Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung

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Nach 1247 Seiten Schopenhauer ist man doch etwas erleichert, diese Reise endlich hinter sich gebracht zu haben. Doch der Weg lohnt. Wer meint, nach der Lektüre der beiden Preisschriften und der ach so beliebten Aphorismen zur Lebensweisheit schon ein vollständiges Bild des charmanten Griesgrams zu haben, der irrt. Dazu muss man doch zum Hauptwerk greifen – und die Welt als Welt als Wille und Vorstellung begreifen.

Die Polemik gegen Hegel ist herrlich. Die hämische Sicherheit, die Schopenhauer an den Tag legt, wenn er Atomtheorie und Newton’sche Optik als falsch hinstellen möchte, amüsiert sehr. Doch abgesehen dieser Amusements am Rande ist man doch immer frappiert von dieser Überdosis Pessimismus, die da aus allen Worten klingt. Ich hätte mir nicht gedacht, in so vielen Punkten radikal anderer Meinung zu sein, wie Arthur Schopenhauer. Er rückte mir mit jedem Wort ferner. Im Gegensatz dazu, begreife ich nun besser, welchen ungeheuren Schritt es für Nietzsche bedeutet hat, sich nach seiner Frühphase als Schopenhauer-Fan so radikal von dieser letzten, dunklen Blüte des deutschen Idealismus loszusagen und endlich der Erde treu zu bleiben. Andererseits bedarf es schon allerhand geistiger Verrenkung um Schopenhauer auf seinem Geheimgang über den Willen zum Ding an sich zu folgen. Wahrlich verschlungene Pfade.

Und doch gibt es auch viele Züge in seinem Denken, die begeistern und immer noch nachwirken sollten – etwa seine Rolle als einer der ersten Tierrechtler, der die Tore der Ethik auch für nichtmenschliche Zeitgenossen öffnete. Seiner diesseitsverneinenden Asketenphilosophie („Es gibt nur einen angeborenen Irrthum, und es ist der, daß wir dasind, um glücklich zu seyn.“) allerdings kann ich nur ablehnend gegenüberstehen und halte es mit Nietzsche: „Seit es Menschen gibt, hat der Mensch sich zu wenig gefreut.“Jedenfalls ist die Welt weder Wille noch Vorstellung sondern „atoms in the void and the forces that govern them.“ Viva Demokrit! Nach so viel feuchtem Dschungel tut der kalte Wind des Materialismus doch ungeheuer gut.

Und jetzt freu ich mich zur Abwechslung auf einen guten Roman.

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