die das Vertrauen in Universitäten und wissenschaftliche Institutionen unterminieren und ihnen längerfristig die Freiheit der Forschung unmöglich machen sowie die dazu nötigen Geldmittel verwehren. In anderen Worten: Wenn sich die Wissenschaft nicht stärker darum bemüht, nicht nur Forscher:innen sondern auch Lehrkräfte heranzubilden, so fällt dieses Versäumnis letztlich auf sie selbst zurück.

Die Wissenschaft ist ein Lampe, mit der wir ins Dunkel des noch Unverstandenen hineinleuchten. Das Handhaben dieser Lampe ist eine wichtige Aufgabe. Zu manchen Zeiten aber ist es wichtiger, sich darum zu kümmern, dass die Lampe nicht flackert oder gar erlischt. Dafür sorgt guter naturwissenschaftlicher Unterricht an unseren Schulen.

Neulich im Museum

Neulich, als ich durch die beeindruckenden Schauräume des Museo de la Ciencias in Valencia flanierte, dachte ich daran, wie gut es den vielen Klimawandelleugner:innen doch tun würde, einmal wieder ein halbwegs passables Wissenschaftsmuseum zu besuchen.

Dazu muss man gar nicht weit fahren. Auch das Deutsche Museum in München, das Haus der Natur in Salzburg, das Naturhistorische Museum in Wien, ja sogar Stift Melk, haben hervorragende Exponate und Schautafeln, die die Physik des anthropogenen Klimawandels anschaulich und nachvollziehbar erklären und deren mehr als ernstzunehmendes Bedrohungspotential mit eindrucksvollen Vergleichen untermauern.

Dort würden diese Leute erkennen, dass jene Darstellung, die sie immer wieder der angeblich „linken Lügenpresse“ zuschreiben, auch von vielen namhaften Museen – und von der universitären Lehre sowieso – geteilt wird und schlichtweg einhelliger Konsens aller qualifizierten Institutionen ist.

Aber leider – Museen besuchen diese Leute nur selten. Sie basteln sich aus Netzfunden unqualifizierter Provenienz versatzstückhaft ihre eigene Realität; lesen aus Statistiken heraus, was gar nichts drin steht; bedienen sich wiederholt des Argumenti ad hominem ohne dieses als logischer Fehlschluss zu erkennen; springen ohne logische Folgerichtigkeit von einem Thema zum anderen und suggerieren ernsthaft, dass zig Qualitätsmedien, wissenschaftliche Journale, Museen, Universitäten und Regierungen sich einhellig miteinander verschworen hätten, um der Welt eine fiktive Bedrohung vorzugaukeln.

Dabei reicht schon ein klein wenig naturwissenschaftliche Bildung und Recherche, um zu erkennen, dass dem nicht so ist. Aber Recherche dient manchen anscheinend nur dazu, die eigenen Vorurteile zu untermauern anstatt sie in Frage zu stellen. Der damit einhergehende Confirmation Bias macht blind für alles, was die eigene vorgefasste Meinung bedrohen könnte. Dazu finden sich in den Kommentarzeilen vieler meiner Beiträge anschauliche Beispiele.

Ich empfehle, es mit Humor zu nehmen, gerade deshalb weil die Lage ernst ist. Die Leugner:innen des anthropogenen Klimawandels sind glücklicherweise eine Minderheit geworden. Man sollte sich von ihnen nicht die Laune verderben lassen, sondern sie als alltägliche Unterhaltung empfinden – so wie ein mäßig gutes Meme, das in etwas anderer Art und Weise immer wieder denselben Nonsens erzählt, gelegentlich aber auch mal so richtig lustig ist.

