Cole, Strasberg: Acting

Im Laufe der letzten paar Jahre habe ich mich durch einige Werke bedeutender Theatertheoretiker durchgearbeitet: Brecht, Boal, Kantor, Grotowski – nicht nur für meinen Theaterunterricht an der ISK sondern auch aus ganz persönlichem Interesse. Obgleich die Gedanken und Impulse dieser Denker bereichernd und faszinierend sind, hab ich mich doch stets am meisten bei Stanislawski zu Hause gefühlt. Noch viel besser als in seinen eigenen Büchern (die zwar eindrucksvoll aber auch ein bisschen wirr sind), kommt die Essenz seiner Theorie in dem im Bild gezeigten Werk zum Ausdruck. Die Titelseite täuscht. Strasberg und Cole sind wohl eher nur als Herausgeber zu nennen, nicht als Autoren. Auch Stanislavski spielt nur eine indirekte Rolle. In der Tat befindet sich in diesem Buch eine Sammlung von Essays bedeutender russischer Regiesseur:innen und auch Schauspieler:innen des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts. Diese Texte – vor allem jene von  Rapoport (The Work of the Actor), Sudakov (The Creative Process), Vakhtangov (Preparing for the Role), Giatsintova (Case History of a Role) und Zakhava (Principles of Directing) – gehören zu den besten theoretischen Schriften, die ich bisher über das Theater gelesen habe. Brillant verfasst und reich an Sätzen, die man am liebsten gleich drei- und vierfach mit dem Textmarker hervorhebt, geben sie Einblick in die damalige Theaterarbeit in Moskau und Sankt Petersburg. Dieses Buch wird jedenfalls einen großen Einfluss auf meinen Unterricht und meine künftigen Theaterprojekte haben.

Allgemein

2 Warum es gut ist, auf kommunalpolitischer Ebene parteifrei zu sein

Gehören möglichst viele Entscheidungsträger:innen auf kommunaler Ebene keiner überregionalen Partei an, so hat dies klare Vorteile für die Bevölkerung. Die Interessen von Nation, Bundesländern und Kommunen sind oft sehr verschieden. Die Unabhängigkeit dieser einzelnen Bereiche ist ein kostbares Gut. Konkret fallen mir in diesem Zusammenhang vier Effekte ein, die es einzeln zu betrachten gilt:

Für Parteifreie ist das kommunale Mandat keine Sprosse in der politischen Karriereleiter.

Vertreter:innen von Parteien, die auch auf Bundes- oder Landesebene agieren, sind manchmal weit weniger dem Wohl ihrer Gemeinde verschrieben als der persönlichen Karriereleiter. Ihre politische Tätigkeit auf Kommunalebene dient vielleicht nur als Sprosse, die den Aufstieg in überregionale Gremien bezweckt. Man gibt vor, sich vor allem um das Wohl der Gemeinde zu sorgen, um bei nächstbester Gelegenheit eben dieser Gemeinde den Rücken zu kehren und eine Sprosse höher zu steigen. Für eine parteifreie Fraktion ist dies anders, denn sie haben keine Leiter dieser Art. Sie haben keine Netzwerke, die ihre Mitglieder in höhere Ämter hieven könnten. Jedem Mitglied einer parteifreien Fraktion ist bewusst, dass man hier nicht für sich, sondern tatsächlich für das Wohl der Gemeinde arbeitet – und das ist gut so.

Parteifreien kann nicht von oben diktiert werden, wie sie sich zu entscheiden haben.

Ein:e parteitreue:r Kommunalpolitiker:in kann nie jenen Grad der Freiheit und Unabhängigkeit erreichen, wie er parteifreien Kolleg:innen zur Verfügung steht. Stets ist die Einflussnahme von oben möglich. Stets kann eine Landes- oder Bundespartei den Kurs vorgeben und ihren kommunalen Mitgliedern verbieten, das zu tun, wofür sie eigentlich gewählt wurden – nämlich dem Wohl einer Kommune dienlich zu sein. Gemeinden haben also eine höhere Wahrscheinlichkeit, Interessen durchzusetzen, die höheren Ebenen zuwider laufen, wenn sie möglichst viele parteifreie Mitglieder im Gemeinderat haben – und keine Marionetten übergeordneter Entscheidungsträger:innen.

