Bierstindl Kleinkunst Röhre

Röhre

Vom 29. bis 31. Oktober findet in Innsbruck zum vierten Mal die Bierstindl Kleinkunst Röhre statt. Zwölf KleinkünstlerInnen machen sich bereit auf der Bühne ihr Können zu zeigen und zwar in den Bereichen Text, Musik und Körper.

Ich weiß zwar nicht warum, aber es scheint ganz so, als wäre unter diesen zwölf auch ich dabei. Und das Beste ist: Es scheint nicht nur so, es ist sogar so. Jedenfalls freue ich mich sehr auf die Veranstaltung und auch darauf, mit der illustren Runde meiner Konkurrenten – ich hab sie eben allesamt gegoogelt – Bekanntschaft zu machen.

Zu gewinnen gibt es übrigens das seltsame Ding gleich links dieser Worte, das sich laut Bierstindl-Hompage „die beröhrenste Röhre“ nennt. Meiner Meinung nach fehlt da irgendwie ein „d“.

Ach ja, als Draufgabe zur Röhre gibt es auch noch 1500,- Euro Preisgeld. Nicht übel.

Ich mache mir keine großen Hoffnungen zu gewinnen, da – soweit ich sah – viele meiner Mitstreiter um einiges erfahrener auf dem Gebiet der Kleinkunst sind, als ich es bin. Schon dabei zu sein, ist eine Ehre.

Jedoch werde ich auf der Bühne wieder einmal alles geben und sehen, wohin mich dies bringt. Mein 15 min Solo-Programm wird, soweit ich das jetzt schon sagen kann, ein wenig seltsam werden, ja sogar ein wenig schizophren, dabei aber auch feurig, stürmisch und bedrohlich. Und vielleicht gibt es sogar zwei oder drei Stellen, an denen man lachen kann.

Ich würde mich sehr freuen, ein paar bekannte Gesichter im Publikum zu sehen. Jedenfalls ist der Eintritt bei den Vorrunden frei. Es treten wirklicht tolle Künstler auf. Für ein abwechslungsreiches Programm sollte gesorgt sein. Und wer nicht kommen kann und mich trotzdem mag, der wünsche mir Glück.

Bierstindl Kleinkunst Röhre

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Die Vögel – Aristophanes

Den gestrigen Abend verbrachte ich im bayrischen Markt-Oberdorf, wo ich Zeuge zweier schöner Ereignisse wurde. Das erste ein Naturschauspiel, das zweite ein Kulturschauspiel.

Ich hatte gerade gut gegessen und spazierte nun durch die Straßen des noch fremden Ortes. Es verblieb noch knapp eine Stunde bis zum Beginn der Aufführung von Aristophanes‘ „Die Vögel“, dem Grund meiner Anreise. Ich wollte die verbleibende Zeit nutzen, um – wie ich es gerne tue – ein wenig ziellos umher zuwandern und zu sehen, ob es etwas zu entdecken gäbe. Als ich also nun in die Gschwonderstraße einbog und nach Westen blickte, da sah ich sogleich den Beginn einer vielversprechenden Sonnenuntergangsphase. Die Wolken waren gerade richtig aufgestellt, die Luftfeuchtigkeit war auf dem rechten Niveau und unser Stern und Lebensspender Sonne schwebte das letzte Stück dem Horizont zu. Das war der Westen. Als ich nun aber nach Osten blickte, da sah ich etwas, das mich – unerwartet wie der Anblick war – für Momente mitten auf der Straße stehen bleiben ließ. Ich sah den Mond, den vollen blassen Mond, knapp über Wipfeln der Bäume am Hügel, doch immer noch weit unterhalb der Spitze des Kirchtums von Sankt Martin am milchig blauen Dämmerungshimmel leuchten. Was soll nun an dem Mond Besonderes sein? Es war das Gesamtbild, das faszinierte. Der durch die Refraktion in den Abendluftmassen aufgedunsene Mond schien aus der Ferne ebenso breit wie der Kirchtum von Sankt Martin. Und er befand sich direkt neben diesem und direkt überhalb der Bäume am Hügel. Und im Westen leuchtete weiterhin rötlich die Sonne. Eine recht seltene Komposition der Naturphänomene. Ich sah Sonne und Mond – beide Begleiter der Menschen seit ältester Vorzeit – beide zugleich sich Auge in Auge am Himmel gegenüber stehen. Sie blickten sich an, zwei runde vollkommene Scheiben mit einem Leuchten von unterschiedlichster Art. Bruder Mond stieg allmählicher höher und gewann an Kraft. Schwester Sonne versank langsam in einem tiefroten Wolkenmeer.

Ich habe in meinen Leben wunderbare Sonnenuntergänge und -aufgänge gesehen, über Bergen und Ozeanen, in Venedig, über der Texanischen Prärie oder im fernen Laos, doch diese klare Opposition der beiden Gestirne am Kreis des Horizonts erlebte ich hier in dieser Form zum ersten Mal. Natürlich hielt es mich nicht lange in der Straße, wo Häuser mir den Weg versperrten. Ich bestieg den Hügel von St. Martin, um dort oben, von Kirchplatz und Friedhof aus, eine bessere Aussicht zu finden.

Inzwischen war der Sonnenuntergang dabei in seine schönste Phase einzutreten. Der Feuerball der Sonne war verschwunden, doch dafür begannen nun all die Wolken und Kondensstreifen, die in den bizarrsten Formen den Himmel Richtung Westen zierten, in den schönsten Rottönen zu erstrahlen. Es war ein Gemälde, eine Serien von Gemälden in stetiger Veränderung. Kaum konnte man den Blick abwenden, doch wandte man ihn dennoch ab, so sah man gegenüber den Mond zielstrebig höher steigen, hinter Ästen und Gemäuern hervorlugen und mehr und mehr zum dominanten Lichtpunkt der Umgebung werden. Die Luft war klar genug um die Geographie seiner Oberfläche zu studieren. Ich sah das Mare Crisium, das Mare Serenitates und die Krater von Tycho, Kepler und Copernikus.