Neulich im Gemeinderat

Video Link

Antrag gemäß §41 TGO an den Gemeinderat der Stadt Kufstein

Antragstellende:
Die Parteifreien
Kufsteiner Grüne

 „Ukrainische Partnerstadt“

Der Gemeinderat möge beschließen:

Gemäß der Resolution „Hilfe für ukrainische Gemeinden“ des Österreichischen Gemeindebundes vom 28. Juni 2022 und über Vermittlung der Initiative „Cities 4 Cities, united 4 Ukraine“ verpflichtet sich die die Stadtgemeinde Kufstein dazu, alle nötigen Schritte einzuleiten, um eine Paten- oder Partnerschaft mit einer geeigneten ukrainischen Stadt einzugehen. Der Städtepartnerschaftsbeauftragte soll dazu unter den über 100 ukrainischen Gemeinden, deren Kontakte, Bedürfnisse und Detailinformationen auf der Plattform „Cities 4 Cities“ gelistet sind, anhand Größe, geographischer Lage und anderer Kriterien eine geeignete Gemeinde vorschlagen, mit den dortigen Vertreter:innen in Kontakt treten und noch vor Ende Oktober eruieren, wie Kufstein am besten Hilfe leisten kann und welche Mittel dafür im Budget des Jahres 2024 vorzusehen sind.

Begründung:

Auch wenn die täglichen Meldungen uns zuweilen abstumpfen lassen und der fortdauernde Wahnsinn schon wie Routine erscheint, sollten wir nie vergessen, wie skandalös und verwerflich der völkerrechtswidrige Angriffskrieg ist, den das russische Regime gegen die Ukraine führt. Es ist gut und richtig, Solidarität zu zeigen. Dass vor dem Kufsteiner Rathaus die Ukrainische Flagge weht, ist ein wichtiges Symbol. Dass unsere Heldenorgel schon mehrmals die Ukrainische Hymne spielte ist ein ebenso bedeutendes Zeichen. Aber wir können mehr tun.

Der Österreichische Gemeindebund rief vor Kurzem in einer Resolution zur Knüpfung von Partnerschaften mit ukrainischen Gemeinden auf. Mittels der Initiative „Cities 4 Cities, United 4 Ukraine“ ist es ein Leichtes, Kontakte mit ukrainischen Orten geeigneter Größe zu knüpfen. Über 100 verschiedene Gemeinde stehen dort zur Auswahl, z.B. die ostukrainische Gemeinde Rohan, nahe Charkiw gelegen, die unmittelbar Bombardement und Besatzung ausgesetzt war oder die westukrainische Stadt Bereschany, die indirekt stark unter dem Krieg leidet, viele Binnenflüchtende beherbergt und deren Bürgermeister 17 Jahre in Österreich gelebt hat. Beispiele wie diese gibt es noch viele. Es wäre ein Leichtes, hier eine Stadt zu finden, die ähnlich groß wie Kufstein ist und der man gezielt unter die Arme greifen kann.

Wir möchten daran erinnern, dass Kufstein selbst eine Stadt ist, die, als sie nach dem 2. Weltkrieg am Boden lag, von anderswo Hilfe erfahren hat, nämlich aus unserer heutigen Partnerstadt Frauenfeld. Auch uns wurde geholfen. Nun ist es an uns zu helfen.

Wir möchten aber auch daran erinnern, dass Kufstein vor allem der Westukraine historisch sehr verbunden ist. Am Friedhof in Zell ruhen einstige Kaiserjäger, die im 1. Weltkrieg in eben jener Region ihr Leben ließen. Der Tiroler Kameradschaftsbund betreut z.B. auch westukrainische Soldatenfriedhöfe, wo nicht wenige Tiroler und wohl auch Kufsteiner begraben liegen. Uns verbindet vieles.

Wie könnte unsere Hilfe für eine ukrainische Partnerstadt konkret aussehen? Wir könnten etwa helfen, vor Ort für ukrainische Binnenflüchtende, die aus dem Osten in den Westen des Landes fliehen mussten, eine Schule oder Unterkünfte mit aufzubauen. Wir könnten logistisch dabei helfen, die Stromversorgung auch den nächsten Winter über aufrecht zu erhalten. Wir könnten Kriegswitwen, Kriegswitwer und Kriegswaisen nach Kufstein einladen und ihnen ein paar Monate Erholung schenken, in etwa so wie es damals auch Frauenfeld gemacht, als Kinder aus Kufstein für die Sommermonate in die Schweiz eingeladen wurden. Es gibt sehr viel, was wir tun können. Logistisch, materiell, finanziell und karikativ.

