Good-bye academia

So.

Die letzten 13 Jahre meines Leben habe ich zu großen Teilen an der Universität Innsbruck zugebracht, zuerst studierend, dann forschend. Mit dem heutigen Tag geht dieser Abschnitt meines Lebens, meine Zeit als aktiver Wissenschaftler, zu Ende – vielleicht nur vorläufig, vielleicht auch endgültig.

Hier bin ich also noch einmal, am Technik-Campus der naturwissenschaftlichen Fakultät. Seit 13 Jahren geistere ich durch diese Hallen, Hörsäle und Korridore, seit neun Jahren hab ich hier ein Büro im Institut für Astro- und Teilchenphysik. Zuerst war ich Studierender, dann Doktorand, schließlich PostDoc. Ich habe Universitätsvorlesungen gehalten, Kurse geleitet, habe vor allem aber geforscht und den oder anderen Beitrag geleistet, ein bisschen mehr Wissen über unser Universum zu generieren. In vielen internationalen Konferenzen von Kalifornien bis Japan durfte ich von meinen Forschungen erzählen, habe sie auch in internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Ich bin zufrieden. Es war schön, dieses Astrophysiker-Dasein. Doch immer schon hatte ich eine Menge anderer Interessen, immer schon zwei, drei und mehr Lebensbereiche. So entschließe mich also aus freien Stücke, meiner Wissenschafts-Karriere ein vorläufiges Ende zu setzen. Es gibt Tätigkeiten, bei denen ich meine Talente und Fähigkeiten noch besser und gezielter einsetzen kann – glaube ich zumindest. Und sind diese Tätigkeiten auch weniger lukrativ, so sind sie doch erfüllender.

So verbringe ich nun also die letzte Stunde in jenem Büro mit fantastischer Aussicht im achten Stock des Viktor Franz Hess Hauses, wo ich in den letzten Jahren so viel Zeit verbrachte. Ich habe hier Satelliten-Daten aus dem Gammastrahlenuniversum analysiert und Mondaufgänge gesehen. Ich habe hier Simulationen auf Super-Computern gestartet und das Alpenglühen der Berge betrachtet. Ich habe hier wissenschaftliche Publikationen geschrieben, klassische Musik gehört und viel Kaffee getrunken.

Abschied nehmen heißt es nun also von Kolleginnen und Kollegen, Abschied nehmen von vertrauten, mit vielen Erinnerungen übertünchten Räumen, Abschied nehmen von dieser Aussicht auf das leuchtende Innsbruck und von allen anderen Dingen, die mit diesen Menschen, diesem Gebäude, diesem schönen Beruf zu tun haben.

Nun denn. Logging off. Ein letztes Mal in der Shell meines getreuen Arbeitsrechners den sl Command tippen und den Zug vorbeifahren sehen. Alles ist gesichert. Alles ordnungsgemäß übergeben. Die Wände sind schon kahl. Alles ist abgehängt. Und wir öffnen einen Terminal. Und wir tippen den berüchtigten „burn-the-bridge-and-don’t-look-back“ Befehl: sudo rm -rf /*

Und Enter.

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