Im Westen aber war das Schauspiel momentan noch spannender. Die Schriftzeichen, welche Sonne und Wolken mit Rotstift in den Himmel schrieben und welche mach chinesischen Buchstaben zu ähneln schienen, begannen allmählich vom Zenit weg ihren Glanz zu verlieren und zu verblassen. Allmählich zog sich das letzte Licht der Sonne, das die Wolken immer noch in die schönsten Rottöne tünchte, zurück zum Horizont, bis nur noch ein einzelner Streif verblieb, der in einem geheimnisvollen dunkeltiefen Rot noch für Minuten weiterstrahlte. Eine Schar von Windrädern im Westen, die mitten in dem leuchtenden Inferno ihre Runden drehten, trug zur Beschauchlichkeit des Anblicks bei. Und dann war es vorbei. Nur der Mond strahlte weiter. Am Friedhof leuchteten einige Kerzen und ein Vogel flog am Kirchtum vorbei in die Ferne. Er flog genau entlang der unsichtbaren Sichtlinie zwischen Mond und mir. Der Friedhof von Markt-Oberdorf ist zu dieser Tageszeit ein reizvoll unheimlicher Ort, wo fast mannsgroße Jesusstatuen aus Stein im Licht der Kerzen ihre Schatten werfen.

Nach diesem emotionalen ‚Vorglühen‘ kehrte ich dem Friehofshügel meinen Rücken zu und suchte mir den Weg zur Filmburg wo die Theaterschule mobilé unter der Leitung von Monika Schubert die zweitausendvierhundert Jahre alte Komödie des Aristophanes zeigte. Und eben davon soll der nächste Absatz Kunde tun:

Dass die alten Dramen Griechendlands, die es irgenwie durch die Wirren der Geschichte in die Gegenwart geschafft haben, auch heute noch von erstaunlicher Aktualität sein können, ist nichts Neues. Man erfährt es immer wieder bei der Lektüre von Aristophanes, aber auch bei Tragödiendichtern wie Sophokles und anderen. Es ist ein Zeichen, dass der Mensch sich gleich bleibt und bei all dem Wandel, den der Fortschrift der Wissenschaften uns gebracht hat, wir doch immer noch dieselben Wesen sind. Und doch… Wie ein solches Drama inszenieren? Wie es auf die Bühne bringen, dass es nicht zu viel an seiner Originalität verliert und dennoch das Publikum mitreißen kann? Monika Schubert weiß, wie das geht und mit „Die Vögel“ haben sie und ihr Team es mit Bravour geimeistert. Das Stück entführt seine Zuschauer auf eine fantastische Reise, auf einen weiten Vogelflug zum Zwecke der Erfüllung einer uralten Sehnsucht des Menschen: der Sehnsucht nach einem Ort, wo alles anders ist, wo die starren Regeln und Grenzen des Alltags ihre Gültigkeit verlieren, wo ewiger Friede herrrscht und die volle Freiheit höchstes Gut ist. Vogel sein und fliegen können, das ist schon die halbe Freiheit. Doch die halbe Freiheit ist uns nicht genug. Wir wollen mehr. Wir wollen einen Ort der unbegrenzten Möglichkeiten dort oben über den Wolken, wo jeden Tag die Sonne scheint.  Wir wollen Wolkenkuckucksheim. Doch jeder Traum kann auch ein Alptraum sein und noch nie hat jemand eine Utopie beschrieben, die bei näherem Hinsehen nicht doch auch eine Dystopie war. Es ist faszinierend, wie sich all dies in diesem wunderbaren Werk des Aristophanes finden lässt. Es herrscht soviel Raum für Interpretationen. Man kann sich darin finden und verlieren. Das Stück ist zeitlos, weil seine Themen zeitlos sind: die unsterblichen Träume des Aussteigertums, der Reiz der Freiheit in der Anarchie, welche doch auch jederzeit den Keim der Autokratie in sich tragen kann und so viel mehr. Am Beispiel des Pisthetairos sieht man wunderbar das alte Spiel der Dämonie der Macht. Der junge Anarchist und Systemkritiker, welcher im Verlauf der Begebenheiten zum Tyrannen und Herr des Gesetzes mutiert. Man kann in dem Stück aber auch die zerstörerischen Machenschaften des ewigen Verführers Mensch beobachten, der die Natur in Gestalt der freien, unschuldigen Vögel korrumpiert und sie ausbeutet und unterjocht. Man kann so viel darin sehen…

Und durch die brilliante Bearbeitung und Inszenierung von Monika Schubert sieht man all dies umso klarer. Es war ein Theatergenuss voll beeindruckender Augenblicke. Etwa, wenn ein Sprechchor von circa fünfzehn Vögeln dem Publikum in synchroner Wortgewalt ihre Botschaft entgegenschleudert, wenn die alten Lieder mancher Kindheit, in denen Vögel sehr oft eine Rolle spielen, plötzlich gesungen werden und sie in die Handlung fügen oder wenn die Vorstellung von frechen Punks gestört wird und das ganze Publikum sich fragt, ob das denn nun zur Show gehört oder nicht. Ich war wirklich lang im Zweifel. Ein besonderes Lob verdient auch die schöne poetische Sprache, die sich über weite Passagen hinweg an den Jamben des Aristophanes orientiert. Wie so ein Versmaß doch den Worten einen Zauber geben kann, den sie in Prosa nie erreichen. Ein Highlight sind auch die kleinen feinen Details der Bearbeitung. So kommt zum Beispiel die Geschichte des Werkes selbst im Werk zum Ausdruck. Der Kolibri spricht kurzweilig von Goehte und Karl Kraus, welche sich einst auch für „Die Vögel“ begeistern konnten und diesem Stück ihre persönliche Note gaben. Und als Aphrodite plötzlich den Mephistopheles zitierte, das war für mich das höchste der Gefühle. Einfach nur mehr schön.

Aber Vorsicht: nur geeignet für Menschen, die auch fliegen können; bzw. die auch fliegen können wollen.