Parteifreie können unabhängiger und schneller zu Entscheidungen gelangen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass parteifreie Fraktion in ihren Entscheidungen keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Landes- und Bundesparteien nehmen müssen. Sie können jederzeit frei entscheiden, haben sich nicht nach überregionalen Wahlterminen und den Terminkalendern höherer Gremien zu richten. Sie haben die Möglichkeit, jederzeit die Entscheidungen einer Landes- oder Bundesregierung zu kritisieren, ganz gleich aus welchen Parteien diese gebildet ist. Skandale und Umwälzungen auf höchster Ebene spielen für Parteifreie keine Rolle und haben keinerlei Auswirkung darauf, wie sie eine Gemeinde regieren. Sie können authentischer sein, ehrlicher und aufrichtiger. Auch transparenter. Es ist oft sehr unklar – und auch sehr unfair – wenn Fraktionen auf Kommunalebene in ihren Wahlkämpfen mehr oder minder stark von ihren Landes- und Bundesparteien unterstützt werden. Ist man von diesen Strukturen befreit, ist man zwar ärmer an Mitteln, aber reicher an Authentizität.

Parteifreie betreiben viel mehr Sachpolitik als Parteipolitik

Das Wohl und Ansehen einer Partei ist ein seltsames Gut, von dem die Bevölkerung nicht unbedingt profitiert. Gerechtigkeit und Fairness herrschen, wo es um die Sache selbst geht – und nicht um deren mögliche Auswirkungen auf das Image einer Partei. Dennoch scheint in vielen Fraktionen das Ansehen der Partei ein Wert zu sein, der in allen Entscheidungen mitschwingt. Oft verlangt es die Parteiraison, dass Einzelne nicht ihrer persönlichen Überzeugung folgen, sondern dem, was die Parteilinie vorgibt. Bei parteifreien Politiker:innen ist das anders. Sie sehen sich nicht so sehr als Kollektiv, sondern viel mehr als bunte Gruppe einzelner Menschen, in der jeder für sich zu Entscheidungen gelangt und darauf bedacht ist, das Hauptaugenmerk auf die Sache selbst zu richten – und nicht darauf, von wem der Vorschlag ursprünglich kam, wem er nützt oder wem er schadet. Dies führt auf Dauer zu mehr Gerechtigkeit.

Weitere Infos zu meiner kommunalpolitischten Tätigkeit inkl. einem Podcast-Gespräch mit Bürgermeister Martin Krumschnabel und mir finden Sie hier.

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1 Warum ich noch einmal Kulturreferent von Kufstein werden möchte

Bevor man über etwas spricht, sollte man zuerst klarstellen, was damit gemeint ist. Was macht man eigentlich als Kulturreferent einer 20.000 Einwohner:innen Stadt wie Kufstein? Welche Aufgaben gilt es da zu erfüllen? Viele. Als Kulturreferent gilt es vor allem, sich einen Überblick über alle in der Stadt tätigen Künstler:innen und Kulturinitiativen zu schaffen, für sie da zu sein und sie nach bestem Wissen und Gewissen im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen. Ich habe in den letzten sechs Jahren unzählige Gespräche mit Vertreter:innen unserer regen Kulturszene geführt, war regelmäßig zu Gast auf den Jahreshauptversammlungen Dutzender Vereine und habe selbstverständlich auch so viele Kulturveranstaltungen wie möglich besucht – mitunter mehrere pro Tag. Es gehört zur Aufgabe eines Kulturreferenten dazu, schwierige Entscheidungen zu treffen. Das Budget der Stadt ist begrenzt. Nicht alles ist möglich. Viele Wünsche von Vereinen, betreffend die Höhe ihrer Subventionen, müssen unerfüllt blieben. Die meisten können glücklicherweise in Erfüllung gehen. Es gilt abzuwägen. Es gilt, gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Kulturausschusses so fair und transparent wie möglich zu entscheiden, welche Höhe einer Subvention gerecht und angemessen ist. Dazu braucht man Input. Man muss die Kulturvereine und ihre Veranstaltungen kennen, muss sich durch die Finanzierungspläne der eingereichten Projekte und Jahresprogramme durcharbeiten.

