Ich habe bisher noch kein einziges Mal ChatGPT verwendet. Auch KI-basierten Bildgeneratoren und anderen Tools, die auf Basis von BigData scheinbar Neues schaffen, bin ich bisher fern geblieben. Das heißt aber nicht, dass ich mich nicht eingehend mit KI beschäftigt habe. Neben zahlreichen fundierten Artikeln zum Thema habe ich neulich gerade das aktuelle Buch „Alles überall auf einmal“ von Miriam Meckel und Léa Steinacker gelesen, das nicht nur einen historischen Überblick über die Geschichte der KI als auch einen umfassende Diskussion von Möglichkeiten und Risiken beinhaltet.
Mein persönliches Fazit aus alledem ist, dass ich bei meinem Boykott von KI-Tools bleiben werde. Der Hauptgrund dafür sind die ökologischen Verflechtungen. Es ist geradezu frappierend, wie exorbitant der Verbrauch von Wasser zum Kühlen der von KI in Anspruch genommener Rechner, der Stromverbrauch und der damit einhergehende CO2-Ausstoß ist. Aus oben angeführtem Buch kann man lernen, dass ChatGPT für jede Konversation mit 20 bis 50 Fragen einen halben Liter Wasser benötigt. Multipliziert man dies mit den derzeit schon mehreren Millionen „Gesprächen“ pro Tag, so ist dieser Verbrauch jetzt schon unverhältnismäßig hoch und steigt mit zunehmender Nutzung rasant an. Bald könnten Menschen verdursten, weil sich anderswo andere Menschen zu bequem sind, ihre Texte selbst zu schreiben. Es ist bizarr. Des Weiteren wird für jedes KI-generierte Bild die Strommenge gebraucht, die wir für das vollständige Laden eines Smartphones benötigen. Strom ist Mangelware. Es gibt ausreichend sinnvollere Weisen ihn einzusetzen. Was den ökologischen Fußabdruck betrifft, so verursacht das Training eines einzigen Transformer-Modells (und da gibt es neben ChatGPT ja viele weitere) knapp 300 Tonnen an CO2 Emissionen, dem äquivalenten Ausstoß von 57 durchschnittlichen Menschen während ihres gesamten Lebens von Geburt bis Tod.
Kurzum: Eine massenhafte Anwendung von KI im Alltag der Menschen können wir uns rein ökologisch nicht leisten. Jeder, der sich diesem Trend verweigert, steht auf der richtigen Seite der Geschichte.
Dies heißt nun nicht, dass ich KI im Allgemeinen ablehnend gegenüberstehe. Ganz im Gegenteil: Sie kann der Menschheit ungemein wertvolle Dienste leisten und richtig angewandt mehr Wohlstand, Sicherheit, Nachhaltigkeit, etc. liefern. KI kann den Weg zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verkürzen, kann z.B. in Sachen Infrastruktur zu dringend nötigen Effizienzsprüngen führen. KI kann auch einen wesentlichen Beitrag zu Klimaschutz und Klimawandelanpassungsstrategien leisten. Aber all dies leistet sie nicht dadurch, dass Hinz und Kunz damit Bilder generieren, sondern indem sie von qualifizierten Institutionen zielgerichtet genutzt wird. Für die Verwendung von KI sollte man ein ähnliches System einführen wie etwa für die Nutzung der großen Teleskope der ESO in Südamerika. Institutionen, Behörden, NGOs, Vereine oder auch Privatperson schreiben Nutzungsanträge mit konkret ausformulierten Zielsetzungen zum Wohle der Allgemeinheit und bekommen nach fundierter Prüfung begrenzte Nutzungskontingente zur Verfügung gestellt. Ein solches System wäre viel nachhaltiger, zielführender und schlichtweg besser als eine flächendeckende KI-Nutzung durch jedermann, die letztlich zu Unmengen an nutzlosem Datenmüll, zu Deepfakes und schlichtweg zu faden Texten und schlechten Bildern führt.
Ist es nicht traurig, dass in Anbetracht so vieler sinnvoller Anwendungsgebiete von KI, diese von der Allgemeinheit zur Zeit vor allem für Tätigkeiten verwendet wird, die wir einst als sinnstiftend und urmenschlich definierten und deren Verlernen eine große Lücke zurücklassen würde? „Je mehr uns KI das Schreiben abnimmt, desto mehr verlernen wir, es selbst zu tun. Je mehr KI für uns die Welt beschreibt, desto weniger werden wir in der Lage sein, ihre Komplexität (durch Sprache) zu erfassen. Die Welt wird zu einer verschwommenen JPEG.“ um nochmals das gelungene Buch von Meckel und Steinacker zu zitieren. Der ausufernde private Gebrauch von KI, der sinnlose Videos mäßiger Qualität und vieles mehr, das wir nicht brauchen, hervorbringt, beschneidet uns auch in der Anwendung menschlich wertvoller, sinnstiftender Tätigkeiten. Er lenkt uns auch ab in der Erfüllung jener Aufgaben, die angesichts der Multikrise der Gegenwart im Vordergrund stehen sollten. Und leise erklingt schon der Vorwurf der nächsten Generation: Ihr hättet die Erde gerade noch retten können, aber ihr habt lieber KI-generierte Bilder und Videos angestarrt. Wünschenswert wäre jedenfalls ein Trendwende, die dazu führt, dass das übermäßige Herumgespiele mit KI nicht mehr en vogue, sondern ähnlich verächtlich betrachtet wird wie Flugreisen und übermäßiger Fleischkonsum. Mal sehen, wie die Geschichte weitergeht.