Abendrot

Inspiriert von Filmen wie „Das Meer in mir“ und von den Aktivitäten des Vereins „Letzte Hilfe – Verein für selbstbestimmtes Sterben“ schrieb ich ein Theaterstück, dass zur damals auch in Österreich hitzig diskutierten Gesetzeslage zum „assistierten Suizid“ klar Stellung bezog und dabei so ungemein emotional war, dass wohl fast jeder im Publikum zu Tränen gerührt wurde. Zugleich war dieses Theaterstück auch ein Geschenk an meine Mutter, die darin wohl eine ihrer schönsten Hauptrollen spielte. Untermalt mit Einaudi-Klängen erzählten wir die berührende Geschichte von Egilda Gruber, die mutig und selbst-bestimmt ihrem Ende entgegen-blickt – dafür aber Hilfe bitter nötig hat. Was macht ein Menschenleben aus? Sind wir denn mehr als der schöne Schatz unserer Erinnerunggen? Obwohl das Thema ein ernstes war, schaffte es dieses Stück, in unseren Köpfen ein leuchtendes „Ja!“ zum Leben zünden. Am Ende stellte sich dem Publikum die große Frage: Was würde man selbst tun? Würde man Egilda an ihrem Vor-haben hindern wollen? Oder würde man ihr sogar helfen wollen und sich dabei strafbar machen? „Abendrot“ ist ein Beispiel politi-schen Theaters, das zu einer aktuellen Debatte einen Beitrag zu leisten vermochte und bei vielen Zuschauer:innen wohl zum Umdenken führte. Vielleicht wurde dadurch auch ein kleiner Beitrag dazu geleistet, dass es tatsächlich zu einer Gesetzesänderung kam und der assistierte Suizid in Österreich seit 2022 rechtlich zulässig ist. Schön war auch, dass wir bei dieser Inszenierung mit Mohmad Alkarmi auch einmal mehr einem jungen Menschen mit Fluchtvergangenheit die Möglichkeit schenkten, Theater zu spielen. Neben fünf Aufführungen in der Landesmusikschule Kufstein bleibt uns auch jene im verschneiten Jochberg in bester Erinnerung.


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