Darüber hinaus hat man als Kulturreferent auch die Möglichkeit – und wie ich es sehe: die Pflicht, – sich in die Gestaltung des städtischen Kulturprogramms einzubringen und darin neue Impulse zu setzen. In Briefen wendet man sich an die Abonnent:innen und Besucher:innen der bis zu 30 städtischen Kulturveranstaltungen im Jahr und informiert über Inhalte und in Zeiten der Pandemie leider oft nötige Verschiebungen. Man sollte im Prinzip ständig erreichbar sein, immer bereit für Besprechungen und Veranstaltungen, immer offen, für Anregungen aus der Bevölkerung, um Kufstein in kultureller Hinsicht noch schöner zu machen. Man kümmert sich um die Vernetzung der unterschiedlichen Kulturvereine, veranstaltet Foren und Diskussionsabende und versucht, andere Mitglieder des Kulturausschusses sowie Stadt- und Gemeinderäte von der Notwendigkeit zusätzlicher Ausgaben für Kunst- und Kulturprojekte zu überzeugen. So zumindest habe ich diesen Job in den letzten Jahren gehandhabt.

Ach ja, eins noch: Man macht all das in seiner Freizeit, nebenbei, zusätzlich zu einem regulären 40-Stunden-Job – denn leben kann man von der mit dem Amt verbundenen Aufwandsentschädigung nicht.

Ist dies eine schöne Aufgabe? Absolut! Sie ist aber nicht immer leicht und oft sehr anstrengend und zeitintensiv, mitunter auch frustrierend. Oft muss man Rückschläge in Kauf nehmen. Manch schönes Projekt scheitert am mangelnden Zuspruch anderer Fraktionen. Es kann auch sehr schmerzhaft sein, wenn man sich sehr für eine Kulturinitiative einsetzt, das Maximum an Subvention im Rahmen der Möglichkeiten für ein Projekt gegen viel Widerstand durchsetzt und dann von den Vertreter:innen selbiger Kulturinitiative statt Dank nur Vorwürfe erntet, da jene sich ungerecht behandelt fühlen, weil vielleicht nicht alles möglich war. Das kommt vor. Das muss man aushalten. Das Amt des Kulturreferenten nimmt viel Zeit, vor allem viele Abende, für sich in Anspruch, insbesondere am Wochenende – denn die meisten Veranstaltungen und Jahreshauptversammlung finden an Wochenend-Abenden statt. Oft wird natürlich auch erwartet, dass man eine Rede hält. Vor Ausbruch der Covid-Pandemie war ich wohl fast jeden Freitag- und Samstagabend im Einsatz, auch an vielen Wochentagen, im Durchschnitt wohl jeden zweiten Tag. Man meint gar nicht, wie reich an Veranstaltungen Kufstein ist. All das kann natürlich sehr bereichernd und inspirierend sein. Ich habe meine Besuche bei den Versammlungen von Kultur- und Traditionsvereinen sehr genossen und viel dabei gelernt. Natürlich würde man sich gelegentlich auch einfach wieder einmal einen ruhigen Abend gönnen und sich vielleicht einen Film ansehen oder einfach mal wieder gemütlich essen gehen. Natürlich leidet manch Hobby darunter, dass nur mehr wenig Zeit dafür bleibt.

