Die Thurnbacherin

Dass ich ein Tiroler Volksstück von Rudolf Greinz inszenierte, kam für viele überraschend. Tatsächlich wäre es wohl kaum dazu gekommen, wenn nicht Theaterurgestein Ewald Grasl mir das Buch – ein über achtzig Jahre altes Exemplar in Kurrentschrift – in  die Hand gedrückt hätte und mich in Folge mehrmals er-mahnte, ich möge es doch endlich lesen. Das tat ich dann schließlich auch – und war begeistert. Spannender kann ein Psychothriller kaum sein. Welch mentale Abgründe, welch Geflecht aus Abhängigkeit, Ekel, sexueller Begierde und Machtgefällen sich in diesem Stück offenbaren, sucht in der alpenländischen Literatur seinesgleichen. Wollte Ewald anfangs selbst noch die männliche Hauptrolle spielen, wurde bald klar, dass er schon zu alt dafür war. Doch zumindest Prolog und Epilog konnte er mit Bravour sprechen. Auf der Bühne brillierten Brigitte Einkemmer, Gunther Hölbl, Reinhard Exenberger, Hannes Reitberger und Christl Lutz. Die Musikuntermalung von Apocalyptica, der Einsatz von Projektion hinter den Fenstern und die Kapitelüberschriften an der Drehwand sorgten für den nötigen Kontrapunkt in der ansonsten klassischen Inszenierung.

Sommer 1910: Hoch über dem Tal liegt der Thurnbachhof. Nach monatelangem Siechtum ist der junge Bauer endlich tot. Zurück bleiben sein greiser Vater, sein jüngerer Bruder und seine Witwe, die nun als Thurnbacherin das Sagen auf dem Hof hat – sehr zum Missfallen von Schwager und Schwiegervater. Außer diesen dreien hausen auf Thurnbach noch ein Knecht und eine Magd – sonst niemand mehr.
Was sich anfänglich wie ein einfaches Volksstück anhört, ist in Wahrheit Psycho-Terror vom Feinsten: Fünf Personen. Fünf Leidenschaften. Ein verhängnisvolles Labyrinth aus Liebe und Hass, ein Strudel der gegenseitigen Abhängigkeit, genährt von Machthunger und sexueller Begierde. Hinzu kommt der lange Schatten eines schrecklichen Verbrechens, welches niemals ans Licht kommen darf.

FRIEDL: „Mi hat’s nit g’litten im Haus. Es is mir so gruslig vor-kommen, als wenn a großes Unglück g’schehen müsst‘. Der Wind hat so wild getan, und g’regnet und g’schneit hat‘s.
I hab‘ mi
hinausg’schlichen vor ’s Haus. Und hab‘ mi auf die Bank gestellt, die vor eurer Schlafkammer steht. Und von da aus hab‘ i alles g’sehen und g’hört. Alles.“

Der TV-Bericht:

Die Presse:

Es war eine Premiere der Sonderklasse, ein Stück so intensiv wie ein Thriller, meisterlich inszeniert von Regisseur Klaus Reitberger. Mit der Thurnbacheirn zeigten Brigitte Einkemmer, Gunther Hölbl, Reinhard Exenberger, Hannes Reitberger, Christl Lutz und Alois Pfurtscheller, auf welch außergewöhnlichem Niveau das Ensemble des Stadttheaters Kufstein zu spielen vermag.

Intensiv und abgründig die Vorlage von Rudolf Greinz aus dem Jahr 1910. Meisterlich inszeniert von Klaus Reitberger mit intensiver Musikuntermalung und multimedialen Elementen. Sechs Schauspieler, ein Raum und menschliche Abgründe, die das Publikum sofort fesselten. Volksbankdirektor Wolfgang Schauer: „Das beste Theaterstück, das ich je gesehen habe.“ Zum Schluss gab’s Standing Ovations für das Ensemble, das in dieser Inszenierung bis an seine Grenzen und wohl auch darüber hinaus gehen musste, um das Publikum in die abgrundtiefe Seelenwelt der Thurnbacherin zu entführen. Besser geht’s nicht.

Christian Mey in Die Kufsteinerin (2, S.110)

Mit dem Volksstück „Die Thurnbacherin“, geschrieben von Rudolf Greinz, startet das Kulturhaus Kufstein in das diesjährige Theaterjahr. Regie führt Klaus Reitberger. Am Freitag, dem 23. März 2012, besuchte ich besagtes Kulturhaus, um mir eine von insgesamt sieben Aufführungen anzusehen. Knapp 150 Zuschauer erschienen an diesem Abend zu dem Volkstheater. Mit „Die Thurnbacherin“ habe ich die Möglichkeit bekommen, mein Theater-Repertoire sehr positiv bereichern zu können. Um es schlicht und einfach zu sagen: Ich war begeistert. Und zwar aus mehreren Gründen: Einerseits fand ich die Geschichte, die bei diesem Stück erzählt wird, unglaublich spannend – es ist einfach einmal etwas anderes als die klassischen, lustigen und leichten Volksstücke, die man normalerweise zu sehen bekommt. Bei diesem Stück stand die Dramatik klar im Vordergrund. Die sich abwechselnden Szenen aus sowohl körperlicher als auch in Dialogen vorkommender Gewalt und Leidenschaft erzeugten einen Spannungsbogen, der sich am Schluss durch den Mord an der Thurnbacherin schlagartig entladen hat. Andererseits haben die mitwirkenden Darsteller eine wirklich großartige schauspielerische Begabung gezeigt – und zwar alle. Jedem Einzelnen habe ich seine gespielten Emotionen voll und ganz abgekauft. Auch die Gäste, die ich interviewt habe, waren restlos begeistert. Man darf sich also schon wieder auf das nächste Stück, wo ebenfalls Klaus Reitberger Regie führt, freuen!

Isabella Traunfellner in mein ticket

Diese Aufführung schien mir die beste aller Inszenierungen, die ich erlebt habe. Sie verdiente weitere Wiederholungen an anderen Orten, wenn machbar auch über das Fernsehen. Mit ihrer Leistung können die Kufsteiner sicher mit medien-bekannten Bühnen konkurrieren.

Dr. Georg Ott (Enkel von Rudolf Greinz) über „Die Thurnbacherin“

Die Bilder:

Die Ehrenurkunde:

Verleihung der Ehrenurkunde zur Nominierung für den Tiroler Volksbühnenpreis durch die Kulturlandesrätin Beate Palfrader

Der Folder:

Inszenierungen

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