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Betrachtungen – Kommentare – Aphorismen

Eine Wanderung nördlich von Rabac

Manche Wanderungen und Spaziergänge graben sich tief in unser Gedächtnis ein und bleiben ständige Erinnerung. Nie werde ich vergessen, wie ich in Wales den Moel Siabad bestieg, wie ich durch die Moore Nordenglands wanderte oder die ligurische Küste entlang einen Tag nach Süden spazierte.Und auch mein kurzer Ausflug gestern, meine kleine Flucht aus dem Kreis der mich umgebenden Astrophysiker, soll mir unvergessen bleiben. Manchmal sind gewisse Wege so schön, dass man alle paar Schritte stehen bleiben muss um die Aussicht, den Geruch, die ganze Atmosphäre tief in sich aufzunehmen. Man steht an malerischen Orten, spürt den Wind im Gesicht und atmet die Luft der Freiheit. Es war nur ein kurzer Fußmarsch, doch intensiv genug um Bestand zu haben. Nach all der seltsamen Exotik Südostasiens tut es so gut am Mittelmeer zu sein.

Ich verließ das Hotel in Rabac gegen ein Uhr nachmittags und bahnte mir meinen Weg an Paint-Ball Gelände und Tennisplätzen vorbei hinauf in die Hügel. Bald ließ ich all das Treiben hinter mir und erreichte einen einsamen Geröllpfad, der mich stetig weiter aufwärts führte, höher hinaus über das Meer, weiter nach Norden. Anfangs erstreckte sich der Weg noch durch duftende Pinienwälder. Ich blieb oft stehen, atmete den süßen Duft der Bäume ein und berührte auch das Holz so manchen Stammes um die Natur um mich wirklich mit so vielen Sinnen wie möglich zu spüren. Das Pinienharz klebte an meinen Fingern. Ich roch Ölbaum, Pinie und Zypresse und den Duft des Meeres. Immer weiter aufwärts marschierend gelangte ich schließlich ans Ende des Waldes und hatte endlich unverborgen eine herrliche Aussicht zu meiner Rechten. Das Meer glitzerte in einem fantastischen Blau. An manchen Stellen war das Wasser ganz flach und ruhig, an anderen kräuselte es sich wieder. Sich kräuselnde Inseln im sonst stillen Meer. Die Insle Cres dominierte den Horizont. Bis auf ein paar Gebäude, die dort jenseits des Meeresarms standen und ein einsames Boot sah ich nichts, das an Menschheit erinnerte.

Ich folgte meinen Pfad weiter nach Norden. Immer höher wand dieser sich die Hügel hinauf, bis ich schließlich auch zu meiner Linken für kurze Momente eine herrliche Aussicht genoss. Es enthüllten sich so manche Hügelkuppe und so mancher Gipfel der Berge von Istrien.

Schließlich, als ich mir bereits Gedanken über den Rückweg zu machen begann, erreichte ich das kleine Dorf von Mali Cosi, welches abgeschiedener kaum sein könnte. Neben einigen kleinen Ferienhäusern gibt es die alten steinernen Gebäude des Ortskerns. Man hört Hähne krähen und sieht hinter alten Trockenmauern einige Kühe hervorlugen. Ich warf einen Stein in einen zur Gänze mit hellgrünen Algen bedeckten Teich und erfreute mich am Anblick wie kurz das Wasser zum Vorschein kam, bevor es dann mit der Zeit rasch von den nachrückenden Algen wieder bedeckt wurde. Nach einigem Suchen stieß ich in Mali Cosi dann auf einen schmalen, steinigen Pfad, der mich in vielen Windungen durch verlassene, grüne Küstenhänge im Laufe einer Stunde wieder hinab ans Meer führte. Es mochten circa dreihundert Höhenmeter gewesen, die ich aufgestiegen war und nun zurück nach unten musste. Ich hatte bisher seit den fernen Tennisplätzen von Rabac auf dieser Wanderung keinen einzigen Menschen aus der Nähe gesehen und so blieb es auch auf diesem Pfad, welcher sich manchmal im Gras und Geröll des steilen Hanges verlor und sich dann zum Glück wiederfand. Schon nahe des Meeres kam ich zurück in die Wälder und plötzlich war ich dann da und das Rauschen des recht stillen Meeres der Bucht von Kvarn hieß mich Willkommen. Es überraschten mich einige wunderschöne Buchten, zu denen hinab kein Weg führte als jener über das Meer. So schroff war das Ufer, so steil die Felsarena, welche die Buchten umgab. Das Wasser war so wunderbar klar, dass man bis weit hinein ins Meer den Grund noch sehen konnte und das Spiel der kleinen und großen Felsen, wie sie es an manchen Stellen vermochten, die Oberfläche zu durchdringen und in die Luft hinaus zu ragen. Ich bahnte mir meinen Weg weiter durch die felsigen Küstenwälder und kehrte schließlich nach und nach zurück in die Gefilde, wo Menschen weilen. Aus den Buchten hörte man die ersten Gespräche und schließlich sah man auch nach und nach ein paar Artgenossen an den Steinen und Kiesstränden kleben. Vorbei am ausgedehnten Gebiet der Nacktbadebuchten und -strände gelangte ich schließlich wieder nach Rabac, wo ich pünktlich zum Beginn der Nachmittagsvorlesungen anlangte. Ich war nicht länger als drei Stunden unterwegs gewesen, doch kaum einer hatte seine Zeit besser genutzt.

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NOVICOSMO – Summerschool

Rabac2

Welch ein schöner Ort den Sommer zu beenden. Das Meer ist noch warm. Die Luft riecht herrlich süß nach Mittelmeer. Die Physik ist spannend und abwechslungsreich. Die Cocktails sind gut. Die Menschen sind freundlich.

Das ist Rabac, Kroation im Osten von Istrien. Das ist NOVICOSMO – Summerschool 2009. Gemeinsam mit ca. 70 anderen Jungastrophysiker und -astrophysikerinnen verbringe ich zehn schöne Tage in der kleinen Küstenstadt, höre ausgewählte Vorträge von Spitzenforschern, tauche im klaren Wasser der Kvarner Buch, wandere über die Hügel, genieße die Meeresfürchte und lerne viele faszinierende Menschen aus aller Welt kennen.