Ich will hier ganz ehrlich sein. Ein Teil von mir würde wohl aufatmen, wenn ich diese schwierige Aufgabe abgeben darf. Doch das möchte ich nicht. Denn ein größerer Teil von mir hat noch viel vor und blickt mit Freude und Stolz auf das in den letzten Jahren Erreichte und Erlebte zurück. Ich bin froh, dass es mir mit der Einführung der „Nacht der Kunst“ gelungen ist, eine alljährlich wiederkehrende Feier zu schaffen, bei der alle Kunstschaffenden der Stadt zusammenkommen und von Seiten der Stadtgemeinde jene Anerkennung und jenen Dank bekommen, den sie sich verdient haben – denn sie sind es, die unsere Stadt mit Geist und Emotion erfüllen. Ich bin froh, dass es trotz erbittertem Widerstand anderer gelungen ist, die Miete für die Stadtgalerie zu subventionieren, sodass seit mehr als zwei Jahren schon ein ständiger Galeriebetrieb in der Kinkstraße herrscht. Über fünfzig verschiedene Künstlerinnen und Künstler konnten so ihre Werke der Öffentlichkeit präsentieren. Das Projekt „Stadtgalerie“ ist eines von mehreren, das ursprünglich aus den von mir veranstalteten „Kultur-Foren“ hervorging, einem regelmäßigen Treffen der wichtigsten Kulturschaffenden der Stadt, bei welchem man sich vernetzt, sich gemeinsam informiert und Initiativen startet. Ich bin froh, dass ich die „Kufsteiner Nachtgespräche“ als Vortragsreihe im städtischen Kulturprogramm installieren konnte. Ich bin froh, dass ich auch mit dem „Silent Cinema“ im Sommer und mit der Fortführung der „Klassik am See“ die Menschen begeistern konnte. Auch, dass der Operettensommer nun immer mehr hin zum Musical tendiert und weiter fortgesetzt wird, freut mich sehr. Mit dem Glaskunstwerk im Stadtpark und der Karl Ganzer Skulptur am Ende der Römerhofgasse war ich auch unmittelbar daran beteiligt, mehr Kunst im öffentlichen Raum zu schaffen. Ein gerade erst ins Leben gerufener Skulpturenwettbewerb soll hier noch weitere Werke möglich machen.

Es hat mich all die Jahre lang mit Freude erfüllt, Kufstein kulturell beflügeln zu dürfen und seinen Kulturvereinen jenen Wind unter ihre Schwingen zu geben, der es ihnen erlaubte, sich in neue Höhen zu erheben. Viel ist geschehen. Nacht sechs Jahren bin ich nun bestens bekannt mit allen Funktionären unserer Kulturszene. Man kennt sich. Man arbeitet gut zusammen. Und man hat viele Pläne für die Zukunft.

So wie in den letzten Jahren die bildende Kunst forciert wurde, möchte ich mich nun auf die Literatur stürzen. Auch im städtischen Kulturprogramm soll es künftig hochkarätige Lesungen von international anerkannten Autor:innen geben. Zudem möchte ich einen regelmäßigen Literaturcafé-Treff möchte gründen. Kunst im öffentlichen Raum soll viel präsenter werden. Einige Flächen der Stadt bieten sich wunderbar dafür an, mit Street-Art oder mit Skulpturen bereichert zu werden. Auch die während der Vorarbeit für das Projekt „Kufstein schreibt Stadtgeschichte“ so beliebten Erzählcafés würde ich gerne wieder einführen. Auch den Jazz als Musikgenre wollen wir lauter und häufiger in der Stadt erklingen lassen. Ich möchte auch die Zusammenarbeit mit unserem Kino am seinem neuen Standtort intensivieren und gemeinsam etwa das Streaming von Opern und hochkarätigen Ted-Talks mit Einbindung ins städtische Kulturprogramm verwirklichen.

Neben diesen und anderen neuen Initiativen geht es mir aber vor allem auch darum, in den letzten Jahren etablierte Projekte erfolgreich weiterzuführen. Ob „Nacht der Kunst“, „Nachtgespräche“, „Kultur-Foren“, etc. – ich habe große Sorge, dass diese Initiative ohne mein persönliches Engagement und ohne meine ständig darin investierte Zeit und Arbeit leicht wieder verschwinden würden. Das wäre doch sehr schade.

Mit unseren Kulturvereinen habe ich in den letzten Jahren ein sehr gutes, auf gegenseitigem Vertrauen errichtetes Verhältnis aufgebaut, das ich gerne in die Zukunft weiterführen würde. Man kennt sich. Man weiß um vergangene Projekte und kann auf Basis des Bisherigen entscheiden, wie viel Subvention fair und gerecht ist. Dafür braucht es die nötige Erfahrung.