In Anbetracht all dieser Möglichkeiten sollten wir uns historisch und moralisch ermutigt fühlen, hier Initiative zu ergreifen und anderen Gemeinden und Städten beispielhaft voranzugehen. Nicht nur Staaten können in Zeiten wie diesen Initiativen setzen und Europa gestalten. Auch Städte wie die unsere können dies tun. Helfen wir! Suchen wir uns eine geeignete Stadt in der Ukraine aus und lernen wir sie kennen: Ihre politischen Vertreter:innen, ihre Kunst- und Kulturvereine, ihre Traditionen, ihre Sportvereine. Schließen wir eine Freundschaft und sorgen wir dafür, dass sie über die Jahrzehnte erhalten bleibt.

Vom Glück des Fernwanderns

Weitere Infos und Tickets

Mehr als ein halbes Jahr meines Lebens habe ich schon fernwandernd auf dem E4 verbracht. Es ist dies ein etwa 10.000 Kilometer langer Wanderweg, der von Spanien bis Griechenland und auf halber Strecke auch mitten durch Kufstein führt. Inwiefern das Wandern ein ursprüngliches Glücksgefühl birgt – davon kann ich einiges zu erzählen. Lauschen Sie den Geschichten vom Wegesrand. Hören Sie von Stürmen auf schroffen Graten, von sternenklaren Nächten in menschenleerer Wildnis, von kuriosen Begegnungen in beschaulichen Dörfern und vom Glück der alljährlichen Rückkehr auf jenen Weg, der schon so lange des Wanderers Freund ist.

Mehr zum E4

Hate-Mail Lesung 2022

Das Video zeigt eine humoristische, weihnachtlich angehauchte Lesung ausgewählter Hassbotschaften, die mich im Kalenderjahr 2022 erreicht haben. Sei es mein Engagement pro Covid-Impfung, meine Warnungen vor dem Klimawandel, die Verwendung gender-neutraler Sprache, meine Initiative zur Aufarbeitung der Kufsteiner Heldenorgel oder ganz generell mein kommunalpolitisches Engagement – all dies hat bei einigen unserer Zeitgenoss:innen zu heftigen Reaktionen geführt. Hier ein Best-of der kuriosesten Nachrichten, die mich dieses Jahr erreicht haben.Viel Spaß 🙂

Neuwidmung der Heldenorgel

(Hier der Link zur Videoaufzeichnung der Gemeinderatssitzung der Gemeinde Kufstein November 2022)

Mit Beschluss vom 16.11.2022 distanziert sich der Gemeinderat Kufstein ausdrücklich von jeglichem ethno-nationalistischen, chauvinistischen oder kriegsverherrlichenden Gedankengut, das bei der Erbauung und ursprünglichen Widmung der Heldenorgel eine Rolle gespielt hat. Die Frage, für welche Helden dieses Instrument heutzutage spielt, wird mit folgender Neuwidmung beantwortet, welche auf einer Tafel am Gebäude des Orgelspieltisches im Festungsneuhof wiedergegeben werden soll:

Das Spiel dieser Orgel gelte den Heldinnen und Helden vergangener, gegenwärtiger sowie zukünftiger Zeiten.
Diese Orgel spielt für alle, die dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben,
Damit andere nicht dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben müssen.
Diese Orgel spielt für jene, die Heldinnen und Helden werden,
Damit andere nicht Opfer sind.

Die Langversion selbiger Neuwidmung soll auf der Homepage der Stadt Kufstein dargestellt und mittels QR-Code auf oben genannter Tafel darauf verwiesen werden:

Neuwidmung der Kufsteiner Heldenorgel

Das Spiel dieser Orgel gelte den Heldinnen und Helden vergangener, gegenwärtiger und künftiger Zeiten.

Sie spielt für den Feuerwehrmann, der sich in die Flammen stürzt, um dich zu finden,
Und für die Bergretterin, die in sternenklarer Nacht frierend unter der Lawine nach dir sucht.
Sie spielt für den Lehrer, der dir inmitten der Zensur noch Wahrheit lehrt,
Und für die Ärztin, die den fallenden Bomben zum Trotz deine Wunden verbindet.