NOVICOSMO

Rabac

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Betrachtungen – Kommentare – Aphorismen

Ad Christopher McCandless

Viel wurde bereits gesagt und geschrieben ueber das tragische Schicksal von Christopher McCandless. Das grossartige Buch von Jon Krakauer und vor allem die brilliante Verfilmung von Sean Penn haben dazu geführt, dass heute mehr Menschen  über das seltsame Leben und Sterben jenes jungen, mutigen Amerikaners Bescheid wissen denn je. Viele schütteln die Köpfe, andere glauben ihn zu verstehen, manche  identifizieren sich vielleicht sogar teilweise mit McCandless. Für mich ist seine Geschichte eine Warnung, eine Bestätigung und zugleich eine große Inspiration. Manches, was ich in den letzten eineinhalb Jahre gedacht, geschrieben und getan habe, hat indirekt mit dem Schicksal McCandless‘ zu tun. So trug dieses wohl wesentlich zur Genese meines neuesten Theaterstückes „Die Gefangenen“ bei. Trotz klarer Unterschiede und anderer Akzente wird die Hauptfigur darin vom selben Drang nach Freiheit und derselben Antipathie gegenüber der Seichtheit und Verlogenheit der sie umgebenden Mainstream-Gesellschaft geprägt und getrieben wie auch McCandless. Was mich an seinem Charakter besonders faszinierte, war seine eiserne Entschlossenheit in der Ausführung seines Plans, seine Belesenheit, aber auch seine emotionale Kälte gegenüber seiner Familie, die er solange im Ungewissen über sein Schicksal ließ, bis seine Leiche ihr Antwort gab. Wenn es wirklich nur die Jahre zurückliegende Bigamie seines Vaters war, die McCandless dazu veranlasste seine Eltern und seine Schwester zwei Jahre lang mit schmerzlicher Ungewissheit zu strafen, so entlarvt ihn dies als einen unversöhnlichen Menschen mit streng konservativem Moralkodex. Auch andere Fakten seines Lebens weisen darauf hin. Er scheute die Gesellschaft wohl nicht, weil sie ihm zu konservativ war, sondern wohl vor allem darum, weil sie ihm zu wenig „rein“ und zu verlogen war.

Was seine Belesenheit angeht, so war dies ein Hauptgrund meiner anfänglichen Faszination für diesen Menschen. Scheinbar hielt sich McCandless an eine ähnliche literarische Diät, wie ich es in seinem Alter tat, und strich Stellen in seinen Büchern an, die auch ich anstreichen würde, und teilweise auch angestrichen habe. Tolstoi, Pasternak, London, Thoreau… Es hätten auch Sartre, Dostojewskij und Poe sein können; oder Nietzsche, Wilde und J.D. Salinger. Gewiss hätte dem jungen Chris auch  Schopenhauer gefallen. Dieser vielleicht mehr als alle anderen. Am meisten erinnert sein Denken und Leben jedoch an Thoreau, der nicht nur sprach sondern auch selber in die Wildnis ging und sein eigenes Leben zum Experiment machte. Was war Fairbanks Bus 142 denn anderes als eine Variation von der Hütte am Waldon See, nur extremer, radikaler und viel gefährlicher.

Wie wohl die meisten hörte ich zum ersten Mal von McCandless durch Penns Verfilmung von dessen Geschichte. Für mich war es der beste Film des Jahres. Ich sah ihn zweimal innerhalb von wenigen Tagen und mit sehr unterschiedlichen Emotionen. Beim ersten Mal ging ich heim in einem Gefühl der überschwänglichen Euphorie. Ich war trunken vor Freude am Dasein, wünschte mir nichts mehr als Freiheit, Unabhängigkeit und das Glück des Weilens in wilder Natur, welches ich schon auf manch langer Wanderung genießen durfte. In jener Nacht schrieb ich ein interessantes Stück Text, das mich seither immer wieder einmal amüsierte. Beim zweiten Sehen des Films waren meine Gefühle durchwachsener und bei weitem nicht so klar. Ich sah einen ganz anderen Film und begann über einige unbehagliche Widersprüche nachzudenken, die dem Film inhärent sind. Bewusst, wie mir scheint. Es ist als wollten die Macher – wahrscheinlich Penn – dem Publikum eine Frage stellen. Es ist eine Frage, die man mit nach Hause nimmt und lange mit sich herumträgt. Am Ende findet wohl ein jeder seine Antwort. Im Grunde ist die Frage die: Ist es wahr, dass nur geteiltes Glück wahres Glück ist? Auf einer Seite seiner Ausgabe von Doktor Schiwago hatte McCandless ein paar Wochen vor seinem Tod den Satz gerschrieben „Happiness is only true when shared“. Es ist dies jedoch ein radikaler Bruch mit seiner früherer Philosophie und all den Dingen, der gegenüber den Menschen äußerte, denen er auf seiner Reise begegnete. In einen Brief an seinen Freund Ronald Franz – oder wie immer dieser in Wirklichkeit heißen mag- , schrieb McCandless:

The joy of life comes from our encounters with new experiences, and hence there is no greater joy than to have an endlessly changing horizon, for each day to have a new and different sun. […] You are wrong if you think Joy emanates only or principally from human relationships. God has placed it all around us. It is in everything and anything we might experience. We just have to have the courage to turn against our habitual lifestyle and engage in unconventional living.