Kurzum: Wenn man möchte, dass ich mich weiterhin als Kulturreferent der Stadt Kufstein engagieren darf, sollte man bei der Gemeinderatswahl am 27.2. die Parteifreien wählen. Nichts ist gewiss. Jede Stimme zählt. Es wäre mir eine Ehre, weitere sechs Jahre lang die Kufsteiner Kulturszene in all ihrer Farbenpracht und Lebendigkeit zu unterstützen. Es wäre mir eine Freude, weitere Impulse umzusetzen. Auch, wenn es manchmal hart ist. Auch, wenn man manchmal scheitert. Auch, wenn es viel Zeit kostet. Für Kunst. Für Kultur. Für das Gelächter und die Tränen des Publikums. Für die kostbaren Gedanken, die beim Betrachten neuer Werke entstehen und unser aller Leben reicher machen.

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Abdulrazak Gurnah: Paradise

Eben las ich den Roman „Paradise“ von Abdulrazak Gurnah, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2021, zu Ende. Spannend. Die Genres von Entwicklungs- und Reiseroman sind hier schön miteinander verwoben – und dies vor dem Hintergrund der ostafrikanischen Kolonialgeschichte, in welcher immer wieder deutsche Soldaten und ihre Askaris als handlungsveränderte Begleitumstände fungieren, so wie Stürme im Meer. Das Meer selbst aber ist auch ohne diesen Sturm keine Idylle, sondern ein Fressen und Gefressen werden von gierigen Händlern aus Indien und Arabien, sowie grausamen Indigenen. Das Märchen vom friedlichen Naturzustand, das Rousseau einst träumte, ist für Gurnah eine absurde Chimäre, die niemals Wirklichkeit war. So tritt uns der Kolonialismus in dieser Geschichte nur als ein Übel von vielen entgegen, ein Umstand, der aber keinesfalls dazu dienen mag, ersteren als weniger verheerend zu sehen. Selbst die unberührte Natur Tansanias ist in diesem Roman alles andere als paradiesisch. Die Moskitos, die dort schwärmen, sind nicht weniger blutrünstig als die Menschen.

Vor diesem Hintergrund lernen die Lesenden den Protagonisten Yusuf kennen. Wir erleben sein „Coming of Age“. Wir erleben seine Reisen ans Meer und ins Landesinnere. Handelstreibende Kraft wird er nie. Vielmehr schwimmt er recht passiv auf den Wellen einer unruhigen Zeit und wird mal dahin, mal dorthin getrieben. Dasselbe trifft auch auf andere Charaktere zu. Alles sind sie wie Treibut, das von geschichtlichen Strömungen getragen an irgendwelchen Küsten strandet und sich fragt, was es da soll. Lässt sich irgendein Glück in diesen Gestaden finden? Vielleicht. Jedenfalls hilft es, wenn man einen Garten anlegt. (Und somit wären wir bei Voltaire.) Das Gute in Gurnahs Welt muss man lange suchen. Vielleicht findet man es zwischen den Zeilen.

Alles in allem ist dies ein Roman, der vermag, den westlichen Leser:innen endlich die Augen für die weite Welt der außereuropäischen Literatur zu öffnen. Die Globalisierung ist wirtschaftlich leider viel schneller vorangeschritten als kulturell. Viel zu wenige Menschen Europas kennen die literarischen Schätze Afrikas und Asiens. Viel zu wenige haben Mahabharata und Ramayana kennengelernt. Viel zu selten liest man in Europa die großen Erzählungen Chinas, Indiens und Japans. Zur indischen Literatur der Moderne hat uns vor Jahren schon Salman Rushdie die Pforten geöffnet. In der Tat fühlte ich mich bei „Paradise“ gelegentlich an das ungleich monumentalere Werke „Midnight’s Children“ von Rushdie erinnert. Gurnahs Erfolg vermag hoffentlich, auch die afrikanische Literatur zu höheren Bekanntheitsgraden zu führen. Es gibt hier noch viele Schätze zu bergen. „Paradise“ ist einer davon.

