Antigone

Schon Jahre zuvor hatte ich die Antigone des Sophokles gelesen und war begeistert von Spannungsgrad und Gegenwartsrelevanz dieses Stoffes. Ein über 2400 Jahre altes Stück zu inszenieren, war eine Herausforderung, die mich reizte. Ich kürzte das Stück drastisch und fasste viele Rollen zu jener des Wächters zusammen, für welchen ich auch einen komplett neuen Monolog schrieb, welcher dem Publikum das Eintauchen ins antike Theben erleichterte. Unsere „Anti-gone“ wurde als immersives Stubenspiel konzipiert. Da war keine Bühnenkante zwischen uns und dem Publikum. Wir spielten in einem winzigen Kreis umrundet von 100 Zusehenden. Publikum blickte auf Publikum. Ja mehr noch: die Zusehenden selbst wurden zu Bürgern Thebens, die direkt angesprochen wurden und sich als Teil der Handlung fühlten. Stefanie Telser spielte die Titelrolle mit Bravour. Dazu kamen Klaus Schneider, Gunther Hölbl, Varina Weinert, Hanspeter Teufel und andere. Auch mit diesem Stück gingen wir auf Tournee. Wir spielten in Stadt Haag, Innsbruck, Imst, Thiersee, Fiss, Tristach und Schwendau im Zillertal. Schließlich wurde das Stück sogar mit dem Tiroler Volksbühnenpreis ausgezeichnet.

Unsere Tournee:

  • am 8.2. / 9.2 / 14.3. / 15.3. und 16.3. 2014 im Kulturhaus Kufstein
  • am 14.2. 2014 in der Arche Noe Kufstein
  • im 20.3. 2014 im Freien Theater Innsbruck (heute BRUX)
  • am 16.5. 2014 in Imst (Humiste)
  • am 11.9. 2014 im Passionsspielhaus Thiersee
  • am 13.9. 2014 beim Theatergenussherbst in Fiss
  • am 20.5. 2015 im Kulturhaus Kufstein
  • am 24.5. 2015 beim Theaterfestival Schauplatz in Stadt Haag
  • am 3.10. 2015 in Tristach (Osttirol)
  • am 9.4. in Schwendau im Zillertal

„Antigone“, ist das wohl bekannteste Stück von Sophokles. Es ist ein Juwel der Weltliteratur, ein kostbares Vermächtnis aus den Uranfängen der Theatergeschichte im antiken Griechenland. Erzählt wird ein blutiger Reigen aus Machtstreben und Familienliebe. Nichts ist hier verstaubt. Die Fragen, mit denen uns die Geschichte der Antigone – Tochter des Ödipus – entgegentritt, haben auch in unserer Gegenwart nichts an ihrer Sprengkraft eingebüßt.

Die Bilder:

Der Volksbühnenpreis:

Die Übergabe des Tiroler Volksbühnenpreises am 17.11. 2014. Im Bild von links nach rechts: Johannes Reitmeier (Intendant des Tiroler Landestheaters, Hildegard Reitberger (Obfrau des Stadttheaters Kufstein), Beate Palfrader (Kulturlandesrätin von Tirol), Ekkehard Schönwiese (Dramaturg des Theaterverbandes Tirol) und Helmut Häusler (Schauspieler am Tiroler Landestheater)

Da ich selbst zum Zeitpunkt der Verleihung in Indien weilte, steuerte ich nur folgende Worte bei:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kunstschaffende und Kunstgenießende,

die Nachricht, dass unsere Inszenierung der Antigone des Sophokles von der hochkarätigen Jury des Tiroler Volksbühnenpreises mit dem ersten Platz bedacht wurde, erreichte mich in einem kleinen Dorf im indischen Himalaya. Hier saß ich, zwischen Bergen und Buddha-Statuen, und dachte darüber nach, ob ich mein Leben künftig eher in Richtung Theater oder in Richtung Gammastrahlenastroteilchenphysik ausrichten sollte. Ihre Entscheidung, werte Jury, bestätigt mir: um die Gammastrahlen sollen sich andere Leute kümmern.
Ich bedanke mich bei meinem famosen Team. Nur mit euch war dieses Stück möglich. Erinnern sich die beiden Damen, Ismene und Antigone, noch daran, als sie mich beide bei „Endstation Sehnsucht“ fragten, ob ich nicht ein Stück für sie hätte? Schon damals spukte mir Antigone durch den Kopf, das psychologisch spannendste Drama der griechischen Antike. Schon nach den ersten Probe war uns klar: dieses Stück dringt tief ins Herz. Die alten Worte wirken – auch heute noch. Jeder Theatermacher wandelt im Licht und im Schatten einer zweieinhalb Jahrtausende reichen Geschichte. Dass eines der ältesten Stücke der Welt heute noch Preise gewinnen kann, ist einfach nur schön.
Doch das Schönste an unserer Antigone ist: sie ist noch nicht tot. Wir werden dieses Stück wohl noch einige Male spielen. Und wir freuen uns sehr darauf.
Ich möchte auch den kreativen Köpfen hinter allen anderen nominierten Stücken gratulieren. Ich wünschte, ich hätte all eure Stücke gesehen, doch leider sind die Tage zu kurz, um alles zu sehen, was sehenswert ist. Dennoch: erhebt heute alle gemeinsam die Gläser und stoßt an: auf das Theater, auf die Bühnenmagie, auf das Gelächter und die Tränen im Publikum. Es gibt nichts Schöneres.
Klaus Reitberger
31.10. 2014   Yuksom, Sikkim, India

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