Es herrscht ein klarer Widerspruch zwischen dieser Aussage – welche im übrigen auch von einem Philosophen wie Thoreau hätte stammen können – und dem oben zitierten Satz über „wahres“ Glücklichsein. Mit der Art wie der Film aufgebaut ist – besonders mit der Betitelung des letzten Kapitels mit „Gaining wisdom“ – scheint uns Sean Penn seine eigene Interpretation nahe legen zu wollen, nämlich die, dass McCandless am Ende seiner Reise und am Ende der kurzen Reise seines Lebens die Wahrheit oder Weisheit findet, dass nur geteiltes Glück wahres  Glück sei. Happiness is only true when shared. Man bemerke dieses kompromisslose „only“ und vergleiche es mit dem „only“ in obiger Antithese, welche auch andere Quellen des Glückes erlaubt: „You are wrong if you think Joy emanates only or principally from human relationships.“

Klarer könnte der Widerspruch kaum sein. Wir haben ein Paar von These und Antithese, das keine Synthese erlaubt, denn das eine ist eine Negation des anderen und Tertium non datur. Man muss sich entscheiden. Das letzte Jahr über habe ich in größeren Abständen immer wieder über diese Frage und vor allem über die Entwicklung, die McCandless von der einen zur anderen Ansicht führte, nachgedacht und versucht in meiner Lektüre, sowie in meiner eigener Erfahrung in Alltag und Reise eine Antwort zu finden. Mein Interesse für McCandless führte mich schließlich zu Henry David Thoreau und dieser führte mich zurück zu McCandless und Jon Krakauers Buch über dessen Leben, das sich in interessanten Detail von der Darstellung im Film unterscheidet.

Ich habe eine Antwort. Und diese lautet, dass der schön und romantisch klingende Satz „Happiness is only true when shared“ völliger Unsinn ist. McCandless selbst bestätigt dies mit seinem Leben, mit den tausend intensiven Glücksmomenten, die er erlebte und wovon er stets Kunde tat. In allen Schilderung wurde er auf seiner Reise als überaus glücklicher Mensch beschrieben, der die Welt um ihn – besonders die wilde Welt – liebte und es genoss sie zu durchwandern. Er fand sein Glück vor allem in der Einsamkeit. Doch wirklich „einsam“ fühlte er sich nur, wenn er unter Menschen war.  Wem will man mehr trauen? Dem was McCandless sein Leben lang gelebt und gepredigt hat? Oder dem, was er geschwächt im Hungerzustand nach großem Schrecken und langen Monaten in der Kälte bei schlechtem Wetter an einer Stelle einmal in ein Buch gekritztelt hat? Gilt es denn nichts, das er davor tausendmal das Gegenteil sagte. Musste dieser eine Satz deshalb gleich als die Erlangung von Erkenntnis tituliert werden? Unsinn. Man bemerke, dass dies nur eine von vielen Notizen war, die McCandless in jenen Tagen in seine Bücher schrieb. Und es war bei weitem nicht seine letzte. Das letzte, was er schrieb, das letzte, was er lächelnd und mit einer Geste des Abschieds sowie des Triumphs vor seiner Kamera präsentierte, war ein Text der unter anderem den Satz beinhaltet: „I have had a happy life“. Und ich glaube die glücklichsten Stunden  waren die, die er mit niemanden teilte. Es waren die, in denen er alleine auf einem Berggipfel in Alaska stand und den Wind im Gesicht spürte. Es waren jene, als er im Kayak den Colorado River entlang fuhr, jene da er in Mexiko endlich den Ozean erreichte, jene da er im Zentrum eines Gewitters stand. Und jene Momente mit einem anderen Menschen zu teilen, hätte jene Momente vielleicht verdorben.

Doch wiese sollte man sie hierbei auf McCandless berufen. Ebensogut könnte man von Lord Byron sprechen, von Thoreau, Nietzsche, Emerson und so vielen anderen. Die Weltliteratur ist voll von wunderbaren Schilderung des Glückes und der Freude, die ein Mensch in dieser Welt empfinden kann. Niemand will dabei leugnen, dass in zwischenmenschliche Beziehungen die Quellen großen Glücks und großer Freude sein können. Doch zu glauben, dies wäre die einzige Quelle ist pure Blindheit. Es gibt mehr als einen Stern am Firmament. Es gibt tausende Quellen der Freude. Man koste sie alle und verweile bei denen, die am süßesten sind. Doch dies ist eine Frage des Geschmacks. Auch ich selbst habe meine eigenen Erfahrungen, die mir mit Bestimmtheit bestätigen: „You are wrong if you think Joy emanates only or principally from human relationships.“

Nichts soll in diesen Erörterung den Eindruck erwecken, dass ich McCandless in irgendeiner Art und Weise als Vorbild betrachte und allzu sehr preisen möchte. Wie Buch und Film und seine Briefe mir sagen, war er ein bewundernswerter, mutiger Mensch, der jedoch viel Ansichten vertrat, die ich klar ablehnen muss. Sein striktes puritanisches Moralverständnis, seine Kälte gegenüber jenen, die dieses missachteten, seine Frömmigkeit…

Man muss auch erwähnen, dass McCandless kein Einzelfall ist. Es gibt viele Menschen, die ihm ähnlich sind und ebenfalls „Into the Wild“ aufbrachen. Manche kehrten wieder, andere nicht. Krakauer erwähnt einige, die nicht wiederkehrten und sieht sich selber als jemand, der in seiner Jugend ähnlich wie McCandless lebte. Und zurecht stellt er fest, dass es wohl nur eine Reihe unglücklicher Zufälle war, die zu seinem Tode führte. Viel hätte nicht gefehlt und McCandless wäre lebendig aus der Wildnis zurückgekehrt. Wir wissen, dass er vor hatte ein Buch zu schreiben. Wir können vermuten, dass es sehr gut geworden wäre. Doch bekannt geworden, wäre es wohl kaum. Man sollte ehrlich sein. Der einzige Grund, warum sich die Welt für die Abenteuer von McCandless interessiert, ist sein Tod, ist seine verweste Leicht im entlegenen Bus. Wäre er nicht gestorben, würde auf der Titelseite von Krakauers Buch nichts von einem verwesten Körper stehen, die Geschichte hätte nie die Welt erobert. Und es gibt viele Geschcihten von Menschen, die wie McCandless in die Wildnis gehen, die versuchen ein „anderes“ Leben zu führen, die ihr Dasein zum Experiment und zum Kunstwerk erheben. Doch niemand interessiert sich für sie.

