„KNIFE“ von Salman Rushdie

Es tut so gut, Salman Rushdie zu lesen – und sich dabei gemeinsam mit ihm zu freuen, dass er noch lebt, dass über fünfzehn Stichwunden nicht vermocht haben ihn zu töten, dass er sich seinen Humor, seinen Charme bewahrt hat und dass er weiterhin Hunger darauf hat, gute und wichtige Bücher zu schreiben. Immer noch ist „Midnight’s Children“ der meiner Meinung nach beste Roman, den ich je gelesen habe. Immer noch verschlinge ich jedes neue Rushdie-Buch, sobald es erscheint. Sein neustes Werk „Knife“ nimmt aber einen besonderen Stellenwert in seinem Oeuvre – ja in der Weltliteratur überhaupt – ein. Wurde jemals von einem Opfer eines Attentats so scharf, bissig und witzig, so reflektiert und analytisch über die eigene Erfahrung des Fallens, des Beinahe-Sterbens, des Heilens und des mentales Wegs zurück ins Leben geschrieben? Wohl kaum. Der fiktive Dialog mit seinem Attentäter ist erschütternd und erhebend zugleich. Darüber hinaus ist das Buch – wie bei Rushdie oft – voll mit reizvollen Ausflügen in die internationale Literatur und Pop-Kultur, von Averroës bis Baudelaire, von Günter Grass zum Mandalorian.


Salman Rushdie ist wieder da! Ihm geht es gut! Und er denkt nicht einmal daran, sein „zweites Leben“ nach dem Attentat einfach nur zu genießen. Nein, mehr denn je stacheln ihn die Probleme der Gegenwart an, dem Wahnsinn unserer Zeit (Trump, Putin, Gaza-Krieg, Populismus, Fundamentalismus etc.) und den damit eingergehenden Lügenmärchen ein positives Narrativ von Menschlichkeit, Säkularismus und Aufklärung entgegenzusetzen. Man freut sich schon ungemein auf das nächste Werk aus seiner Feder. Bitte, gebt diesem Mensch doch endlich seinen längst verdienten Nobelpreis.

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