Allgemein

Lichtfestival: Stimme der Burg

Als überzeitliche Beobachterin, als mitfühlende Zeugin der Jahrhunderte spricht die Burg im Rahmen des Lichtfestivals zu uns Menschen. Sie erzählt uns vom Wandel, der sich in Stadt und Land um sie herum zugetragen hat, von Krieg und Frieden, von Krankheit und Heilung, von Unwissen und Bildung, von Mensch und Natur. In großflächigen Projektionen, untermalt von Orgelmusik, nimmt uns die Burg mit auf eine Reise durch die Vergangenheit in die Zukunft. Damit gibt sie uns Hoffnung und Zuversicht, weckt aber auch Aufbruchsstimmung und Mut zur Veränderung. Auf jeden Fall bietet unser Lichtfestival „Stimme der Burg“ einen emotionalen Aufbruch ins neue Kalenderjahr.“

Von 27. Dezember bis Ende Januar wird die Festung Kufstein ihre Stimme erheben. Es war mir eine Ehre das Narrativ zu dieser einmaligen Show gestalten zu dürfen.

Alle Infos: https://lichtfestival.kufstein.at/de/ueber-das-lichtfestival.html

„Als ich darum gebeten wurde, mir ein Narrativ für das Lichtfestival auf der Festung Kufstein zu überlegen, war für mich gleich klar, dass ich unserer Burg keine künstliche Geschichte andichten wollte. Die Realität ist faszinierend genug. Unsere Burg ist ein bis zu 1000 Jahre altes, komplexes Konstrukt aus Felsen, Mauern und Schächten. Was hat sich in all der Zeit wohl rund um sie ereignet? Könnte die Burg sprechen, sie wüsste viel zu erzählen. So geben wir ihr also eine Stimme!“

da Krah

Jetzt also doch noch: Verspätet aber noch im Jahr 2021 wird „da Krah“ in Kufstein Premiere feiern!

Immer wieder schön, wenn ein alter Text zum Leben erwacht. Ich habe „da Krah“ vor neun Jahren geschrieben. Etwas später erschien das Stück beim Deutschen Theaterverlag. 2016 wurde es in Molln, Oberösterreich uraufgeführt. Nun hat dieser Vogel also tatsächlich seinen Weg nach Kufstein geschafft.

Mehr Infos: http://www.stadttheater-kufstein.at/der-krah/

Kufstein im 20. Jahrhundert – ein Stadtalbum

Eben habe ich auch die letzten Zeilen des über 500 Seiten starken „Stadtalbums“ gelesen und die letzten Bilder zu Ende betrachtet. Trotzdem werde ich dieses Buch wohl immer wieder einmal aufschlagen – und empfehle dies auch allen anderen Menschen, die einen Nahebezug zur Stadt Kufstein haben.

Unser Blick aufs 20. Jahrhundert mit seinen Stern- und Dunkelstunden wird durch dieses Dokument entscheidend geschärft. Man sieht so viel mehr als bisher, wenn man nach der Lektüre dieses von Historiker:innen wissenschaftlich erarbeiteten Kompendiums durch die Festungsstadt wandert und all die Geschichten und Gesichter von einst wieder in Erinnerung treten.

Bücher über Kufstein gab es schon viele. Aber noch nie wurde ein so konzentrierter Blick aufs 20. Jahrhundert geworfen wie diesmal. Noch nie waren so viele professionelle Historiker:innen beteiligt. Noch nie hat man noch lebende Zeitzeug:innen so intensiv eingebunden wie bei den für das Entstehen dieses Buches so wichtigen Erzählcafés und anderen Initiativen. Noch nie hatte man so viele Quellen zur Verfügung – Quellen für alte Fotos, für historische Fakten, für Anekdoten und Geschichten. Noch nie hat man mit so viel Gespür und Feingefühl die Geschichte Kufsteins im 20. Jahrhundert erzählt.

Zum Projekt „Kufstein schreibt Stadtgeschichte“ gehören natürlich auch die thematisch geordneten Bände der Edition Kufstein, von denen vier schon erschienen sind und noch weitere folgen werden. Das Herzstück des ganzen Unterfangens ist aber dieses Stadtalbum, das in vielen nützlichen Querverweisen auch immer auf die Bände der Edition referenziert. Hervorzuheben ist auch das gelungene Design. Auch die literarische Einrahmung mit den großflächigen Fotographien und den berührenden Essays des Schriftstellers Christoph W. Bauer verdient Lob und Anerkennung.