Cercato ho sempre solitaria vita

Le rive il sanno, e le campagne, e i boschi,

Per fuggir quest‘ ingegni storti e loschi,

Che la strada del ciel‘ hanno smarrita

—————————Petrarka

Das ist alles, was ich über Christopher McCandless sagen wollte.

Henry David Thoreau

So wie im letzten Sommer Lord Byron mein staendiger Begleiter war und mit mir durch Jura, Rhonetal und Chartreuse wanderte, so hatte ich auch auf dieser Reise meinen stillen Kameraden, den ich mit jedem Tage besser kennen lernte. Und obwohl ich in den ersten Wochen dieser Reise kaum die Zeit zum Lesen fand – zu reich war die Umgebung, zu dicht der Reigen der Erlebnisse – so boten sich spaeter doch so manche stille Stunden an, um in die Welt – und die Waelder – meines Buches zu tauchen und eine andere Welt aufzusuchen. So war ich also nicht nur hier. Waehrend ich den Mekong hinauf fuhr oder still an der Kueste Kambodschas meinen Fruchtsaft trank, waehrend ich in Vang Vieng das Treiben der Getriebenen beobachtete oder auf den Inseln Si Phan Dons in meiner Haengematte lag, ich las und lernte einen Menschen kennen. Ich reiste mit ihm durch die Waelder von Maine, folgte im Winter den Spuren eines Fuches am zugefrorenen See nahe Concord, Massachusetts und lebte zwei Jahre lang in jener Huette am Waldrand, nah und fern von nirgendwo. Ich lernte ihn kennen, jenen Gelegenheitsquietisten und Hobbyanarchisten, jenen Freund aller Waelder und Feind der Konventionen. Er, der grosse Reisende, der nie aus Neuengland herausgekommen ist und trotzdem die ganze Welt zu kennen schien. Ich las die Schriften von Henry David Thoreau.

Er starb zu frueh um seinen Ruhm noch zu erleben. Heute zaehlt er zu den wichtigsten literarischen Grossen Neuenglands. Sein Platz im Olymp der amerikansichen Literatur, gleich neben Emerson, Melville, Withman und Poe ist ihm gewiss. Und die Nachwelt nahm auf ihn Bezug. Tolstoi holte sich wichtige Impulse. Und wer weiss, ohne Thoreaus politischer Schrift der „Civil Disobidience“ waere das Leben Gandhis und das Schicksal Indiens vielleicht ein anderes gewesen. Denn Gandhi uebernahm sein Prinzip des friedlichen Protests von niemand anderem als Thoreau, dem Vordenker jeglicher Form zivilen Ungehorsams.

Philosophie und Dichtung sind in seinem Werk verwoben. Er verkoerpert vieles und doch ist seine Meinung klar. Man koennte ihn mit der Philosophie Rousseaus in Verbindung bringen, vielleicht auch mit den europaeischen Denkern der Lebensphilosophie vergleichen. Gewiss ist der Einfluss Emersons nicht unerheblich, der ihm Freund und Lehrmeister war. Dennoch ist Thoreau einzigartig. Seine entschlosse Abwendung von jeglicher festgefahrener Konvention, sein Streben nach Einfachkeit und Origninalitaet, seine fast religioese Verehrung der Natur und des Lebens, sein stiller Protest und sein ewiges Junggesellentum – es lohnt sich seinen Gedanken zu folgen. Und wie immer machte es mir Spass meine eigene Weltanschauung mit jener der Autoren meiner Lektuere zu vergleichen, Parallelen herauszuarbeiten und Unterschiede klar zu legen. Zu Thoreau sage ich oft einfach nur Ja. Er haette sich auch mit Byron gut verstanden, den er – denke ich – nicht kannte. Er kannte und zitierte viele Werke, die ihm wohl sehr wichtig waren. Oft erkannte ich in seinen Schriften so manche Stelle aus dem Lun Yu des Konfuzius wieder. Oft zitierte er auch die Veden, Vergil oder einfach nur Homer. In der Bibel fand er weniger, das in den Rahmen seiner Schriften passte. Thoreau ist kein Erzaehler, der Geschichten und Charaktere er’findet“. Alles, was er schrieb, ist ein Bericht. Ein Bericht seines Lebens, seiner Reisen und vor allem seiner Zeit am Waldon-See, wo er zwei Jahre lang mit der Einsamkeit experimentierte und vom Land alleine lebte. Thoreau hat nicht nur von alternativen Lebenswegen geschrieben und philosphiert. Er hat sie ausprobiert. Und er ist ein Meister der Beobachtung, besonders der Naturbeobachtung. Das Spiel der Jahreszeiten, der Zauber eines zugefrorenen Sees, die Waerme des Feuers, die Stimmen im Wind und die Lieder im Regen – keine hat dies je besser beschrieben als Thoreau. Man lobe aber auch seinen feinen Sarkasmus und versteckten Spott fuer die Gesellschaft der Mainstream Kultur.

Jetzt bin ich mit ihm fertig, habe mein Buechlein „Waldon and other writings“ von vorne bis hinten gelesen und auf vielen Seiten viele Saetze mit Kugelschreiberstrichen dicht versehen um sie bei Bedarf wieder zu finden. Nur ein grosser Autor von vielen. Nur eine weise Stimme aus der Vergangenheit mehr. Und doch koennen solche leisen Stimmen auch in der Welt von heute noch so viel bewegen.

Why should we be in such desperate haste to succeed and in such desperate enterprises? If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer. Let him step to the music which he hears, however measured or far away. Only that day dawns to which we are awake. There is more day to dawn. The sun is but a morning star.

Mir stellt sich vor allem eine Frage: So wie Thoreau von der Natur spricht, von seinen Pflanzen, Tieren und zugefrorenen Seen, wie er all dem mit Worten Leben einhaucht, wie er damit den Phaenomenen des Lebens die Macht gibt im Geiste des Menschen Emotionen zu wecken, kann man dies denn nicht auch mit den Sternen tun, – mit schwarzen Loechern und Neutronensternen, mit Quarks, Neutrinos und Bosonen? Kann man nicht auch von diesen Dingen in Worten sprechen, die poetisch sind? Und so vielleicht mehr Licht ins Dunkel bringen, als mit reiner Mathematik, mehr Menschen sehen lassen, was in ihrem Wellenlaengenbereich ansonsten noch verborgen bleibt? Vielleicht. Man braeuchte einen Thoreau der Naturwissenschaften.