Diese Orgel spielt für unsere Väter und Großväter, die für das Wohl ihrer Kinder manch Opfer erbrachten,
für unsere Mütter und Großmütter, die allen Schwierigkeiten trotzten, um immer für uns da zu sein.
Sie spielt für all jene, die auch in Zeiten ohne Licht und Hoffnung nie den Mut verloren
Und uns zu neuen Taten, neuen Träumen, neuen Anfängen inspirierten.

Diese Orgel spielt für jene, die mit Waffe oder Feder für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit streiten.
Sie spielt auch für jene, die sich mutig der Waffe verweigern und damit Diktaturen trotzen.
Sie spielt für alle, die Sicherheit schaffen und dabei ihre eigene Sicherheit aufs Spiel setzen,
Und  für jene, die Lügen entlarven und Wissen verbreiten – vor allem dort, wo es verboten ist.

Diese Orgel spielt für die Journalistin, die an den gefährlichsten Orten ihre Reportagen dreht,
Für den Whistleblower, der alles verliert, um dunkle Machenschaft ans Licht zu bringen,
Für die unbekannte Soldatin, die ihr Leben gab, um Völkermorde zu verhindern,
Und für den Offizier, der desertierte, als man ihm befahl, Verbrechen zu begehen.

Diese Orgel spielt für den Jungen, der in den reißenden Strom springt, um ein Kleinkind zu retten,
Und für das Mädchen, das allen Drohungen trotzt und unermüdlich vor der unbequemen Wahrheit warnt.
Diese Orgel spielt für den politischen Gefangenen, der sich dem Regime mit Hungerstreik widersetzt,
Und für die Künstlerin, die vor Ort versucht, die Schlacht mit Friedensliedern zu verhindern.

Diese Orgel spielt für die Demonstrantin, die barhäuptig ihr Leben für Freiheit riskiert
Und für all jene, die sich sehenden Auges in Gefahr begeben, um anderen Gutes zu tun.
Diese Orgel spielt auch für so viele, die in diesen Zeilen zwar ungenannt bleiben,
Und doch vom selben Geist, vom selben Mut, vom selben Glanz beflügelt sind.

Diese Orgel spielt für alle, die dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben,
Damit andere nicht dulden, leiden, frieren, hungern oder sterben müssen.
Diese Orgel spielt für jene, die Heldinnen und Helden werden,
Damit andere nicht Opfer sind.

Des Weiteren wurde beschlossen:

Das Lied vom „Guten Kameraden“ kann selbstverständlich zu passenden Anlässen (20. Februar, 8. Mai, Gefallenengedenken, u.a.) gespielt werden. Als tägliches Musikstück steht es mit seinem starken militärischen Kontext aber klar im Widerspruch zur unter Punkt 2) vorgeschlagenen Widmung, welche ja auch Heldinnen und Helden umfasst, die entweder keinen militärischen Bezug haben oder deren Heldentum sich gerade durch ihre Abgrenzung zu Militär und Soldatentum zeigt. Für das Kalenderjahr 2023 soll daher wie vielfach vorgeschlagen die Europahymne am Ende der Mittagskonzerte gespielt werden. In den Folgejahren soll dann wiederum ein anderes Lied ausgewählt werden, damit jedes Jahr unter einem besonderen Motto steht. Dabei werden die Organisten gebeten, im Herbst jedes Jahres drei bis fünf Vorschläge zu machen. Die Kufsteiner Bevölkerung soll dann darüber abstimmen können, welches Lied im jeweiligen Jahr gespielt wird.

In Absprache mit der Festung Kufstein GmbH wird der Leiter der Musikabteilung der Tiroler Landesmuseen, Dr. Franz Gratl mit Absprache des Kufsteiner Heimatvereins beauftragt, die Inhalte der bestehenden Infotafeln zur Orgel im Bürgerturm überarbeiten und zu ergänzen. Auch der Online-Auftritt der Orgel soll auf den entsprechenden Seiten der Festung Kufstein entsprechend angepasst werden. Die Bedeckung für die inhaltliche Gestaltung und Fertigung der beiden Tafeln in der Höhe von max. € 1.300,00 erfolgt dabei aus dem HH-Konto: 1/329000-757000 – „Zuschüsse für Kulturveranstaltungen auf der Festung Kufstein“. Gleichzeitig soll noch eine zusätzliche Tafel über die Friedensglocke in der Partnerstadt Rovereto aufgestellt werden. Rovereto stellt im Gegenzug auch eine Tafel über die Kufsteiner Orgel auf. Die Bedeckung hierfür in Höhe von max.
€ 1.700,00 erfolgt aus dem HH-Konto: 1/063000-729020 „Aufwand für Städtepartnerschaften“.