Viele werden sich in diesem Buch wiederfinden. Viele werden sich erinnert fühlen an das, was einst war und nicht mehr ist. In jedem Fall erlebt man die Gegenwart ganz anders, wenn sie vom Wissen um die Vergangenheit beleuchtet wird. Vielleicht findet man dann auch leichter den Weg in die Zukunft.Es tut gut, in einer Stadt zu leben, die sich nicht scheut, der eigenen Geschichte derart mutig ins Gesicht zu blicken.

https://www.kufstein.at/…/kufstein-schreibt…

Die vierte Welle hat uns

Wenn die Regierungen nicht in der Lage sind, rechtzeitig zu handeln, so müssen dies eben Gemeinden und Vereine tun. Nicht alles, was noch erlaubt ist, kann ethisch vertreten werden. Österreich hat derzeit die zweithöchschte Covid-Inzidenz weltweit. Die Mahnungen der Epidemiolog:innen und Intensivmediziner:innen könnten kaum eindringlicher sein.

In Anbetracht dessen verschiebt die Stadt Kufstein die derzeit anstehenden Veranstaltungen im Kulturprogramm, z.B. das für diesen Samstag geplante „Orbis Quartett“, auf unbestimmte Zeit. Auch das Stadttheater Kufstein hat die heutige Premiere von „da Krah“ schon abgesagt. Ich gehe davon aus, dass leider auch der Weihnachtsmarkt im Stadtpark nicht stattfinden kann. Außerdem empfehle ich allen übrigen Vereinen, anstehende Veranstaltungen abzusagen. Es geht sich nicht mehr aus. Die Zustände in den Krankenhäusern sprechen eine klare Sprache.

NICHT ABGESAGT, sondern per Online-Live-Stream durchgeführt wird auf jeden Fall das Kufsteiner Nachtgespräch nächsten Freitag. Die Thematik könnte kaum aktueller sein, vor allem jetzt, da eine Impfpflicht wieder im Raum steht: „Menschenrechte zur Zeit der Pandemie“ Klicken Sie sich rein und diskutieren Sie mit!Hier der Link zum Streaming-Ticket: https://www.oeticket.com/…/marie-luisa-frick-oeticket…/

Gedanken zur Kufsteiner Gemeinderatswahl 2022

In dieser Rubrik werde ich in den nächsten Wochen immer wieder einmal ein paar Gedanken zur anstehenden Gemeinderatswahl niederschreiben. Fragen wie „Warum ist es gut, auf kommunalpolitischer Ebene parteifrei zu sein?“, „Warum ist Martin Krumschnabel der bestmögliche Bürgermeister für Kufstein?“, „Warum will ich noch einmal Kulturreferent werden? oder „Warum bin ich eigentlich nicht bei den Grünen?“ verdienen es, beantwortet zu werden. Anfang Januar kommt der erste Text. Ich hoffe auf interessierte Leser:innen.

Warum ich Kommunal-Politiker bin
(Ein paar Beweggründe)

Politics in action (Videos aus dem Gemeinderat)

Wie man eine Perle findet (ein Ideen-Buch)

Politisches Wirken
(Was ich
erreicht habe)

Gedanken zur Gemeinderatswahl 2022

Stadtmagazin-Beiträge (2016-22)

Wie man eine Perle findet

Ein schönes Projekt, das mir recht viel Freude bereitet hat. Gemeinsam mit Martin Krumschnabel und dem Team der Parteifreien legen wir in diesem Büchlein anhand einer romantischen Erzählung dar, wie sich Kufstein bis ins Jahr 2030 entwickeln könnte. Die Ideen vieler kreativer Menschen flossen hier mit ein.

Zusätzlich zum Taschenbuch gibt es die Geschichte auch als eBook und Hörbuch.

Das Taschenbuch kann man bei Gitta’s am Unteren Stadtplatz in Kufstein kostenlos abholen.

Das Hörbuch gibt’s auf YouTube und Spotify.

Das eBook gibt’s für €1 im Amazon-Kindle-Store.

Und hier geht’s zur Berichterstattung über die Buchpräsentation im Kufsteinblick

Warum ich Kommunal-Politiker bin
(Ein paar Beweggründe)

Politics in action (Videos aus dem Gemeinderat)

Wie man eine Perle findet (ein Ideen-Buch)

Politisches Wirken
(Was ich
erreicht habe)

Gedanken zur Gemeinderatswahl 2022

Stadtmagazin-Beiträge (2016-22)


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