Und wieder geht ein Jahr zu Ende …

Für mich ist dann die Zeit des Jahresendes angebrochen, wenn ich mich im Sommer müde der Gedanken und Pflichten des übrigen Lebens auf eine Reise begebe, eine Reise, die mich Abstand gewinnen lässt von der Welt, in der ich sonst lebe und von dem Menschen, der ich sonst bin. Man entrückt sich durch die Flucht in die Ferne seiner selbst um nach der Rückkehr gleich einem Phönix aus der Asche der Vergangenheit zu steigen und sich voll Elan und Tatendrang in die Herausforderungen einer neuen Zeit zu stürzen. Ich bin müde. Ein langes, wunderbares Jahr liegt hinter mir. Es ist viel geschehen, viel gelungen, viel geschafft. Doch nun heißt es Abstand nehmen. Fort mit der Physik. Hinweg mit der Philosophie. Adé Theater. All das lass ich einmal mehr nun hier zurück und fliehe. Eine Reise beginnt.

siehe http://www.allposters.com/-st/Bill-Wassman-Posters_c57275_.htm

Ich freue mich auf die Tempel von Angkor und den Sonnenuntergang über dem Tonlé Sap. Die schöne und traurige Geschichte einer faszinierenden Region erwartet mich. Uralte buddhistische Heiligtümer, glanzvolle Statuen, der Zauber einer fremden Kultur… Ich hoffe auf schöne Naturerlebnisse: der breite Mekong-Strom, die Berge im Norden von Laos, die Urwälder. Aber auch die dunklen Seiten einer bewegten Geschichte gilt es zu ergründen: Massengräber, das Foltergefängnis von Tuol Sleng… Drei Länder  erwarten mich: Kambodscha, Laos und der Norden Thailands. Alle drei sind hauptsächlich geprägt vom Hinayana Buddhismus und ich bin schon gespannt wie unterschiedlich jene Kulturen, so fern der westlichen Monotheismen, auf mich wirken.

Letztes Jahr hat mich Lord Byron mit seinen Schriften auf meinen Wanderungen begleitet. Diesmal nehme ich einen weiteren Denker mit, dem ich mich in vierlerlei Hinsicht sehr verbunden fühle. Mit mir in den Fernen Osten reisen einige Schriften von Henry David Thoreau. Ich bin schon gespannt, was er mir dort zu erzählen hat.

Es wird Zeit. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Morgen bin ich auf dem Weg.

Hier kann man meinen Reiseverlauf in groben Zügen mitverfolgen:

Der ferne Osten 2009

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Betrachtungen – Kommentare – Aphorismen

Im Herbst 2010 kommt mein neues Stück auf die Bühne

Im April 2009 war es mal wieder so weit und ich schrieb ein Theaterstück. Nach einer der erfolgreichen Aufführungen von „Der Held“ war Hubert Petter, Obmann der Volksbühne Alpenland Thiersee, mit der Bitte an mich herangetreten, er würde gerne eines meiner Stücke inszenieren. Ich freute mich damals sehr, glaubte aber nicht, dass „Der Anschein“, „Der Stein des Sisyphos“ oder „Nebel“ für diesen Rahmen geeignet wären. Ein paar Wochen lang ließ ich meine Gedanken kreisen ohne auf irgendeine fruchtbare Idee zu stoßen. Und dann, Ende April, war es  so weit. Es war kurz vor Mitternacht und ich wollte mich eben schlafen lagen. Ich stand vor meinem Bett und ließ meinen Blick über die vielen Bücher in den Regalen über meiner Schlafstätte gleiten. Hinter jedem Titel ein Mensch und eine Geschichte. So viele Welten, die ich bereist hatte. Und dann geschieht es. Verschiedene Gestalten, verschiedene Aspekte unterschiedlicher Geschichten treten plötzlich aus der Masse heraus und vereinen sich zu einer neuen, zuvor noch nicht dagewesenen Kombination. Eine neue Welt entsteht. Es ist erst ein kleiner Ansatz und doch ist alles schon da. Denn der Rest ergibt sich von selbst.

Schlafen war nun kein Thema mehr. Es galt sofort alles aufzuschreiben, das da kam. Es galt die Fenster weit offen zu halten, solange der Wind noch wehte. Immer mehr Ideen und Facetten tauchten auf. Ein Glied fügte sich ins nächste und am frühen Morgen war das Drama mehr oder weniger komplett.

Da sich bisherige Leser recht angetan zeigten ist  es nun so gut wie sicher: Mein neues Stück „Gefangen“ wird im Herbst 2010 von der Volksbühne Alpenland Thiersee unter der Regie von Hubert Petter uraufgeführt werden. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf. Allen, die daran beteiligt sein werden, und besonders dir, lieber Hubert, wünsche ich viel Freude und Erfolg.

Tat twam asi

Hier ein paar Infos zum Stück:

Gefangen

Der Ort ist Tirol. Die Zeit ist heute. Obwohl es auf den ersten Blick anders erscheinen mag, ist “Die Gefangenen” weit mehr als ein einfaches Dialektstück. Denn in die enge Stube des Bauernhofes der Familie Brenner weht ein Wind der fernen Welt, welcher große Fragen mit sich bringt. Tragen wir nicht alle Masken? Masken, die unserem sozialen Status und den Verhältnissen, in denen wir leben, entsprechen? Spielen wir nicht alle Rollen? Rollen, die determiniert sind durch Geschlecht, Religion, Herkunft, Alter und Sprache? Wann kommt man denn schon dazu, man selbst zu sein? Sind wir nicht alle Schauspieler, die auf der Bühne gefangen sind, eingesperrt in die engen Mauern gesellschaftlicher Erwartungen?