Der Tod und das Mädchen

Drei Jahre nach Shakespeares „Richard III“ folgt im Mai 2023 meine erst zweite Inszenierung im Theatersaal des Kultur Quartiers – und meine insgesamt 20. Inszenierung eines abendfüllenden Theaterstückes.

Eine Frau und ihr Mann leben in einem Häuschen auf dem Land und versuchen gemeinsam, die traurige Vergangenheit ihres Landes hinter sich zu lassen. Sie haben die Diktatur überlebt, haben viel erdulden müssen und hoffen nun auf einen Neuanfang in der noch jungen Demokratie. Doch dann hat das Auto einen Platten. Der Mann steht allein an der Landstraße und hofft, dass ihn jemand mitnehmen und heimbringen möge. Endlich hält ein Wagen. Der Fahrer ist sehr freundlich, von Beruf Arzt. Man versteht sich sofort. Als aber die Frau seine Stimme hört – die Stimme des netten Doktors, der ihren Mann nach Hause bringt -, brechen dunkle Erinnerungen über sie herein. Obwohl ihre Augen damals fest verbunden waren, glaubt sie in ihm ihren einstigen Peiniger zu erkennen, der ihr vor fünfzehn Jahren in den Gefängnissen der Diktatur Schreckliches angetan hat. Doch ist er es wirklich? Die Frau scheint sich sicher zu sein. Ihr Mann zweifelt daran. Bevor der Arzt noch weiß, wie ihm geschieht, findet er sich gefesselt und geknebelt in der Macht einer Frau wieder, die ihm vorwirft, ein Monster zu sein. Sie will, dass er gesteht. Doch was, wenn er nichts zu gestehen hat?

Ein packender Thriller nimmt seinen Lauf. Im Spannungsfeld von Rache und Selbstjustiz, von Recht und Gerechtigkeit, von Schuld und Vergebung tun sich finstere Abgründe auf. Mit seinen überraschenden Wendungen und seinem psychologischen Tiefgang ist dieses Theaterstück des chilenischen Autors Ariel Dorfman bestimmt nichts für schwache Nerven.

Maria Elisabeth Reitberger steht in der weiblichen Hauptrolle dieses Stückes vor ihrer bisher größten Herausforderung als Schauspielerin. Mit ihren Darbietungen in „Der Krah“, „Rettungsboot an Unbekannt“ oder als Teufel im „Jedermann“ sowie ihrer Regiearbeit bei „Kosmetik des Bösen“ hat sie aber schon reichlich Erfahrung mit abgründigem Bühnengeschehen gesammelt.

Klaus Schneider spielt den freundlichen Arzt, hinter dessen Lächeln sich möglicherweise ein Monster verbirgt. Sein Talent für Nuancen und seinen Facettenreichtum stellte er schon in vielen grundverschiedenen Rollen unter Beweis. In Stücken wie „Cabaret“, „Richard III“, „Sommernachtstraum“, „La Cage aux Folles“ oder „Munde“ bewährte er sich bereits als Nazi, naiver Prinz, prahlerischer Handwerker, affektierter But(t)ler oder muslimischer Gastarbeiter – bunter geht’s kaum. Unvergessen ist aber auch seine Darbietung als „König Ödipus“ am Festungsneuhof.

Klaus Reitberger steht zum ersten Mal seit „Kosmetik des Bösen“ wieder in einer Hauptrolle auf der Bühne und führt gleichzeitig zum 20. Mal Regie bei einem abendfüllenden Theaterstück. „Der Tod und das Mädchen“ hat Potenzial, seine bisher intensivste und dunkelste Inszenierung zu werden – noch abgründiger gar als „Der Weibsteufel“ und „Die Thurnbacherin“.

Weitere Inszenierungen