Doch es gibt Menschen, die sich nicht einsperren lassen, Menschen, die den unsagbar großen Mut zeigen, einfach nur sie selbst sein zu wollen und es satt sind irgendwelchen Rollenbildern zu entsprechen. Für ihre Individualität nehmen sie den Hass und den Hohn der anderen in Kauf. Zumindest solange, bis nur noch ein einziger Weg erträglich scheint: die Flucht. Dies ist der Weg der Evi Brenner, der tragischen Heldin dieses Stückes.

Doch all dies ist längst Vergangenheit. “Gefangen” erzählt nicht von Evis Flucht, sondern von ihrer Rückkehr. Wie anknüpfen an ein Leben, das nicht mehr das ihrige ist. Wie ertragen, dass keiner erkennen will, dass sie nicht mehr jene ist, die einst vor allem floh?  Ein Stück der großen Fragen und tiefen Emotionen.

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Alpenlandbühne Thiersee

Betrachtungen – Kommentare – Aphorismen

Ein gelungenes Comeback

Ein gelungenes Comeback – Egal was und wie viel Michael Jackson in seinem Leben noch gelungen wäre, nichts davon hätte seinen Ruhm derartig gesteigert, seinem Ruf derartig gut getan und ihn dermaßen zurück ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gerückt, wie sein plötzlicher Tod. Nur so konnte er die Fans von einst zurückgewinnen und darüberhinaus mehr Menschen erreichen als je zuvor. Viele, die noch nie mit seinen Liedern in Kontakt geraten waren, kamen in den letzten Tagen nicht darum herum mit Jacksons Werk und Wirken konfrontiert zu werden. Zum Beispiel ich. Noch vor zehn Tagen hätte ich keines seiner Lieder nennen, geschweige denn mich an irgendeine Botschaft oder Melodie erinnern können. In den letzten Tagen war es aber kaum zu vermeiden seine Lieder zu hören. Und das, was ich hörte, gefiel mir sehr gut. Ich war überrascht über die klaren Botschaften von Humanismus, von Frieden und Nächstenliebe, die in vielen seiner Lieder wie dem „Earth-Song“ und „Heal the world“ deutlich zum Ausdruck kommen. Ist es nicht schön, dass Lieder mit solchen Botschaften zu Jacksons Bestzeiten von Millionen Menschen weltweit gehört und gespielt wurden, und nunmehr erneut rund um die Welt gehört und gespielt werden? Ein Lied vermag eben mehr als bloße Worte. Kein Philosoph kann darauf hoffen mit seinen Texten je so viele Menschen in seinen Bann zu ziehen, wie ein Sänger wie dieser mit seinen Liedern. Ähnliches können vielleicht nur manche Geschichten (ein paar wenige). Wichtig ist, dass es Botschaften gibt und hier ist jemand gestorben, der sehr wohl eine Botschaft hatte. Und mit seinem Tod singt er diese nun lauter als je zuvor. (Daran kann auch die recht unappetitlich übertriebene religiöse Frömmigkeit seiner Trauerfeier nichts mehr ändern – zum Glück findet sich in seinen Liedern davon nur wenig.) Die Welt braucht Botschaften wie dieser Mensch sie gab.

We Could Fly So High

Let Our Spirits Never Die

In My Heart

I Feel You Are All My Brothers

Create A World With No Fear

Together We’ll Cry Happy Tears

See The Nations Turn Their Swords

Into Plowshares

Heal The World

Make It A Better Place

For You And For Me

And The Entire Human Race

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Allgemein

Der Zweck der Schule

Nicht nur der neue Aufschwung extremistischer und fundamentalistischer Positionen, besonders unter jungen Leuten, macht deutlich, dass Bildung und Erziehung oft versagen. Was an Schulen gelehrt werden sollte, ist nämlich nicht nur das Funktionieren am späteren Arbeitsplatz, nicht nur die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Person im beruflichen Leben. Bildung ist nicht nur Ausbildung. Bildung ist viel mehr. Und das wichtigste, das man an Schulen lernen sollte, ist weder Deutsch, noch Englisch, Mathematik oder Physik und ganz bestimmt nicht Wirtschaftskunde. Was man an Schulen lernen sollte, sind vor allem diese Dinge: kritisches Denken, vorurteilsbefreites Handeln, Objektivität, Selbstreflexion und die Fähigkeit sich bei unterlegenen Argumenten auch eines Besseren belehren zu lassen. Wenn Schule dies vermitteln könnte, wenn Schule uns befähigen könnte, dass wir Urteile kritisch prüfen, dass wir unsere eigenen Vorurteile entlarven, dass wir bei allem und jedem versuchen die objektive Seite zu sehen und uns erst dann eine Meinung bilden, dass wir bereit sind Fehler einzugestehen und Kritik zu vertragen, kurz, wenn Schule uns zu reifen, mündigen Menschen erziehen könnte, dann wäre schon viel getan um kommendes Übel zu vermeiden. Leider kann die Schule dies nur selten. Und sie verlernt es leider immer mehr.

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Des Menschen heimliche Vorliebe zur Unwahrheit

A: Neulich auf der anderen Straßenseite: Er und Sie gehen eine kurzes, steiles Wegstück hinauf. Sie humpelt ein wenig, da ihre Füße schmerzen. Und sie sagt, wenn er jetzt jemand anderes wäre, jemand, den sie nicht so gut kennte, dann würde sie nicht humpeln, dann würde sie ihre Schmerzen vor ihm verbergen und lächelnd mit ihm vorwärts schreiten. Aber dies ist ein Vorwurf, kein Dank, dass man gemeinsam sein kann, wer man ist. Diese Worte, die eigentlich auch Lob sein könnten, sind gesprochen im Ton einer Anschuldigung. „Wer bist du, dass ich mich vor dir nicht mehr verstellen muss? Du unterstehst dich, dass ich mir vor dir nicht mehr maskiere? Aber ich will Masken tragen! Ich will mich verstellen, will dir etwas vorspielen, das ich nicht bin. Ich will lügen! Wie kannst du so uninteressant sein, dass ich nicht einmal mehr der Drang verspüre, dich zu belügen?“ Dies war der Sinn ihrer Worte.